the-evil-within-feature Test

The Evil Within – Ich bin Irre, holt mich hier raus!


Der Schlachter jagt im Irrenhaus
Gedärm‘ und Hirn kloppt er dir raus,
Schrotgewehr leer,
ich kann nicht mehr,
Holy shit, ich will hier raus!

Ein kleiner Limerick zum einstimmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Entwickler bei Tango Gameworks unter der strengen Aufsicht durch Horror-Mastermind Shinji Mikami dieses kleine Gedicht immer wieder runter beten mussten. Immerhin muss es Mikami wissen, hat er doch mit Resident Evil quasi den Videospiel gewordenen Horror erfunden… und was haben wir uns alle vor der Playstation (1!) regelmäßig in die Hose gemacht. Aber, kann es Mikami nach Resident Evil und Resident Evil 4 noch mal packen? Ein Spiel in dem sich Angst und Terror regelmäßig abwechseln und auf den Spieler einsemmeln?

What…

Eigentlich fängt The Evil Within noch ganz harmlos, klassisch an. Detective Sebastian Castallanos und sein Partner werden an einem regnerischen Nachmittag an den Tatort eines blutigen Massenmordes gerufen. Castallanos schaut grisgrämig drein, also bis hier hin alles wie man es erwartet. Vorort finden die beiden nicht nur viel Blut und entstellte Leichen, sondern erleben auch wie ihre Kollegen von einem teleportierenden Kaputzenträger mit entstelltem Gesicht abgeschlachtet wurden.  Kurz darauf gerät Castallanos selbst in die Fänge des Mörders und wird bewusstlos geschlagen. So verläuft die erste Viertelstunde eher unspektakulär für den verwöhnten Horrorkenner. Als Castallanos wieder zu sich kommt, findet er sich in einer Horrorwelt wieder, die irgendwo zwischen heruntergekommenen Hinterwäldler-Dorf, versifftem Irrenhaus und Herrenhaus im Wald ein Best Of der beiden populären Shinji Mikami Titel und anderen Horrorspielklischees darstellt. Wirklich interessant ist daran nur der Umstand wie diese Orte miteinander verknüpft werden.

…the…

Man sollte den Einstieg genießen, da hier irgendwie noch alles halbwegs nachvollziehbar abläuft… Denn schon nach kurzer Zeit kommt die Best-of-Horror-Achterbahn in Fahrt, täuscht an, schlägt Haken wie ein Karnickel auf der Flucht und gibt sich in den seltensten Fällen irgendwie Mühe die Sachen, die man in den letzten Spielminuten/-stunden erlebt hat plausibel zu erklären. Ich hatte immer mal wieder so eine Ahnung, aber dann hat mich entweder ein entstelltes Monster durch den Boden einer Kirche gekoffert oder ein dreckig-dunkler Keller führte mich ohne Vorwarnung auf ein Feld inklusive wunderschönem Sonnenuntergang. Großartige Gedanken solltest Du dir beim spielen darüber nicht machen … es würde Dich vermutlich, wie die Division durch Null, nur in den Wahnsinn treiben. Aber irgendwie macht dies gerade den Reiz aus, um The Evil Within einfach noch ein wenig weiter zu spielen… man weiß nie, was als nächstes kommt. Ein blutig-rostiger Keller? Zurück zum Irrenhaus? Ein Dorf voller unfreundlicher Einsiedler?

…fuck?!

Wenn Shinji Mikami zum Horror-Klassentreffen ruft, dann lassen sich die Monster und Zombies nicht zweimal bitten. Alle sind gekommen, der fast unbesiegbare Metzgermeister inklusive blutiger Axt und einem Tresor als Kopfbedeckung, die grotesk verrenkten und blitzschnellen Krabbel-Damen mit ein zwei Armen zu viel sind auch dabei, „Tentakel-Zunge“, Rohr-durch-den-Kopf-Zombie und der Kettensägen-Psycho… alle sind gekommen und haben sich noch mal so richtig mit Blut, Gedärm und sonstigem Rotz dekoriert. Leckerschmecker. Bevor Du Dich aber freudig, mit Hackebeil und Schrotgewehr in die Schlange zur Torte anstellst… Du bist auf dieser Party die Torte. Grob gilt die Regel, wenn es nicht aussieht wie ein Mensch, dann nimm die Beine in die Hand und lauf davon. Der direkte Kampf ist über weite Strecken in The Evil Within immer die schlechteste Wahl. Die Muniton ist spärlich verteilt, eine Axt hält nur einen kritischen Angriff lang und für die später verfügbare Armbrust müssten die Pfeile erst aus zusammengesammelten Zeug „gecraftet“ werden. Dieses Spiel schafft es, dass man immer ganz ganz nah am Game Over vorbei schrammt.

„Hier geht etwas merkwürdiges vor.“

So entfährt es einer Spielfigur irgendwann im ersten Drittel dieser Horror Tour de Force… say what?! Den Blitzbirnen unter den NPCs widme ich später noch ein paar Zeilen, aber was bis hier hin geschah als „merkwürdig“ zu bezeichnen ist, gelinde gesagt, eine Untertreibung. Die Schauplätze und Gegnerdesigns wechseln in kurzen Abständen, Bossgegner und Zwischensequenzen sind grotesk, glitschig und bedrohlich. Selbst die ruhigen Momente in der Irrenanstalt, die Castallanos immer wieder durch Spiegel betreten kann sind… schräg. Fähigkeiten werden gegen aufgesammeltes Gel (hier fehlt kein Buchstabe) im Irrenhaus auf einem Elektrischen Stuhl(!) aufgewertet, dass immer dann durch einen Spiegel betreten werden kann, wenn ein Grammophon davor steht. Klar soweit? Ich musste erst einmal lernen, die verqueren Ideen in The Evil Within einfach so hinzunehmen wie sie kommen und es einfach geschehen zu lassen.

Altbekanntes Gameplay

Dagegen ist das Gameplay erstaunlich bodenständig. Die Kamera schwebt nah an der Spielfigur und holt Dich, zusammen mit dem schmalen Bildausschnitt (permanente Letterbox) sehr sehr dicht ans Geschehen. Wenn Castallanos sich in einem Schrank versteckt oder durch die Schatten an seinen Gegnern vorbei schleicht, sie mit einem gezielten Wurf ablenkt und sie dann von hinten mit einem spritz-spratzigen Schlag ausschaltet, kann man den Schmodder fast schon schmecken. Alternativ kann man auch die Konfrontation suchen und mit der spärlichen Muniton seine Gegner wegrotzen oder, etwas eleganter, erst einen Blendgranaten-Pfeil mit der Armbrust abfeuern und dann die Gegner per Takedown fertig machen. Allerdings muss man für den Takedown trotzdem erst hinter den Gegner „schleichen“… wurde wohl von den Entwicklern so nicht ganz zu Ende gedacht. Zu viel offensives Vorgehen wird aber durch die zahlreichen (explosiven) Fallen abgebremst. Bevor Du jetzt daran denkst die Gegner doch einfach in ihre eigenen Fallen zu locken… nope… die Dinger lösen nur bei Dir aus und nicht bei deinen Gegnern. Ein gezielter Schuss allerdings bringt da schon etwas mehr Effekt. Alternativ lassen sich die Fallen aber auch auseinander nehmen um Ressourcen für neue Armbrustbolzen zu gewinnen.

Spaßbremse angezogen

The Evil Within gibt sich keine große Mühe um dem Spieler zu helfen oder unter die Arme zu greifen um weiter zu kommen oder eine Situation zu lösen. Manchmal hilft da nur durch Trial & Error die Szene immer wieder zu spielen bis es perfekt klappt oder man den richtigen Weg nimmt. Manchmal macht ist Design der Abschnitte einfach nur unlogisch gestaltet… unlogisch nicht wie abstrakt, sondern unlogisch wie kontraproduktiv. In einem Abschnitt drehte sich ein riesiges Karussell mit einer tödlichen Klinge auf Kopfhöhe… also musste ich mich regelmäßig ducken um meine Rübe zu behalten. Soweit so doof… dann kommen aber noch Gegner die bekämpft werden wollen, was nur funktioniert, wenn man aufrecht steht. Ein anderes Mal konnte ich zwar erfolgreich weglaufen, kam dadurch allerdings nicht weiter, weil das Spielscript verlangt, dass ich erst alle Gegner im Areal töte. So was muss 2014 wirklich nicht mehr sein. Dazu kommt noch eine andere ärgerliche Designentscheidungen, die die eigentlich erfolgreiche und durch Munitionsmangel provozierte Weglauf-Strategie sabotiert. Warum zum Teufel muss ich stehenbleiben, wenn meine Ausdauer durch einen Sprint aufgebraucht ist?!

Gut für die Ohren, aber bitte nicht nachdenken

Kommt selten vor, aber ich hatte kaum den Drang bei The Evil Within die Sprache auf Englisch umzustellen… was allerdings auch nicht möglich ist. Neben der deutschen Sprachausgabe sind in der USK Version nur noch die französische, spanische und italienische Sprachausgabe verfügbar. Seltsame Entscheidung, aber bei den sehr guten Sprechern nur noch halb so schlimm. Was den Figuren allerdings gern mal so entfleucht ist weniger gut. Oben genanntes Zitat, „Hier geht etwas merkwürdiges vor.“ nach zahllosen glitschigen Monstern und anderen übernatürlichen Dingen, lässt schon meine Ohren schlackern. Ansonsten kommt auch noch gern Captain Obvious um die Ecke. Der Aufzug klappt nicht und die Spielfigur sagt „Der Aufzug klappt nicht, wir sollten einen anderen Weg finden.“ … ach… echt? Passiert in anderen Spielen auch, fiel mir hier nur unangenehmer auf als sonst.

Fazit

The Evil Within ist ein zweischneidiges Schwert. Ein Horror-Gang-Bang in dem man zwar kopfüber hängt, es aber nur in der Missionars-Stellung treibt, während immer mal wieder einer aus dem Schrank springt und Dir eine Ohrfeige verpasst. Merkwürdig, abgedreht, durcheinander und doch hat man irgendwie alles schon mal gesehen. Vieles davon hat man schon besser gesehen. Filtert man eines der zahllosen zitierten Elemente aus Dead Space, Resident Evil, Silent Hill, Projekt Zero oder was weiss ich noch aus The Evil Within heraus, so ist das jeweilige Vorbild um Längen besser. Auf der anderen Seite macht The Evil Within aber aus diesen vielen Einzelteilen eine Horror-Kollage, die man so noch nicht erlebt hat. Jeder Zeit kann etwas Unerwartetes passieren. Kaum ein Abschnitt gleicht dem Nächsten. Ausgebremst wird dieser Trip aber durch die vielen Trial&Error Passagen. Schwierig dürfen die Spiele sehr gern sein… aber unfair bzw. zuweilen unlogisch… das muss dann doch nicht sein. Mag sein, dass andere Spiele es auch so machen, aber bei The Evil Within ist es besonders aufgefallen. Gerade mit dem immer wieder hervorgehobenen Shinji Mikami als Galionsfigur hätte viel viel mehr kommen müssen.


Meine Wertung

Final Thoughts

The Evil Within ist ein zweischneidiges Schwert. Ein Horror-Gang-Bang in dem man zwar kopfüber hängt, es aber nur in der Missionars-Stellung treibt, während immer mal wieder einer aus dem Schrank springt und Dir eine Ohrfeige verpasst. Merkwürdig, abgedreht, durcheinander und doch hat man irgendwie alles schon mal gesehen. Vieles davon hat man schon besser gesehen. Filtert man eines der zahllosen zitierten Elemente aus Dead Space, Resident Evil, Silent Hill, Projekt Zero oder was weiss ich noch aus The Evil Within heraus, so ist das jeweilige Vorbild um Längen besser. Auf der anderen Seite macht The Evil Within aber aus diesen vielen Einzelteilen eine Horror-Kollage, die man so noch nicht erlebt hat. Jeder Zeit kann etwas Unerwartetes passieren. Kaum ein Abschnitt gleicht dem Nächsten. Ausgebremst wird dieser Trip aber durch die vielen Trial&Error Passagen. Schwierig dürfen die Spiele sehr gern sein... aber unfair bzw. zuweilen unlogisch... das muss dann doch nicht sein. Mag sein, dass andere Spiele es auch so machen, aber bei The Evil Within ist es besonders aufgefallen. Gerade mit dem immer wieder hervorgehobenen Shinji Mikami als Galionsfigur hätte viel viel mehr kommen müssen.

Overall Score 3 WTF

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