sleepingdogs Test

Sleeping Dogs


Während Rockstar sich immer mehr Zeit mit seiner Grand Theft Auto Reihe lässt, um sich anschließend ausgiebig selbst zu zitieren, schlafen die einst gerufenen aber selten derartig erfolgreichen Geister wie True Crime nicht. Was Sleeping Dogs jetzt mit True Crime am Hut hat, bemerkt man erst auf dem zweiten Blick, denn eigentlich sollte es True Crime: Hong Kong heißen. Da die True Crime Spiele zwar in den Kritiken ganz okay wegkamen, aber die Verkaufszahlen wenig beeindruckten. Entschied man sich zum Reboot der Reihe unter neuem Namen und unter der Flagge von Activision. Denen wurde das Budget etwas zu heiß und so übernahm schlussendlich Square Enix, die den Titel endlich ins Regal gestellt haben. Während also die Open World Fans noch auf GTA V warten, haben die Sleeping Dogs Macher aus eigenen Fehlern gelernt und springen jetzt aus dem Busch um die ausgehungerten GTA Fans zu holen.

Um ehrlich zu sein hab ich bisher selten so schön Fressen eingeschlagen wie in Sleeping Dogs.

Wei Shen ist mit den chinesischen Triaden groß geworden, kennt sich bestens aus und hat ein Problem. Ein Deal am Hafen wird jäh unterbrochen, als ein Triaden Mitglied auf ein anderes mit einem Fleischerbeil einhakt. Das ist aber nicht das schlimmste, sondern die Polizei kommt auch noch uneingeladen dazu. Also läuft Wei Shen. Springt über Tische und Häuserschluchten. Klettert Wände mit Anlauf hoch, rammt Passanten zur Seite … und landet schließlich doch im Knast. So hab ich mir als Spieler die erste Mission nicht vorgestellt. Direkt eine Pleite? Dabei fing alles mit einer gut inszenierten und grandios eingesprochenen Zwischensequenz an. Nachdem die Polizei mich abführt startet die nächste Filmreife Sequenz und siehe da, Wei Shen ist nicht irgendein krimineller Handlanger. Nein, er ist Undercover Cop und hat gerade im Bau neue Kontakte geknüpft.

Everybody is Kung-Fu fighting

Die erste Spielstunde ist gerade rum, bis man zum ersten Mal mit einem Fahrzeug durch das große und offene Hong Kong gurken kann. Es ist ein Motorrad. Die waren schon bei GTA ein ziemlich unberechenbares Gefährt aber Sleeping Dogs schießt hier leider den Vogel ab. Nervös und mit übersensibler Steuerung zittert man sich durch den Linksverkehr und hofft nur darauf, dass die Fahrphysik der Autos besser gelungen ist. Ist sie nicht. Jede Bodenwelle erzeugt einen Schweißausbruch und so wirklich zielgenau kann man sich nicht durch den Verkehr schlängeln. Die Fahrzeuge sind im Gegensatz zu den Liberty City Badewannen  (GTA IV) viel zu leicht geraten. Rennen lassen sich so nur mit viel Glück gewinnen und machen keinen Spaß. Das man auch noch im Verlauf der Story Rennen fahren muss macht die Sache leider nicht besser. Die KI fährt entweder perfekt oder macht alberne Fehler, so dass ein erster Platz nur mit Glück erreichbar ist. Bei den Autos zumindest. Bei den Motorrädern kann man bei  jedem kleinsten Fehler direkt die Mission neustarten.

Warte bis ich mal groß bin!

Wei Shen ist zwar ein passabler Kämpfer, kann aber gefühlt weniger einstecken als seine Kontrahenten. Abhilfe schaffen da einige versteckte Jadefiguren, die ich bei einem Kung Fu Meister gegen stärkere Attacken eintauschen kann. Verschiedene versteckte Schreine, bestimmte Kleidungsstücke und klassische “mache-20-hiervon”-Belohnungen führen ebenfalls zu leichten Verbesserungen von Kampfkraft und Widerstand. Dazu werden alle Handlungen mit Triaden bzw. Cop-Punkten belohnt, die auf je zwei Fähigkeitsbäumen pro Seite ausgegeben werden können. Zum Beispiel lassen sich dann Gegner leichter entwaffnen oder Fahrzeuge unbemerkt aufbrechen. Die Punkte verdient man sich, in dem man Verbrecher in den zahlreichen Nebenmissionen vertrimmt (Cop-Punkte) oder besonders aggressiv gegen seine Mitmenschen und Feinde vorgeht (Triaden-Punkte). Kein weltbewegendes Feature, aber genug um den Spieler ab und an über seine Handlungen abwägen zu lassen. Gleichzeitig haben wir hier auch eines der Probleme von Sleeping Dogs. Die Handlungen des Spielers sollen an die Story geknüpft sein. Irgendwann im ersten Drittel kommt man an den Punkt an dem man für die Triaden den ultimativen Test bestehen muss. Einen waschechten Mord. Der Undercover Cop muss eine Linie überschreiten… ein Tabu brechen. Das klingt spannend und das diese Mission nicht bombastisch inszeniert wird, sondern eigentlich nur einen Schusswechsel in einer Mission darstellt ist noch nicht mal sehr schlimm. Schwerwiegender ist die Tatsache, dass ich um hier hin zu kommen schon zahllose Gegner in Ventilatoren gesteckt, an offenen Kochflammen verkokelt, an Fleischerhaken aufgehangen und von Häuser gestoßen habe. Das ist inkonsequent inszeniert. Eine Verfolgungsjagd mit dem Auto endet immer in einer Hatz zu Fuß und endet schön dreckig in einer Hinterhof-Schlägerei. Allerdings ist das immer so. Keine Chance, dass man seinen Gegner mal eher abfängt, weil man besonders gut mit der hübschen ich-hechte-über-alle-Hindernisse-Funktion umgegangen ist. Alles deutet darauf hin, dass der Fokus der Entwickler auf den Schlägereien liegt. Das ist okay, denn die gehören zu den besten auf dem Videospielmarkt, aber doch bitte nicht nur Fressen am Fließband einschlagen.

Take a look around

Abseit der Story gibt es mit Hong Kong und ein wenig Umland viel zu bereisen. Vor allem bei Nacht zeigt die Grafik ihre Muskeln. Die Straßen sind belebt, überall ist was los, das Neonlicht spiegelt sich auf den nassen Straßen. Das ist wirklich sehr sehr schön gemacht, aber auch hier fehlt es an den Details um das Bild perfekt zu machen. Wo sind die kleinen einzigartigen Gassen aus Liberty City, die so ein homogenes Bild erzeugt haben? Klar streunern viele NPCs durch die Straßen und Gassen. Man schnappt Gespräche auf oder schaut sich fasziniert um. Vielfältig ist das verkleinerte Hong Kong allemal, nur irgendwie noch nicht verlebt genug. Wem nützen die wirklich zahlreichen Minispiele, wenn man nach drei Runden “Karaoke” Knöpfchen-drücken schon die Nase voll hat. Überwachungskameras hacken, Pokern, Hahnenkämpfe, Preisgeld-Schlägereien, die Möglichkeiten sich neben Haupt- und Nebenquests zu beschäftigen sind vielfältig, laden aber selten zum erneuten Spielen ein. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen.

Fazit

Was bleibt unterm Strich. Ein spannender Einstieg, furioses Finale, hübsche Grafik, leichte Charakterentwicklung und intensive Schlägerei stehen einem schwachen Mittelteil, wenig Tiefgang und gruseliger Fahrzeugphysik gegenüber. Kein schlechtes Spiel, auch wenn es sich auf dem ersten Blick so lesen mag. Sleeping Dogs will viel sein. Zu viel. Die Story ist spannend aber nicht so gut inszeniert. Nebencharaktere kommen und gehen, hinterlassen dabei selten einen bleibenden Eindruck. Die Minispiele sind zahlreich, enden aber oft in Knöpfchen-Drückerei. Dafür setzt die Action für mich einen Maßstab der von GTA V erst mal erreicht werden muss. Die Schlägereien sind intensiv und lassen sich gut steuern, die Schusswechsel sind mit dem Deckungssystem und zahlreichen Slow Motion Sequenzen ebenfalls intensiv und gut zu meistern. Sleeping Dogs kann und möchte von Actionfans gekauft werden, wer aber einen GTA Konkurrenten erwartet, wird vielleicht enttäuscht.

Meine Wertung

Final Thoughts

Was bleibt unterm Strich. Ein spannender Einstieg, furioses Finale, hübsche Grafik, leichte Charakterentwicklung und intensive Schlägerei stehen einem schwachen Mittelteil, wenig Tiefgang und gruseliger Fahrzeugphysik gegenüber. Kein schlechtes Spiel, auch wenn es sich auf dem ersten Blick so lesen mag. Sleeping Dogs will viel sein. Zu viel. Die Story ist spannend aber nicht so gut inszeniert. Nebencharaktere kommen und gehen, hinterlassen dabei selten einen bleibenden Eindruck. Die Minispiele sind zahlreich, enden aber oft in Knöpfchen-Drückerei. Dafür setzt die Action für mich einen Maßstab der von GTA V erst mal erreicht werden muss. Die Schlägereien sind intensiv und lassen sich gut steuern, die Schusswechsel sind mit dem Deckungssystem und zahlreichen Slow Motion Sequenzen ebenfalls intensiv und gut zu meistern. Sleeping Dogs kann und möchte von Actionfans gekauft werden, wer aber einen GTA Konkurrenten erwartet, wird vielleicht enttäuscht.

Overall Score 3,7

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