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Onrush


Im letzten Jahr durften wir Rennspiel-Freunde uns dank der Veröffentlichungen von Gran Turismo Sport, Forza Motorsport 7 oder Project CARS 2 mit anspruchsvollen und realitätsnahen Racern die Zeit vertreiben. Der Fun- und Arcade-Racer-Markt blieb da mit zu wenig Sprit im Tank und fehlendem Mut der Entwickler wiederum nahezu komplett auf der Strecke. Traut sich heutzutage etwa keiner mehr an dieses Genre, sind mit den Jahren endgültig die frischen Ideen ausgestorben oder rocken heutzutage tatsächlich nur noch Simulationen? Denken wir nun aber bloß nicht zu negativ, denn mit Onrush aus dem Hause Codemasters, ist ganz frisch ein rasanter und wilder Arcade-Racer erschienen, den ich genauer unter die Lupe nehmen durfte.


Chaos und Takedowns, statt klassische Rennen

Während andere Racer, egal welches Genres, das Hauptziel verfolgen in verschiedenen Rennklassen als erstes die Ziellinie zu passieren und die gegnerischen Mitstreiter ohne Rücksicht auf Verluste gnadenlos abzuhängen, verfolgt Onrush ein komplett anderes System. Hier geht es nicht darum, das schnellste Auto zu besitzen oder besonders gut und taktisch zu fahren, sondern vielmehr darum, in vier verschiedenen Spielmodi besonders viel Chaos anzurichten und weitere Teilnehmer des „Rennens“ von der Strecke zu fegen. All dies natürlich mit vielen Funken, bunten Effekten und einem coolen, abwechslungsreichen und überwiegend rockigen Soundtrack.


Die vier Spielmodi

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Funfact: Onrush stammt von dem Team, welches vorher unter anderem MotorStorm und DriveClub entwickelte.

Im Single- sowohl Multiplayer treten wir mit einem großen Schwung an weiteren Mitstreitern, aufgeteilt in zwei Teams à sechs Teilnehmern und einer Vielzahl an teamlosen Fahrzeugen in den bisher enthaltenen vier verschiedenen Spielmodi gegeneinander an. In „Overdrive“ ist es unsere Aufgabe mit dem Einsatz von möglichst vielen Boosts die Anzeige-Leiste unseres Teams zum Gewinnen als erstes zu füllen. In „Countdown“ fahren wir durch markierte Tore, durch welche wir den ablaufenden Timer mit erspielter Zeit beim Durchqueren nach oben jagen. In „Lockdown“ ist es wiederum unsere Aufgabe, eine kreisförmige Zone möglichst lange zu befahren, um sie letztlich als unsere zu markieren, während wir in „Switch“ anfänglich auf einem coolen Bike starten und aufpassen sollten, nicht getroffen zu werden. Bei drei Treffern gegnerischer Fahrzeuge, scheiden wir aus, dürfen aber weiterhin am Rennen teilnehmen.

Nach jedem Ausscheiden landen wir bei allen Modi in einem kleinen Countdown und müssen erst einmal ein paar Sekunden bis zum nächsten Einsatz warten. Lag unsere schlechte Leistung definitiv am falschen Auto? Dann können wir, falls bereits weitere Fahrzeuge zur Verfügung stehen, auf ein anderes zugreifen, welches uns bestenfalls besser liegen wird. Diesen Vorgang kann man mit den gängigen Ego-Shootern vergleichen, bei denen wir uns nach dem Ableben für eine andere Klasse oder andere Waffen entscheiden können.


Fantasie-Fuhrpark und abgedrehte Charaktere

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Während andere Rennspiele überwiegend mit Lizenzwagen punkten und diese möglichst toll in Szene setzen, nutzt Onrush komplett frei erfundene Fahrzeuge, die ebenfalls in verschiedene Klassen aufgeteilt sind, welche mit verschiedenen Spezialfähigkeiten nützlich werden können. Von schweren Buggys über schnelle Schlitten und Motocross-Bikes ist hier doch das ein oder andere Schätzchen am Start, auch wenn die Fahrzeugauswahl und Individualisierung dieser etwas üppiger und detailreicher ausfallen dürfte. Das Fahrgefühl ist selbstverständlich nicht mit einem Simulations-Rennspiel vergleichbar, etwas mehr Feeling beim Fahren und Crashen hätte Onrush aber sicher nicht geschadet. Wann genau ein gegnerisches oder unser eigenes Fahrzeug nach ein paar Angriffen zerstört wird, ist vom Gefühl her dem Zufall überlassen – eine Anzeige zum Schaden oder eine bessere Kontrolle des Fahrzeugs beim Attackieren der Mitstreiter und beim eigentlichen Fahren hätte dies verbessern können.

Die Charaktere könnten wiederum nicht verschiedener sein und kommen auch mit einer guten Auswahl daher. Von lässig und cool über crazy Stereotypen oder auch Standard-Outfits ist hier alles am Start. Zudem können wir mit Frauen, aber auch Männern fahren und den Charakter jederzeit wechseln.


Multiplayer-Action

Onrush legt seinen Schwerpunkt deutlich auf das gemeinsame Online-Erlebnis. Auch der Singleplayer-Modus ist diesem nachempfunden und bereitet uns genaugenommen nur auf das vor, was uns online erwarten wird. Wir schließen zwar Herausforderungen ab und können uns ein paar Stunden über unterhalten und Spaß haben, merken aber schnell, dass sich die vier Spielmodi und seine zwölf, nicht sonderlich aussagekräftigen Strecken wiederholen und alleine zu eintönig werden. Dank dem wunderbaren Internet ist es uns möglich, einem schnellen Spiel beizutreten oder einen eigenen Raum zu eröffnen und anschließend aufeinanderfolgende Modi zu bestreiten. Und siehe da, hier kann Onrush tatsächlich punkten. Ausschließlich gegen die KI zu fahren, macht auf Dauer einfach keinen Spaß. Auch das Zerstören eines Gegners, fühlt sich sehr viel heroischer an, wenn sich hinter diesem kein Computer, sondern eine echte Person verbirgt. Freigespielte Boni und der Levelaufstieg werden wie bei Rocket League offline und online miteinander verbunden, sodass sich auf dem Papier am Ende beide Modi lohnen.


Keine Microtransactions

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Traurig, aber wahr. Im Jahr 2018 ist es für uns mittlerweile eine Bewertungsgrundlage geworden, ob ein Videospiel Echtgeld-Währung nutzt oder nicht. Im Fall von Onrush, können wir glücklicherweise aufatmen. Durch das Fahren von Events und das gute Ausschalten von Gegnern spielen wir zwar Lootboxen mit neuen Fahrzeugen, Renn-Outfits, Jubelposen und anderen optischen Schnickschnack frei, müssen hierfür aber keinen Cent aus der eigenen Tasche bezahlen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die lästigen Microtransactions auch zukünftig aus dem Spiel fernbleiben.


Grafik und Sound

Rein optisch gibt es bei Onrush recht wenig zu meckern, auch wenn die Texturen der Strecken oftmals ein wenig veraltet wirken. Auf meiner PS4 sieht das Spiel im Großen und Ganzen aber dennoch sehr hübsch aus und weiß vor allem mit seinen Neon-Farben beim Boost und der tollen Grafik im Foto-Modus zu überzeugen. Aufgrund der hohen Spielgeschwindigkeit lässt sich die Umgebung während des Spielens, auch wenn es nicht allzu viel zu entdecken gibt, schlecht beobachten, weshalb der Foto-Modus ein tolles Gimmick darstellt, das uns die Möglichkeit gibt, die Wasserperlen auf unseren Karren, die Moves unseres Fahrers und das Crashen mit anderen Fahrzeugen genauer zu betrachten. Der Sound hätte im Bezug auf den Klang der Fahrzeuge etwas mehr Feintuning erhalten dürfen – viel Power unter der Haube darf sich natürlich gerne nach viel Power anhören.


Fazit

Onrush bringt mit seinen Spielmodi und der starken Einbindung des Online-Multiplayers neben dem sonstigen Einheitsbrei endlich frischen Wind in die Arcade-Racer-Sparte. Dennoch muss ich leider zugeben, dass das Spiel mich nicht abholen konnte. Während der Singleplayer bereits nach wenigen Stunden durchgespielt ist und auf Dauer nicht unterhalten kann, überzeugt wenigstens das Fahren und Crashen gegen echte Mitstreiter und Gegner. Aber reicht das allein aus? Die Strecken sind nicht abwechslungsreich genug, die Fahrzeuge wirken zu austauschbar und die übertriebene und aufgezwungene Coolness, die uns über die begleitende und Codemasters typische Stimme aus dem Off begleitet, ist mit unserer heutigen Zeit einfach nicht mehr stimmig. Mein größter Kritikpunkt bezieht sich allerdings auf den Preis und die Langzeitmotivation. Für derzeit 60-70 € darf man durchaus etwas mehr Inhalt erwarten als vier verschiedene Spielmodi, auch wenn das Grundkonzept stimmt. Um es kurzzuhalten: Für die Hälfte des Preises würde ich euch Onrush als kurzweiligen Titel für Online-Abende mit euren Freunden sofort empfehlen – wartet lieber auf ein Content-Update oder einen Preisfall, bevor ihr das Spiel kauft und stürzt euch dann in einen Arcade-Racer, den es so bisher noch nicht gegeben hat. Genügend Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.

Eine PC-Version zu Onrush wird übrigens noch folgen!

Meine Wertung

Final Thoughts

Onrush bringt mit seinen Spielmodi und der starken Einbindung des Online-Multiplayers neben dem sonstigen Einheitsbrei endlich frischen Wind in die Arcade-Racer-Sparte. Dennoch muss ich leider zugeben, dass das Spiel mich nicht abholen konnte. Während der Singleplayer bereits nach wenigen Stunden durchgespielt ist und auf Dauer nicht unterhalten kann, überzeugt wenigstens das Fahren und Crashen gegen echte Mitstreiter und Gegner. Aber reicht das allein aus? Die Strecken sind nicht abwechslungsreich genug, die Fahrzeuge wirken zu austauschbar und die übertriebene und aufgezwungene Coolness, die uns über die begleitende und Codemasters typische Stimme aus dem Off begleitet, ist mit unserer heutigen Zeit einfach nicht mehr stimmig. Mein größter Kritikpunkt bezieht sich allerdings auf den Preis und die Langzeitmotivation. Für derzeit 60-70 € darf man durchaus etwas mehr Inhalt erwarten als vier verschiedene Spielmodi, auch wenn das Grundkonzept stimmt. Um es kurzzuhalten: Für die Hälfte des Preises würde ich euch Onrush als kurzweiligen Titel für Online-Abende mit euren Freunden sofort empfehlen - wartet lieber auf ein Content-Update oder einen Preisfall, bevor ihr das Spiel kauft und stürzt euch dann in einen Arcade-Racer, den es so bisher noch nicht gegeben hat. Genügend Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.

Overall Score 3,5 Solider Arcade-Spaß
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