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Metro: Last Light


Metro ist Horror. Damit meine ich nicht die tagtägliche Tour de Force vieler Bundesbürger in den U-Bahn Tunneln unserer Großstädte und auch nicht die jüngste Ausgeburt des U-Bahn-Simulators, sonder viel mehr das Spiel Metro: Last Light. Als es vor ein paar Monaten dem Publisher THQ an den Kragen ging, drohte das fast fertige Spiel im Giftschrank zu verschwinden oder (schlimmer noch) an irgendeinen Wald & Wiesen Publisher für ein handvoll Patronen (Zahlungsmittel im Metro Universum) verscherbelt und unfertig raus gehauen zu werden. Das der Publisher Deep Silver sich die Rechte aus den toten kalten Händen von THQ kaufen und sichern konnte, war nach der Sache mit Risen 2: Dark Waters nicht gerade ein guter Grund um ein Freuden-Feuerwerk auf dem PWRUP Anwesen zu zünden. Eigentlich möchte ich auch nicht mehr an dieses schrecklich unsympathische Piratenspiel denken. Nicht jetzt und auch sonst nicht mehr.

Was bisher geschah…

Die Erde wurde im Atomkrieg verwüstet. In Moskau haben sich die wenigen Überlebenden, in das U-Bahn-Netzwerk der Moskauer Metro gerettet. Die Oberfläche ist aufgrund der radioaktiven Verseuchung nur mit einer Schutzmaske für kurze Zeit betretbar. Die starke radioaktive Strahlung hat dort im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Mutanten hervorgebracht, welche eine Bedrohung für die, zu Kleinstaaten herangewachsenen, Metrostationen darstellen. Aber nicht nur Mutanten, sondern auch Banditen, Kommunisten und Faschisten bevölkern die Metro. Lebensraum, Nahrung, Handelsgüter, Treibstoff und alte Ideologien führen nicht nur zu instabilen Bündnissen und Handelsverträgen, sondern auch zu handfesten Kriegen im Untergrund. (War… War never changes *hust*) Daneben existieren noch die geheimnisvollen „Schwarzen“, welche die Menschen durch Telepathie in den Wahnsinn treiben können und eine Bedrohung für die Heimat des Protagonisten darstellen.

Der Spieler übernimmt die Rolle des 20-jährigen Artjom, der aufbricht, um Hilfe von der größten noch von Menschen bewohnten Metrostation Polis zu erbitten. Dabei durchquert der Spieler verlassene Tunnel, die vereiste Oberfläche und teils zivilisierte, teils überrannte Stationen. Die Menschen der Metro verzweifeln durch die Überfälle der verschiedenen Fraktionen und durch das Auftreten der „Schwarzen“. Auch als Spieler trifft man auf nicht gerade freundlich gesinnte Menschen und auf die „Schwarzen“, die aber im Gegensatz zum allgemeinen Auftreten dem Spieler eher in Visionen das Leben retten. Doch Artjom hat unbeirrbar nur die Rettung seiner Heimatstation im Sinn und schafft es zum Ende des Spiels, die Heimat der „Schwarzen“ und alle anderen dieser Spezies auf der Oberfläche durch einen gezielten Nuklearschlag zu vernichten. Dachte er zumindest…

Abwärts bitte

Wer nicht ganz konform mit den Geschehnissen im Vorgänger Metro 2033 ist kann sich entweder den grandiosen Roman von Dmitry Glukhovsky geben, den Vorgänger günstig bei Steam erwerben oder den „Was bisher geschah“-Kasten über diesem Absatz öffnen. Damit wären wir jetzt alle auf dem selben Stand. Sehr schön! Weiter gehts.
Artjom kommt nicht zur Ruhe. Nachdem er dachte, dass er alle „Schwarzen“ am Ende des Spiels ausgelöscht hat, kommen Meldungen über die Sichtung eines lebenden „Schwarzen“ rein. Also wird der Spieler in der schweigsamen Haut Artjoms wieder an die Oberfläche geschickt um sich der Sache anzunehmen und um ein für alle mal die vermeintliche Bedrohung für die letzten überlebenden Menschen im Untergrund Moskaus zu töten. Dass die Sache nicht ganz so leicht wird wie Gedacht und hinter dem letzten mysteriösen Schwarzen mehr steckt als man zu Beginn glaubt gehört zur Natur der Dinge die eine spannende Geschichte ausmachen. Wäre sonst auch ein sehr kurzes Spiel und so wird Artjom nicht nur im Moment des Triumphes ohnmächtig, sondern auch direkt von den Schergen des vierten Reichs in Gefangen genommen. Hier beginnt das Abenteuer rund um die düstere Zukunft der Menschheit!

Aufwärts bitte

Machen wir es kurz wenn es um das Gameplay geht. Metro: Last Light ist ein linearer Shooter mit all den Mechaniken die man so an diesem Genre liebt. Klaustrophobische Innenlevel, pseudogroße Areale an der Oberfläche. Vier verschiedene Knarrentypen mit einer handvoll Modifikationen um den jeweiligen Schießprügel an seinen Spielstil anzupassen. Es gibt Granaten, Wurfmesser und Minen. Dar war es auch schon… ducken, springen, laufen, Kimme&Korn. Alles wie gehabt, alles wie man es gern hat. Dazu kommen nur kleinere Extras, die allerdings der Atmosphäre ein dickes Plus geben. Da wäre zum einen die Gasmaske, welche zwingend an der Oberfläche gebraucht wird. Der übliche BDSM Liebhaber wird schon ganz rappelig und sollte DIE KLAPPE HALTEN WIE ES SICH FÜR EINEN WURM GEHÖRT *räusper* … gut. Ohne Gasmakse wird der Ausflug an die schön designte Oberfläche sehr kurz, da die Luft verseucht ist. Also rauf mit der Gummihaube und den Luftfilter angeschraubt. Soweit so unspektakulär, aber, der Luftfilter hält nur maximal fünf Minuten und muss dann ausgetauscht werden. In der Regel sind die Filter mit schwankender Haltbarkeit fair verteilt, allerdings nur, wenn man sich dem vorgegebenen Tempo des Spiels hingibt. Große Vorsicht beim Vorrücken an der menschenfeindlichen Oberwelt ist also nicht unbedingt angebracht. Zum anderen ist Munition das Zahlungsmittel in der Metro. Allerdings nicht die übliche Munition die echt in jeder Ecke rumliegt, sondern es geht hier um die gute Munition.. die Festtags-Munition aus besseren Zeiten… Munition die richtig übel austeilen kann. Diese ist knapp und daher sollte man genau abwägen, ob und wann man seinen Gegnern damit zeigt, wie der Hase in der Metro läuft.

Schatten

Dieser Aspekt bringt ein klein wenig Taktik in den sonst linearen Shooter-Ablauf. „Soll ich mich mit Granaten und Co eindecken oder lieber für den nächsten Ausflug die deftige Munition sparen und den Gegnern damit einheizen?“ Muss man nicht, allerdings geht es in den Feuergefechten, vor allem gegen die Mutanten der Oberfläche, gut zur Sache. Sofern man es soweit kommen lässt. Die Areale, vor allem in den dunklen Metroschächten, sind zwar streng linear und klein, allerdings voller Möglichkeiten sich durch die Schatten zu schleichen und seine Gegner zu umgehen. Notfalls können Laternen und Lampen ausgeschaltet oder ausgeschossen werden. Besonders pfiffig sind die Gegner im Fall der Fälle zwar nicht, allerdings zielen sie ziemlich gut und treten gern im Rudel auf. Besondere taktische Finessen oder Flankmanöver braucht man von der KI allerdings nicht erwarten, was bei der visuellen Präsentation aber zu verschmerzen ist. Wenn alles flackert, blitzt, in Flammen aufgeht und zu Klump geschossen wird, interessiert es weniger, dass die Gegner wenig aushalten und gern in die Schussbahn laufen. Auf der anderen Seite, war die KI aus dem staubigen F.E.A.R. in solchen Arealen zu ganz anderen Dingen fähig und hätte Metro: Last Light noch etwas näher an den Wertungsolymp gebracht. Bei Gefechten mit den mutierten Gegnern auf der Oberfläche sieht die Sache etwas anders aus. Die Mutanten dort sind zwar auch keine großen Blitzbirnen, können dafür aber stellenweise abartig viel einstecken.

Licht

Manche mögen sich über das strikt lineare Gameplay in dem sich die ruhige Story und ich-latsch-mal-ein-wenig-durch-stimmungsvolle-Settings mit einfacher aber wuchtig inszenierter Action die Klinke in die Hand drücken, echauffieren, halten Half-Life 2 aber für das Maß der Egoshooter… irgendwie ein seltsamer Gedanke, denn Metro: Last Light schwimmt im selben Fahrwasser. Allerdings alles eine Klasse besser was die Inszenierung und die Dramaturgie angeht. Die Geschichte ist zwar nicht reif für den Oscar und basiert auch nur auf den Romanen. Genauer, sie reduziert die Romane auf ihren Actionanteil und lässt die philosophischen Themen nur am Rande anklingen. Wer sich die Zeit nimmt und in den ruhigen Passagen, in denen man meist eine Station erkunden kann, genau hinhört und eventuell eine kleine Nebenquest übernimmt, bekommt ein Gefühl für den unheimlich beklemmenden Unterton. Wer daran kein Interesse hat, deckt sich einfach am nächsten Shop mit Kriegsgerät ein und stürzt sich in die Schlacht. „Kopf voraus“ funktioniert bei Metro: Last Light genau so brillant wie der ruhige Vorstoß mit offenem Ohr und wachem Auge. Grandios!

Sag endlich was zur Grafik!

Gut, wer meine Artikel ein wenig verfolgt, merkt, dass ich weniger Wert auf die Grafik Technologie lege, als auf das Art Design. Ein Spiel muss eben auch auf kleinen PCs funktionieren, die keine Grafikkarte oder Prozessor haben, die der Nasa die Schamesröte ins Gesicht treiben könnten. Ja, Metro: Last Light sieht auf einem potenten Computer unglaublich gut aus. Unverschämt knackige Texturen, Licht- und Schattenspiele die alle bisherigen Spiele wie Handyspiele aussehen lassen… ach der Moment an dem man sich gerade an die grandiose düstere Tunneloptik gewöhnt hat und dann zum ersten Mal die opulente Oberwelt sieht sorgen schon für andächtiges Staunen. Läuft das Spiel einmal ruckelfrei, so kann kommen was will, es kommt an keinen Stellen zu Slowdowns. Spätestens hier wird klar, das alle aktuellen Konsolen eben nur Spielzeug sind. Grafikbrecher gehören nach wie vor auf den PC. Wer alle Details aber runterschrauben muss, darf zwar keine Grafikwunder erwarten, kommt aber wie alle anderen Spieler in den Genuss von einem dem besten Art Designs aller Zeiten. Alle Details, Figuren und Levelabschnitte fügen sich nahtlos ineinander und geben ein Gesamtbild ab, das wohl für die kommenden Spiele als Maß der Dinge stehen wird. Einzig die Animationen der Figuren und deren hölzerne Mimik reißen einen ab und an aus dem Staunen. Wer da aber nicht hinschaut und die Sprachausgabe genießt wird ganz im Spiel versinken. Sei es die deutsche Synchro oder die englische Sprachfassung, alle Sprecher sind tiptop ausgewählt und geben den Figuren ausreichend leben um über die Animationen hinwegzutrösten.


(Metro schaut übrigens tatsächlich so aus, wenn man die Details ganz nach oben schraubt)

Fazit

Ich habe es schon angedeutet und betone es jetzt ganz offen und ungeniert: Half-Life 2 hat einen neuen Erben in Metro: Last Light gefunden. Alles was die Spielerschaft an dem Abenteuer rund um Gordon Freeman so liebt, findet sich auf dem neusten Stand der Technik auch in Metro: Last Light wieder. Sämtliche sperrigen Mechaniken und Storyelemente aus dem Vorgänger Metro 2033 wurden ausgebügelt oder zurechtgestützt. Die Grafikengine hat besondere Aufmerksamkeit bekommen und steckt Titel wie Crysis 3 problemlos in die Tasche. Gleichzeitig ist dies das größte Problem des Titels… er bietet eher wenig Neues und blendet den Spieler zu sehr. Die Geschichte ist interessant verliert sich allerdings, durch die leisen Töne, im Krachbumm der Actionsequenzen. Wer nicht genau aufpasst, verpasst möglicherweise einen interessanten Storytwist oder ein dickes Paket Atmosphäre. Stellenweise war es sogar mir egal, weswegen ich gerade irgendwen abknalle oder gerade durch irgendwelche dunklen Gänge streife. Das selbe Problem hatte allerdings auch das berühmte Vorbild, der ebenfalls selbst den aufmerksamsten Spieler mit einigen Fragezeichen im Gepäck rumlaufen ließ. Wie dem auch sei und trotz aller Kritik, ich wurde von Metro: Last Light an den Schirm gefesselt und konnte die Maus kaum aus der Hand legen. Dies war sicher nicht der einzige Durchgang und in den kommenden Jahren und Monaten werde ich sicher immer mal wieder in die Metro zurückkehren und die Welt retten.

Final Thoughts

Ich habe es schon angedeutet und betone es jetzt ganz offen und ungeniert: Half-Life 2 hat einen neuen Erben in Metro: Last Light gefunden. Alles was die Spielerschaft an dem Abenteuer rund um Gordon Freeman so liebt, findet sich auf dem neusten Stand der Technik auch in Metro: Last Light wieder. Sämtliche sperrigen Mechaniken und Storyelemente aus dem Vorgänger Metro 2033 wurden ausgebügelt oder zurechtgestützt. Die Grafikengine hat besondere Aufmerksamkeit bekommen und steckt Titel wie Crysis 3 problemlos in die Tasche. Gleichzeitig ist dies das größte Problem des Titels... er bietet eher wenig Neues und blendet den Spieler zu sehr. Die Geschichte ist interessant verliert sich allerdings, durch die leisen Töne, im Krachbumm der Actionsequenzen. Wer nicht genau aufpasst, verpasst möglicherweise einen interessanten Storytwist oder ein dickes Paket Atmosphäre. Stellenweise war es sogar mir egal, weswegen ich gerade irgendwen abknalle oder gerade durch irgendwelche dunklen Gänge streife. Das selbe Problem hatte allerdings auch das berühmte Vorbild, der ebenfalls selbst den aufmerksamsten Spieler mit einigen Fragezeichen im Gepäck rumlaufen ließ. Wie dem auch sei und trotz aller Kritik, ich wurde von Metro: Last Light an den Schirm gefesselt und konnte die Maus kaum aus der Hand legen. Dies war sicher nicht der einzige Durchgang und in den kommenden Jahren und Monaten werde ich sicher immer mal wieder in die Metro zurückkehren und die Welt retten.

Overall Score 4,5 Meine Wertung
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