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Metal Gear Survive


Bevor ich mit meinem eigentlichen Test anfange, ein kurzes Vorwort. Ja, ich liebe Kojima und ich finde es unendlich schade, dass wir keinen neuen Metal Gear-Ableger mit seiner Handschrift bekommen werden. Ich freue mich aber auch auf sein eigenes Werk, Death Stranding und alle weiteren, die noch folgen. Ich finde es nicht verwerflich, dass Konami die Marke Metal Gear nicht untergehen lässt und wir als Spieler einem Spiel wie Metal Gear Survive eine Chance geben, es könnte doch wirklich gut sein. Ob es das nun ist, oder nicht, erfahrt ihr aber nun in meinem Test.


Story

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Wir schlüpfen bei Metal Gear Survive in die Rolle eines Söldners, weiblich oder männlich, der Militaires Sans Frontières, der beim Kampf auf der Mother Base, der zwischen Metal Gear Solid 5: Ground Zeroes und Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain stattfand, verstarbDurch einen mysteriösen Mitarbeiter werden wir aber wiederbelebt und finden uns schon bald durch ein Wurmloch in einer Parallelwelt namens Dite voller Wandelnder, so werden sie im Spiel genannt, wieder – ich werde im Laufe des Tests aber beim Wort Zombies bleiben, das ist klassischer und für jeden verständlich. Nach einer ewig langen Zwischensequenz, die wir so eigentlich aus den vorherigen MGS-Teilen kennen, geht es dann auch „schon“ los. Unser Ziel ist es, die Zombies plattzumachen, eine Mannschaft aufzubauen und von Dite zu verschwinden. Ach, und die Ursache des Ganzen sollten wir im Laufe des Spiels natürlich auch herausfinden, wir sind hier schließlich nicht bei The Walking Dead, wo das nach acht Jahren Laufzeit noch immer nicht klar ist.

Ob die langen Zwischensequenzen und Storyinhalte während des Spiels unterhalten können und uns bei der Stange halten, hängt wahrscheinlich vom Spielertypen ab. Erwartet hier keine Meisterleistung, aber unfassbar schlecht ist sie keinesfalls. Sie ist natürlich komplett wirr und bescheuert, aber das kennen wir ja eigentlich bereits aus diesem Franchise.


Hunger, Durst und ein Haufen Zombies

Metal Gear Survive ist ein ganz klassisches Survival-Game und hat abgesehen von der Steuerung, dem Look und bekannten Geräuschen mit Metal Gear Solid rein gar nichts mehr zu tun. Wir erhalten durch die KI-Einheit Vigil AT-9, die uns bereits schnell im Spiel mit ihrem Gelaber auf die Nerven gehen wird, Aufträge um die wir uns selbstverständlich kümmern werden. Schnell den Zielort auf der Karte markieren und unser Fußmarsch beginnt. Schon bald werden wir feststellen, dass uns beim längeren Laufen oder gar Rennen die Puste ausgeht und sich unser Körper nach Nahrung und Wasser sehnt.

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Auf der Jagd nach einem Schaf.

Das Erkunden der umliegenden Gegend ist also das A und O in Metal Gear Survive. Haben wir eine Wasserstelle entdeckt, können wir gefundene, leere Wasserflaschen auffüllen. Aber Vorsicht, dreckiges Wasser könnte unserem Charakter schaden. Wir bekommen im Laufe des Spiels allerdings die Möglichkeit dieses abzukochen. In der Nähe unserer Basis befindet sich auch eine winzig kleine Schafherde mit drei knuddeligen Tierchen, die wir erledigen müssen, um Fleisch und auch Ressourcen, wie Leder zu erhalten. Die Schafe sind noch relativ ungefährlich, aber spätestens bei Wölfen werden wir merken, dass nicht nur die Zombies eine Gefahr für uns darstellen. Natürlich ist auch der Verzehr von rohem Fleisch nicht empfehlenswert, wir können dieses aber ebenfalls in unserer Basis kochen und später sogar verschiedene Gerichte zubereiten. Ob wir mit diesem Essen das perfekte Dinner gewinnen würden, ist fraglich, aber es stärkt und schützt uns vor ungewollten Reaktionen unseres Körpers. Denn wer nicht trinkt oder isst, wird dies schnell durch eine verschwommene Sicht und langsames, torkelndes Laufen feststellen müssen.

Ein weiteres Hindernis sind für uns die Massen an Zombies, die in verschiedenen Missionen auf uns warten. Wenn wir also losgeschickt werden, um einen weiteren Menschen zu retten oder auf der Suche nach einem Ausweg, verschiedene Wurmlochtransporter oder Wurmlochbagger beschützen müssen, bekommen wir es mit einer dummen, aber gut aufgestellten Zombie-KI zu tun. Wir können sie durch aufgestellte Zäune aufspießen, mit Schusswaffen attackieren, mit Macheten oder Schlägern zu Brei hauen oder auch unauffällig und anschleichend ausschalten. Sind diese erst einmal vernichtet, werden sie natürlich direkt von ihrer wertvollen Kuban-Energie befreit, die wir zum Leveln, Herstellen von Gegenständen, etc. benötigen. Je mehr, desto besser.


Deprimierendes Speichersystem

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Das Speichersystem bekommt von mir einen eigenen Absatz? Ja, leider schon. Metal Gear Survive ist kein sonderlich einfaches Spiel und das muss es auch gar nicht sein. Es macht durchaus Spaß, gefordert zu werden und nicht jede noch so leichte Aufgabe vereinfacht zu bekommen. In diesem Spiel müssen wir auf einige Faktoren achten. Haben wir genügend Sauerstoff, sind wir hungrig oder verletzt? Befinden wir uns also in einer Mission und beschützen gerade einen Wurmlochbagger, der drei Zombie-Wellen überstehen muss, dann kommt es vor allem in den ersten Spielstunden, in denen wir noch nicht die beste Ausrüstung am Start haben, zu dem Problem, dass wir in den letzten 10 Sekunden der Verteidigung plötzlich sterben, da wir unsere Wunden durch das zeitaufwändige Menügeklicke nicht rechtzeitig heilen können, keine Wiederbelebungspille besitzen oder aber der Wurmlochbagger niedergemäht worden ist, da unsere Sicherheitsvorkehrungen von Zäunen, Sandsäcken und dergleichen die großen Massen nicht mehr zurückhalten konnte.

Die Konsequenz von all dem? Richtig, wir müssen den letzten Spielstand neuladen und starten wieder in unserer Basis, können uns wieder neu ausrüsten und erneut zum Ort der Mission gelangen. Hierbei bekommen wieder nach ein paar Spielstunden Abhilfe durch Wurmlochtransporter und Fahrzeuge, aber das Zurücksetzen zur Basis und das beinah unmögliche Verteidigen beim ersten Versuch deprimieren schnell, obwohl das Spiel an sich sehr viel Spaß machen kann und sich durch den Erkundungs- und Craftingdrang über Wasser hält.


Crafting-Wahnsinn und unsere Basis

Nicht nur Nahrung und Wasser, sondern auch Ressourcen wie Aluminium, Eisen, Holz oder Plastik wollen und müssen in Metal Gear Survive von uns gefunden werden, damit wir Waffen und unsere Basis aufrechterhalten können. Baupläne für Waffen oder wertvolle Güter finden wir meistens in verschlossenen Containern, die in der Spielwelt verteilt sind und nur darauf warten, von uns geknackt zu werden. Ein kleiner Tipp von mir: Haltet unbedingt die Augen nach diesen Containern offen. Ansonsten befinden sich an einigen Gebäuden immer wieder Fässer oder Gegenstände aus Holz, die wir zerschlagen und aufsammeln können oder nehmen oftmals auch die gesamte Einrichtung eines Hauses mit. Sorry, aber wir brauchen es zum Überleben – ihr Zombies sicherlich nicht.

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Home Sweet Home.

Erreichen wir unsere Basis nach dem Erkunden lebendig und mit vollen Taschen, werden die gesammelten Gegenstände in unser Lager verfrachtet und wir können uns in einem Baumenü um die Anordnung und den Aufbau unserer Zombie-Heimat kümmern. Im Vergleich zu Spielen wie Fallout 4, sind wir zwar ziemlich eingeschränkt, was die Anordnung und vor allem Dekoration angeht, aber den Sinn und Zweck des Ganzen können unsere Werkstätten, Kochstationen, Betten oder auch Stacheldrahtzäune dennoch erfüllen. Je mehr Baupläne wir finden und je mehr Ressourcen wir sammeln, desto besser können wir uns ausstatten und vor Angriffen schützen. Auch Nahrung, wie zum Beispiel Kartoffeln, können wir anbauen – für den Hobbygärtner wirft ein Feld alle 200 Minuten nur zwei Kartoffeln ab. Eine Tüte Pommes wird das zwar nicht, aber wenigstens eine Ofenkartoffel lässt sich an der Kochstation zubereiten.

All dies findet über ein Crafting-Menü statt, das anfänglich sehr kompliziert und unübersichtlich wirkt und es genau genommen auch ist. Mit mehreren Spielstunden auf der Uhr gewöhnen wir uns zwar allmählich an die Bedienung, es hätte aber sehr viel besser strukturiert und einfacher von der Hand gehen können.


Multiplayer

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Im Multiplayer von Metal Gear Survive, der übrigens nur als Zusatz angedacht ist, können wir mit insgesamt vier Spielern Bergungsmissionen spielen. In diesen errichten wir einen Wurmlochbagger und beschützen ihn anschließend vor einigen Zombie-Wellen. Alles, was wir in diesem Modus erspielen, wird auch unserem Singleplayer angerechnet und andersherum. Es ist ratsam, sich aber erst im Singleplayer aufzuleveln und dann den Multiplayer zu spielen, da die Gegner dort ziemlich stark sind und fremde Mitspieler nicht immer das tun, was sie sollen. Vielleicht ist es besser, sich drei Freunde zu schnappen und gemeinsam zu spielen, mit der Spielersuche hatte ich persönlich nämlich nicht die besten Erfahrungen.


Das Technische und die Spielwelt

Ich habe Metal Gear Survive auf der PS4 getestet und konnte es mit kontinuierlichen 60 FPS spielen. Grafisch wirkte es trotz der Fox Engine nicht so sauber wie Metal Gear Solid 5. Im Vergleich zu Spielen wie Assassin’s Creed: Origins oder einem Uncharted 4 sieht Metal Gear Survive leider alt aus. Die Spielwelt selbst kann an einigen Stellen durch eine tolle atmosphärische Umsetzung überzeugen. Im dichten Nebel oder in Missionen, bei denen wir uns im Keller eines Gebäudes befinden, entsteht ein angenehmer Gruselfaktor, den ich persönlich nicht erwartet hätte. Der Großteil des Spiels findet aber leider in einer Wüstengegend mit Bergen, ein paar Sträuchern und Wasserlöchern statt. Hier haben wir uns bereits schnell sattgesehen. Bei einer Spielzeit von 25-30 Stunden (in meinem Fall) hätte die Abwechslung ruhig größer ausfallen können.


Mikrotransaktionen und Online-Zwang

Wenn es etwas gibt, mit dem sich Konami nun selbst ein Bein gestellt hat, dann sind es die Mikrotransaktionen und der Online-Zwang in Metal Gear Survive. Das Spiel kostet regulär 40€, die für dieses Spiel definitiv in Ordnung und angebracht sind. Für die lange Spieldauer und den Inhalt ist dieser Preis sogar recht günstig, wäre da nicht ein großes „Aber“ am Start. Wir starten das Spiel mit einem Avatar, insgesamt können wir drei weitere besitzen. Möchten wir also einen anderen Charakter wählen und somit einen neuen Speicher-Slot nutzen, ist dies nur möglich, wenn wir 1000 SV Coins ausgeben. Diese entsprechen etwa 10€. Gleiches gilt für ein Erkundungsteam, das für uns Ressourcen sammelt. Eins können wir kostenlos in die Welt hinaus schicken, bis zu drei weitere kosten uns ebenfalls jeweils 1000 SV Coins und somit ca. 10€.

Ich werde euch weiterhin über Entwicklungen bei den Mikrotransaktionen und kommenden DLCs berichten. Bisher finde ich diese Nummer aber mehr als unangebracht, da Metal Gear Survive dies einfach nicht gebraucht hätte. Wir haben es hier nicht mit einem Free-to-play, sondern mit einem 40€-Titel zu tun. Sorry, aber das ist einfach nur uncool.

Den Online-Zwang finde ich im heutigen Zeitalter weniger tragisch, allerdings hatte ich den Fall, dass mir während einer ewig langen Mission das Internet abstürzte. Und was ist geschehen? Mein Spielfortschritt ist im Daten-Nirwana gelandet und ich konnte alles erneut erspielen. Die Funktion offline zu speichern, wäre eine Option gewesen, die jeder Spieler befürworten würde. Jeder.

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Fazit

Ich bin ganz ehrlich, Metal Gear Survive ist kein schlechtes Spiel. Es macht sogar sehr viel Spaß seine Basis aufzubauen, auf Erkundungstouren zu gehen und Zombies zu vernichten. Und ohne die folgenden Punkte wäre ich, obwohl ich eigentlich kein Survival-Spieler bin, sogar ziemlich begeistert gewesen, da mich das Spiel bis zu einem gewissen Punkt total an den Bildschirm fesselte. Das Genick gebrochen, bekommt der Titel durch sein nicht mehr zeitgemäßes Speicher- und Levelsystem, die Mikrotransaktionen und den Online-Zwang. Hätte all das unbedingt sein müssen? Ich denke, dass Konami sich hiermit ein Eigentor geschossen hat, denn im Großen und Ganzen kann Metal Gear Survive spielerisch überzeugen, auch wenn es definitiv nicht das beste Spiel dieses Genres ist und das Setting durchaus etwas mehr Abwechslung vertragen hätte.

In unserer nächsten Random Backup-Ausgabe, werde ich noch einmal in Podcast-Form über das Spiel, seine Stärken und Schwächen sprechen. Stay tuned.

Meine Wertung

Final Thoughts

Ich bin ganz ehrlich, Metal Gear Survive ist kein schlechtes Spiel. Es macht sogar sehr viel Spaß seine Basis aufzubauen, auf Erkundungstouren zu gehen und Zombies zu vernichten. Und ohne die folgenden Punkte wäre ich, obwohl ich eigentlich kein Survival-Spieler bin, sogar ziemlich begeistert gewesen, da mich das Spiel bis zu einem gewissen Punkt total an den Bildschirm fesselte. Das Genick gebrochen, bekommt der Titel durch sein nicht mehr zeitgemäßes Speicher- und Levelsystem, die Mikrotransaktionen und den Online-Zwang. Hätte all das unbedingt sein müssen? Ich denke, dass Konami sich hiermit ein Eigentor geschossen hat, denn im Großen und Ganzen kann Metal Gear Survive spielerisch überzeugen, auch wenn es definitiv nicht das beste Spiel dieses Genres ist und das Setting durchaus etwas mehr Abwechslung vertragen hätte.

Overall Score 2.8 Weder hui, noch pfui
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2.9

Kämpfe in Dite gegen Horden von Zombies.

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2 Kommentare zu Metal Gear Survive

  1. Niklas

    Da haben sie mal ein Solides Spiel geschafft und machen es selbst kaputt. Man ey, ich hole es mir in einem Sale weil es mich sehr interessiert aber ich unterstütze keine Spiele mit Mikrotransaktionen usw

  2. Harald

    Sehr guter Test, der die Wahrheit ausspricht und nicht durch PR gepuderzuckert wurde. Alles genannt, alle Stärken und Schwächen. Vielen Dank für die Ehrlichkeit. Für 20-30 Euro werde ich es mir holen, aber nicht für 40 plus 20, was dann auch wieder unter dem Strich eine Bewertungsgrundlage von 60 Euro ausmacht. Survive ist ein Spiel + 🙂 Weiteres höre ich mir, wie immer, im persönlichen Podcast von euch an!

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