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Metal Gear Solid: Ground Zeroes


Mein letzter Metal Gear Solid (MGS) Ausflug ist schon ein Weilchen her. Um genau zu sein sind schon knapp zehn Jahre verstrichen, seitdem ich mit Metal Geard Solid: Snake Eater die Serie hassen gelernt habe. Nein wirklich, Snake Eater war für mich eine Katastrophe. Dämliche Ausdaueranzeige, dämlicheres Nahrung farmen, damit die Ausdauer auch schon erhalten bleibt und noch viel dämlicheres Prozentpunkte vergleichen bei der Wahl der passenden Tarnung. Klingt alles mehr nach nem Abschlussball mit abgezählten Frikadellen im Buffet, als nach einem anspruchsvollem Taktik-Schleich-Shooter wie ich es noch zu MGS2 erlebt hatte. Drauf geschissen. MGS4 habe ich mir dann gleich gespart, womöglich auch, weil ich der XBOX 360 gegenüber der PS3 den Vorzug gegeben hatte und PWRUP anno 2008 noch nicht mal ein kurzer Geistesblitz beim morgendlichen Stuhlgang war.

Jetzt liegt also der Prolog zu Metal Gear Solid: The Phantom Pain in meinen Händen. Neuerdings wird so ein Prolog auch einzeln verkauft? Als ich noch jung war hieß das vermutlich noch „Demoversion„. Drauf geschissen, der Preis mit knapp € 29,00 ist okay, wenn der Umfang stimmt.


Opernglas nicht vergessen

Also rein mit dem Datenträger in die nicht mehr ganz taufrische XBOX 360 und los geht die wilde Fahrt… noch nicht. Erst müssen zwangsweise noch ein paar Gigabyte Daten auf die Festplatte geschaufelt werden. Was mich danach wohl erwarten wird? Der Ladebalken würgt sich langsam der 100% Marke entgegen, also nutze ich die Gelegenheit für… was man eben so während einer Installation macht. (Was machst Du denn so, während ein Spiel installiert wird? Schreib es mir als Kommentar)
Ab ins Hauptmenü, wo ein ein ziemlich alter Snake (auch Big Boss genannt) in einem Helikopter sitzt. Er sieht so alt aus, wie ich mich jeden Morgen fühle. Hauptmission, Einstellungen und Hintergrundgeschichte lachen mich im Hauptmenü an… ich klicke auf „Hintergrundgeschichte“ und bekomme gleich tränende Augen. In fitzelig kleiner Schrift wird mir nochmal „kurz“ auf elf (in Zahlen: 11 !) Seiten die Hintergrundgeschichte bis MGS: Ground Zeroes haargenau erzählt. Wer sich noch mal auf den neusten Stand bringen möchte, bekommt einen interessant geschriebenen Text geboten, wer mit diesem Spiel einsteigt und vorher keine Ahnung vom Metal Gear Kosmos hatte, wird nach diesen elf Seiten nicht nur tränende Augen haben, sondern mehr Fragen als zuvor. Aber, wer MGS allein wegen seiner Story spielt, wurde sowieso nie so richtig satt.


Klebeband dabei?

Kaum startet man aber die Hauptmisson geht auch schon das Intro los. Hierfür, sollte Konami ernstaft Klebeband mit in die Spielverpackung legen, um das eine oder andere Kinn dort zu halten, wo es anatomisch hin gehört, denn was die brandneue Fox Engine aus den „alten“ Konsolen holt muss sich nicht verstecken und hat meine Kinnlade unsaft auf den Fußboden vor meiner Couch fallen lassen. (Glücklicherweise bin ich Träger eines prächtigen Bartes, der nahezu jeden Sturz wunderbar abfedern kann… Glück gehabt). Knackige Texturen, tippitoppi Animationen, Licht und Schatten… alles offenbar in Echtzeit berechnet und komplett ohne einen Schnitt… das ist schon nicht übel. Das Intro ist nett anzusehen, aber so aussagekräftig wie ein Straßenschild. Wir haben den jungen Chico in einer Zelle, zig Soldaten in einem Militärcamp, einen vernarbten Antagonisten (Skull Face) und einen Snake, der eine Klippe hochklettert.

Glücklicherweise habe ich mich vorher durch die elf Seiten Hintergrundstory geschmökert und hab jetzt eine Ahnung WO ich überhaupt bin und WAS es zu tun gibt. Die alten Codecs, die MGS in meinen Augen immer ausgebremst haben, damit mir irgendwer das Ohr abkauen kann, sind damit wohl endgültig in Rente geschickt worden. Der kleine Chico und das Mädchen Paz müssen aus dem Militärcamp befreit werden (das war jetzt die Kurzfassung für alle Lesefaulen.. gern geschehen).

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Big Boss (oder Naked Snake, Snake, Jack, John, Punished Snake) war renommiertes Mitglied einer Spezialeinheit und Anführer einer Söldnergruppe. Er gründete die Einheit FOXHOUND und zusammen mit den Söldnern der Militaires Sans Frontières und Diamond Dogs, gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Patriots. Big Boss gründete Outer Heaven und Zansibar Land, die später Operationsbasen wurden und den Ausgangspunkt seiner Nation für Soldaten darstellen. Er wird „Der Größte Krieger des 20. Jahrunderts“ genannt und ist tatsächlich ein brillanter militärischer Führer, der von seinen Verbündeten als ein Kriegsheld gefeiert und von seinen Feinden als Tyrann gefürchtet wird.
Während des Kalten Krieges war Big Boss ein Schützling von The Boss, die so genannte „Mutter der Special Forces“ und später ein Agent der FOX-Einheit, unter Major ZERO.

Sein genetischer Code wurde als Teil des Regierungsprojekts „Les Enfants Terribles“ verwendet. Somit ist Big Boss der genetische Vater von Solid Snake, Liquid Snake und Solidus Snake.

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Ricardo Valenciano Libre, bekannt als „Chico“ war zusammen mit seiner Schwester Amanda Kindersoldat der sandinistischen National Liberation Front (FSLN) und in den frühen 1970er Jahren in Costa Rica. Weil die Nahrung bei den Sandinisten knapp war, litt Chico an Unterernährung, was ihn kleiner als Kinder seines Alters machte. Aufgrund gemeinsamer Erlebnisse und starker Gefühle zu der Cipher Agentin Paz hat er sich allein auf den Weg gemacht um Paz aus Camp Omega zu befreien.

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Paz Ortega Andrade, auch bekannt als Pacifica Ocean, ist eine Agentin der Organisation „Cipher„, die die Mother Base genannte Heimatbasis in Metal Gear Solid: Peace Walkers infiltriert hatte. Ihre Aufgabe war es Metal Gear ZEKE, den Nuklearwaffenfähigen Metal Gear von Big Boss,  für Cipher zu stehlen, wurde aber in letzter Sekunde von Big Boss aufgehalten. Am Ende des Kampfes gegen Big Biss, währenddessen sie im Cockpit von Metal Gear ZEKE saß, wurde sie aus dem Cockpit geschossen und verschwand im Ozean. Big Boss hatte jedoch seine Zweifel daran, dass Paz wirklich gestorben war.

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Kazuhira „Kaz“ Miller, auch bekannt als McDonell Benedict Miller und Master Miller, ist die Nummer Zwei bei Militaire Sans Frontiere und Diamond Dogs sowie Big Boss engster Freund.

Er und Big Boss trafen in Kolumbien aufeinander, wo Miller zusammen mit Rebellen und Big Boss gegen die Regierung von Kolumbien kämpfe. Als er sah wie sein Team ausgelöscht worden war, versuchte er sich und die verbliebenen Feinde mit einer Granate zu töten. Big Boss, der diesen Kampfgeist mit dem eines Samurais verglich, bat Miller sich ihm anzuschließen. Von da unterstützte er Big Boss während seiner Missionen.

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Skull Face ist ein stark vernarbter Mann und der Kommandant der militärischen Gruppe XOF. Er leidet offenbar an zahlreichen Verletzungen und Verbrennungen im Gesicht und vermutlich am gesamten Körper. Darüber hinaus hat sich seine natürliche Hautfarbe in eine ungesunde bläuliche Farbe geändert. Er wird auch „Geist ohne Vergangenheit“ genannt. Seine Motive und Ziele sind bisher unbekannt.


Noch alle Tasten am Controller?

Schau Dir bei Gelegenheit mal Deinen Controller an. Ein hübsches Teil oder? Mit seinen ganzen bunten Tasten, Sticks, Wippen und dem Steuerkreuz… leider scheint Metal Gear Solid: Ground Zeroes auf dem ersten Blick für vierarmige Menschen mit dementsprechenden Controllern geschaffen worden zu sein. Nahezu jede Taste ist entweder mehrfach belegt oder der Startpunkt für ein verschachteltes Menü… da hilft dann auch die „Übersicht“ nicht weiter, welche eine sechs Seiten starke digital Version des Handbuchs ist. Sowas muss man dann erstmal nicht nur sacken lassen, sondern auch wie ein Mann akzeptieren, dass die ersten Spielminuten ziemlich holprig verlaufen. Fatal wird es dann, wenn man wie ich, so eine Mission möglichst elegant durchziehen möchte. Ein Glück verfügt das Spiel über ein sehr großzügiges automatisches Speichersystem, dass einen nach dem Laden des letzten Kontrollpunktes allerdings gern mal an einem Punkt weiterspielen lässt, den man vorher noch gar nicht gesehen hatte. Vermutlich sind diverse Spawn Punkte auf der Spielkarte verteilt und es wird der nächst beste für den Spieler gewählt. Davon kann man halten, was man will.


Neue Tricks, alte Knochen.

Die Kampagnen Mission, eingeleitet durch die oben erwähnte recht beeindruckende Sequenz, gestaltet sich dann auch noch als echte Überraschung. Das Militärcamp ist, bis auf den Großteil der Gebäude frei begehbar. Somit hat MGS-Schöpfer Hideo Kojima nicht übertrieben, als er für Metal Gear Solid: The Phantom Pain eine offene Spielwelt versprochen hat. Was da so kommen kann, lässt sich am spiel- und kaufbaren Prolog Ground Zeroes schon abschätzen. Lediglich Wachtürme, Lagerräume oder eben für die Handlung wichtige Örtlichkeiten lassen sich betreten, der Rest dient nur dazu im Alarmfall fleißig Gegner auszuspucken. Ansonsten kann ich mich so durch die Spielwelt und zu den Missionszielen bewegen wie ich es für richtig halte. Wobei, ob der schieren Übermacht an Gegnern, eher nur im Notfall zur Knarre gegriffen werden sollte. Wie gesagt, die meisten Gebäude hauen Gegner raus wie ein PEZ-Spender, wenn man den Rambo markieren möchte.

Ducken, kriechen, rennen, rollen.. ach der alte Snake hat so einige Tricks in seinem fein animiertem Bewegungsrepertoire, die das Schleichen schon vereinfachen… seltsamerweise gibt es aber keine Taste um sich an ein Hindernis zu schmiegen und so vorsichtig um Ecken zu huschen. Dafür vermutlich irgendwo eine Taste um sich im Schritt zu kratzen. Das ist schon eine seltsame Entscheidung… so ein Deckungs-System ist doch noch immer schrecklich angesagt, oder? Wenigstens lassen sich die Gegner per Fernglas markieren, sodass sie auch hinter Hindernissen sichtbar bleiben. Dafür ist der eingeblendete „Sichtkegel“ der Gegner entgültig verschwunden, was die Schleich-Sache dann doch ausreichend knifflig macht. Wird man trotz aller Planung entdeckt, so braucht ein Gegner ein paar wenige Momente um den Ernst der Lage zu begreifen. Selbst wenn die berühmten drei !!! über seiner virtuellen Rübe aufblitzen, hat man mit ein wenig guten Reflexen noch die Chance, das Spiel in eine Zeitlupe zu schalten um den Gegner fix das Licht auszupusten bevor die Kacke dampft.


Aber auch alles schön genießen!

Ohne zu viel spoilern zu wollen: die Kampagnenmission wird nicht nur imposant eingeführt, sondern ist spielerisch schön gestaltet. Kaum hat man den kleinen Chico befreit, lässt dieser eine Audiokassette fallen, die den Ort des Mädchens Paz verrät oder den Spieler zumindest in die richtige Richtung schickt… wenn man die Ohren spitzt. Das ist genau so ein verspieltes Spielelement wie man es von einem Metal Gear Solid erwarten kann. Gleiches gilt für verdutzte Gegner, die man aus dem Hinterhalt mit gezogener Waffe überraschen oder im Schwitzkasten mit etwas Nachdruck um Informationen erleichtern kann. Hat man dann die Kampagnenmission beendet, stellt sich aber Ernüchterung ein. Das war es mit dem Prolog. Die restlichen vier Missionen zählen zu den Nebenmissionen, sind abwechslungsreich und reich an Lösungsmöglichkeiten… aber nun mal nur Nebenmissionen im selben Spielgebiet. Wie Eingangs gesagt: „[…] wer MGS allein wegen seiner Story spielt, wurde sowieso nie so richtig satt.“ (Zitat!)

Trotzdem, machen die Nebenmissionen Spaß, halten auf, stählen den Spieler sicherlich für The Phantom Pain und bieten zusätzlich auch noch zig Möglichkeiten um Sammelwütige bei Laune zu halten. Audiokassetten, XOF Aufnäher und was weiß ich noch wollen gefunden werden. Wer dann noch immer nicht genug hat, darf sich über ein umfangreiches Online-Leaderboard freuen, mit dem man dann weltweit vergleichen kann, wer den Größten hat. Also den größten Abstand für einen Kopfschuss und so… wir verstehen uns.


Fazit

Metal Gear Solid: Ground Zeroes ist ein exzelenter Vorgeschmack auf das kommende The Phantom Pain. Die Spielwelt klasse designt, die Missionsziele sind abwechslungsreich und der Weg dorthin voller spielerrischer Freiheiten. Der Soundtrack aus der Feder von Harry Gregson-Williams (zusammen mit dem Japaner Nobuko Toda) ist gewohnt sehr gut und untermalt das aktuelle Spielgeschehen klasse. Die Fox Engine holt das letzte aus der letzten Konsolengeneration raus und gibt sich, bis auf ein paar Popups auf der PS3, keine Blöße. Aber, es bleibt nur ein spielbarer Prolog. An ein zwei Abenden hat man die Kampagnenmission durch, wenn auch sicher nicht auf die unauffälligste Art, aber immerhin man hat dann alles gesehen und kehrt nur noch für die Nebenmissionen, zum Sammeln oder für neue Rekorde im Leaderboard zurück. Das wäre viel zu wenig für ein einzelnes Metal Gear Solid Spiel, aber für einen Prolog gerade noch genug. Vielleicht hätten aber noch ein zwei (meiner wegen kleinere) andere Missionsgebiete die Sache abgerundet.

Meine Wertung

Final Thoughts

Metal Gear Solid: Ground Zeroes ist ein exzelenter Vorgeschmack auf das kommende The Phantom Pain. Die Spielwelt klasse designt, die Missionsziele sind abwechslungsreich und der Weg dorthin voller spielerrischer Freiheiten. Der Soundtrack aus der Feder von Harry Gregson-Williams (zusammen mit dem Japaner Nobuko Toda) ist gewohnt sehr gut und untermalt das aktuelle Spielgeschehen klasse. Die Fox Engine holt das letzte aus der letzten Konsolengeneration raus und gibt sich, bis auf ein paar Popups auf der PS3, keine Blöße. Aber, es bleibt nur ein spielbarer Prolog. An ein zwei Abenden hat man die Kampagnenmission durch, wenn auch sicher nicht auf die unauffälligste Art, aber immerhin man hat dann alles gesehen und kehrt nur noch für die Nebenmissionen, zum Sammeln oder für neue Rekorde im Leaderboard zurück. Das wäre viel zu wenig für ein einzelnes Metal Gear Solid Spiel, aber für einen Prolog gerade noch genug. Vielleicht hätten aber noch ein zwei (meiner wegen kleinere) andere Missionsgebiete die Sache abgerundet.

Overall Score 3.5 Macht hungrig

Chico und Paz werden in Camp Omega gefangen gehalten!

Rette sie!

4 Kommentare zu Metal Gear Solid: Ground Zeroes

  1. DevilsClaw

    Edit: „Aber, wer MGS allein wegen seiner Story spielt, wurde sowieso nie so richtig satt.“
    Wegen was zur Hölle sollte ich die MGS-Reihe sonst spielen? Wegen dem genialen Gameplay? Wohl kaum. Das wurde nämlich erst mit MGS4 und jetzt Ground Zeroes wirklich sehr gut optimiert.

  2. DevilsClaw

    Das Review an sich ist okay, aber ich hab noch nie so einen großen Blödsinn über Metal Gear Solid 3 gelesen. Sowohl Ausdaueranzeige, als auch Nahrungssuche sind 1. vollkommen unaufdringlich gelöst und 2. sinnvoll integriert. Man kommt im Laufe des Spiels an genug Tieren vorbei um Nahrung für jede Situation zu haben. Des Weiteren ist der Tarnindex unglaublich gut und dient dem Stealthgedanken des Spiels. Und nur weil der Vorgänger nicht gefallen hat dann eins der besten PS3 Spiele links liegen lassen? MGS4 hat alle losen Storyfäden super zusammengeknüpft und die Geschichte um Solid grandios abgeschlossen.
    Und dass du die Handlung von Ground Zeroes nicht verstehst geschieht dir auch recht, wenn du auch Peace Walker vorher nicht spielst…

  3. Sebastian Fackin Herrmann

    Die Review ist ein bisschen kurz oder? 😛 😀
    Echt viel Text 😀 Aber wäre es noch mehr geworden dann hättest du gleich ein Buch schreiben können!
    Aber 5h für das Spiel ist mir trotzdem irgendwie zu wenig…falls es das mal für den PC gibt und es im Angebot ist dann kauf ich es mir aber ! Klingt alles sehr Lecker! 😀

  4. Gurki

    ich bin ja noch in der hoffnung das eine pc version kommt. wenn ja ist das und der haupteil sogut wie gekauft 🙂 danke für diesen schön geschrieben test

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