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Gran Turismo Sport


Vor 20 Jahren erschien das erste Gran Turismo auf der PlayStation 1 und wurde zum meistverkauften Spiel dieser Konsole. Da es sich bei dem Titel um eine Rennsimulation handelte, ziehe ich bis heute meinen Rennfahrerhelm vor diesem Meilenstein von Kazunori Yamauchi und Polyphony Digital und kam vom sehr jungen Kindesalter bis heute immer wieder in Kontakt mit der Sony exklusiven Rennspielreihe und lernte sie lieben. Vier Jahre nach dem sechsten Teil, hat Gran Turismo Sport, das sich überwiegend auf den Online-Rennsport fokussiert, die Startlinie überquert und ist nun für die PlayStation 4 erhältlich.

Um es direkt vorwegzunehmen: Ja, es handelt sich trotz der fehlenden Zahl im Titel von GT Sport um den siebten Teil der Reihe und abseits der Online-Rennen gibt es zur Freude der Fans selbstverständlich ein Offline-Angebot, auch wenn wir sogar dieses nur mit einer aktiven Internetverbindung und somit abspeicherndem Fortschritt spielen können. Uncool.


Offline-Vorbereitung auf die realen Mitstreiter

Im Karriere-Modus finden wir die Menüpunkte „Fahrschule“, „Missionen“ und „Streckenerfahrung“. Die gelernten Taktiken aus der Fahrschule werden wir im Laufe der Zeit, vor allem online, dringend benötigen und so können wir durch das erfolgreiche Bestreiten dieser Aufgaben, wie zum Beispiel dem Üben von Brems- oder Überholmanövern oder dem richtigen Beschleunigen nach Kurven, Fahrzeuge verschiedener Klassen und Marken freischalten, die unseren Fuhrpark erweitern und anschließend im Spiel genutzt werden können. Hinter den Missionen verstecken sich verschiedene Herausforderungen, die abgeschlossen werden können, aber auch ganz klassische Rennen. Nach jeder der abgeschlossenen acht Stufen erhalten wir hier ebenfalls einen neuen Wagen – man möchte hier und da natürlich für seine Mühen belohnt werden.

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Die Streckenerfahrung lässt sich wahrscheinlich schon durch den Namen erklären. Es geht lediglich darum, die Kurven und schwierigen Abschnitte einer Rennpiste zu erkunden und zu erlernen. Nach dem wir hier erst einmal nur Teile einer Strecke abfahren müssen, werden wir am Ende eine Runde auf der gesamten Strecke in einer bestimmten Zeit abschließen müssen. Haben wir dies geschafft, werden wir zwar mit keinem Auto, dafür aber mit einem Streckenaufkleber belohnt. Alle unsere Bestzeiten des Karriere-Modus werden darüber hinaus auch in einer kleinen Freundes-Rangliste vermerkt und so bekommen wir immer wieder einen Ansporn, uns doch noch einmal zu verbessern, wenn Freund XY unsere Bestzeit geschlagen hat und sich womöglich auch noch auf dem ersten Platz einnistet. Alle drei Menüpunkte und ihre Aufgaben wirken trotz des durchaus vorhandenen Spielspaßes wie eine Vorbereitung auf das, was uns online erwarten wird und nicht wie eine Karriere, die wir aus vorherigen Gran Turismo Ablegern kennen. Siegestreppchen, sprühenden Champagner und Meisterschaften suchen wir hier vergebens.

Keine Lust auf Karriere? Dann können wir im Arcade-Modus Einzel-, Zeit-, Drift- und benutzerdefinierte Rennen, eine kleine VR-Tour (diese konnte ich aufgrund fehlender VR-Brille nicht testen) und natürlich mit zwei Spielern Zuhause auf dem Sofa im Splitscreen fahren. Hier solltet ihr allerdings darauf achten, dass manche Strecken erst mit einer bestimmten Stufe ausgewählt werden können. Alle Modi funktionierten beim Testen einwandfrei und auch das Spielen mit dem lokalen Splitscreen lief flüssig und jagte den Spaßfaktor sehr schnell nach oben.


Gran Turismo fährt in Richtung eSport

Nun aber zum Kern von GT Sport, den Online-Modi. Bevor wir überhaupt an Online-Rennen teilnehmen können, müssen wir uns erst einmal zwei Einführungsvideos ansehen, die uns über das Regelwerk und unsere Verhaltensweisen im Rennen aufklären. Von der Strecke drängen, Auffahrunfälle und dergleichen sind hier fehl am Platz und werden mit schlechteren Rennzeiten und einer sinkenden Bewertung im Benutzerprofil bestraft. In den Missionen der Karriere mussten wir oftmals einige Autos überholen, ohne sie zu berühren und das Ausweichen dieser immer wieder üben und perfektionieren. Das wird in diesem Modus dringend benötigt. Befinden wir uns in einem Rennen und ein Fahrer vor uns fährt merkwürdig oder in einer Kurve führt das Gedrängel fast zu einem Unfall? Dann müssen wir im Notfall die Strecke verlassen und sie anschließend wieder befahren, wenn wir mehr Platz haben. Auch durch das schlechte Verhalten anderer Spieler, könnten wir letztlich Abzüge erhalten, die am Ende des Rennens wirklich ärgerlich sind.

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Es ist möglich eine eigene Lobby zu eröffnen und das eigene Regelwerk, Teilnahmekriterien und Autos festzulegen oder aber einer fremden Lobby beizutreten. Es besteht sogar die Möglichkeit mit einem Kart gegen schnelle Sportwagen anzutreten. Ungerecht, aber witzig. Der Schwerpunkt liegt aber bei den offiziellen Online-Rennen. Hier gibt es tägliche Veranstaltungen für die wir uns anmelden können und die zu einer festgelegten Zeit starten, aber auch Meisterschaften, die an einem bestimmten Tag stattfinden werden. Mit Qualifying, dem Verlassen unserer Box und einer ersten Testrunde wird das Rennfeeling perfekt übermittelt und mit dem eigentlichen Rennen der Nervenkitzel und das Adrenalin in die Höhe getrieben. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich bisher nie einen besseren Platz, als den 15. belegen konnte. Trotz meiner vorsichtigen Fahrweise, schubsten mich immer wieder andere Fahrzeuge in meinen Vordermann, wodurch ich ebenfalls Punktabzüge erhalten habe. Ein Lob geht wiederum an die wunderbare Verbindung während des Spielens. Beim Testen liefen alle Online-Rennen einwandfrei und kamen ohne minutenlanges Warten auf Mitspieler zustande. Wie sich das weiterhin entwickelt, wird sich natürlich zeigen.


Auto- und Streckenanzahl erheblich geschrumpft

Während Gran Turismo 6 mit über 1200 Autos und fast 40 Strecken glänzen konnte, weist GT Sport nur noch 162 Autos und ca. 20 Strecken mit verschiedenen Kursen auf. Auf Oldtimer oder Wagen des Otto-Normalverbrauchers, bei denen man in den letzten Jahren auch häufig seine eigene Blechschüssel finden und tunen konnte, wurde verzichtet und auch die geringe Streckenanzahl ist deutlich zu spüren. Natürlich ist nicht jeder Wagen zu 100% detailliert im Spiel enthalten gewesen, aber sie waren wenigstens verfügbar. Zwischen Fantasiestrecken haben sich auch (Pflicht-)Klassiker wie der Nürburgring eingefunden, mit steigender Spieldauer wiederholen diese sich aber zu häufig und werden schnell eintönig. Während Project Cars 2 mit 46 und Forza Motorsport 7 mit seinen 32 Strecken auf den Markt gekommen sind, wirkt GT Sport nur wie ein kleiner Smart neben einem Ferrari. Ob uns im Laufe der Zeit DLC Packs mit weiteren Fahrzeugen und Strecken erwarten, wird sich zeigen, etwas mehr Auswahl hätte dem Ganzen aber schon beim Start nicht geschadet.

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Tolles Fahrverhalten trifft auf minimales Schadensmodell

Zwar können die Autos nicht von ihrer Quantität her überzeugen, dafür aber der Qualität. Die Fahrphysik und auch das Fahrverhalten der verschiedenen Rennboliden wurde nahezu perfekt eingefangen und so fühlt sich das Bestreiten der Rennen sehr authentisch an, auch wenn es dies nur auf den asphaltierten Strecken vorweisen kann. Beim Offroad-Racing hat DiRt 4 weiterhin die Nase vorn. Beim Schadensmodell enttäuscht GT Sport wiederum. Dies ist zwar minimal enthalten, sodass wir kleinere Kratzer und Schäden am Auto optisch vernehmen und mit der Zeit auch spüren, auf ein komplett zerstörtes Auto, vor allem optisch, wird allerdings verzichtet. Bei rasanten Rennen und dem Streifen der Leitplanke sollte zu erwarten sein, dass wenigstens mal die Stoßstange und nicht nur ein Seitenspiegel an uns vorbeiflattert. Was die Schwierigkeit des Fahrens betrifft, befindet sich GT Sport genau zwischen der starken Project Cars 2 Simulation und dem etwas leichteren Forza Motorsport 7. Je nach Belieben können wir Fahrhilfen, wie das automatische Bremsen oder eine leichtere Lenkung einstellen und uns auch auf eine solide Ideallinie verlassen.


Car Porn vom Feinsten

Wer hätte gedacht, dass es ein Gran Turismo schaffen würde, den Car Porn der Forza-Reihe zu übertrumpfen? Die in GT Sport enthaltenen Fahrzeuge sind außen, wie auch innen ein absoluter Hingucker und lassen einen Autofan mit offenem Mund vor der PlayStation sitzen. Vor allem der Innenraum inkl. Tachoanzeige, Fensterhebern oder auch den realitätsgetreuen Lenkrädern und ihren Knöpfen wissen zu überzeugen. Befinden wir uns in der Cockpit-Ansicht und drehen uns um, sehen wir übrigens unsere Rückbank und die Heckscheibe, während in Forza Motorsport 7 auf diese Ansicht verzichtet wurde.

Als wäre dies noch nicht genug, gibt es abseits eines klassischen Foto-Modus nun die neu eingeführten Scapes. Hier können wir unseren Rennwagen mit den eigenen Personalisierungen, wie Aufklebern oder einer anderen Lackierung und Felgen auf echten Hintergründen ablichten lassen. Die wiederum unechten Autos aus dem Spiel sind in den meisten Fällen kaum noch von der Realität zu unterscheiden und können uns durch verschiedene Effekte und Einstellungen unzählige Stunden an diesen Modus binden. Sie können übrigens auch in so hoher Qualität gerendert werden, dass es möglich wäre ein persönliches Scape-Foto in Postergröße drucken zu lassen. Ein PWRUP Racer für unser Büro? Das wäre eigentlich ziemlich cool!

Auch ein Museum der im Spiel enthaltenen Autohersteller ist enthalten. In diesem wird viel zur Geschichte der jeweiligen Unternehmen und Fahrzeugen mitgeteilt – hier sind auch meine geliebten Oldtimer enthalten, wenn auch nur in kleinen Info- und Filmschnipseln. Abseits der Automobil-Geschichte wurden aber auch allgemeine Infos zu geschichtlichen und allgemeinen Geschehnissen der Musikindustrie oder anderen Sportarten hinzugefügt.


Grafik und Sound

Sowohl auf der normalen PS4, als auch auf der PS4 Pro sieht GT Sport fantastisch aus und läuft ausnahmslos flüssig. Die Autos und Strecken wurden allesamt detailliert und möglichst scharf umgesetzt. Nur die Zuschauer im Publikum wirken ziemlich steif und könnten etwas Abwechslung und eine „rundere“ Optik vertragen. Licht- und Schatteneffekte kommen bereits ohne einen HDR-Fernseher zum Vorschein, sind mit dieser Funktion aber auf einem enorm hohen Level. Die 4K-Variante mit der nötigen Hardware konnte ich bisher nur auf dem von uns besuchten GT Sport Event zu Gesicht bekommen und war dort sehr begeistert, kann aber versichern, dass das Spiel mit der normalen PS4 und einem Mittelklasse-TV ebenfalls überzeugen kann. Einzig und allein das von den bekannten Konkurrenten dynamische Wetter und der Tag- und Nachtwechsel fehlen bei GT Sport.

Zu Herzen genommen hat sich das Team von Polyphony Digital wiederum die Kritik am Spielsound von Gran Turismo 6. Die Motorengeräusche wurden je nach Autotyp individuell umgesetzt und verändern sich je nach Sichtauswahl im Auto.


Fazit

Ich muss gestehen, dass mir die Bewertung und das Fazit für GT Sport sehr schwer fallen. Ich bin ein großer Fan vorheriger Gran Turismo Spiele und war seither immer über das große Angebot an Autos und Strecken dankbar. Für mich gehören ein paar Oldtimer und auch Wagen mit weniger PS, mit denen wir normalerweise nur zum Einkaufen fahren würden, zu einem abwechslungsreichen Rennspiel dazu. Dies ist natürlich Geschmackssache, während mir alte „Schrottkisten“ fehlen, will manch anderer Spieler nur mit Hochleistungs-Rennboliden fahren und wird mit der Autoauswahl sehr zufrieden sein. Dennoch ist diese im Vergleich zu seinen Mitstreitern bisher viel zu gering und auch die wenigen Strecken, die sich zu schnell wiederholen und eintönig werden, sind kein Zeichen für ein gutes Rennspiel.

Der nächste für mich schwierige Punkt ist die Offline-Karriere. Während wir noch vor vier Jahren bei Gran Turismo 6 und auch den älteren Vorgängern einen Cup nach dem nächsten fuhren, immer der Erste im Rennen werden und an die Spitze kommen wollten, fehlt dies nun gänzlich. Wir spielen lediglich eine Aneinanderreihung von Missionen und Übungen, die uns eigentlich nur auf die Online-Rennen vorbereiten sollen. Die Motivation kann hier schnell nachlassen, da wir kein wirkliches Ziel vor Augen gehalten bekommen. Für den 2-Spieler-Splitscreen strecke ich aber beide Daumen nach oben. Online konnte mich GT Sport wiederum überzeugen. Das Adrenalin, das in den Rennen gegen echte Spieler durch den Körper fließt, habe ich bisher nur in den letzten 3 Minuten eines Fifa-Matches gefühlt und auch die Umsetzung dieser Rennen gleicht beinahe dem echten Rennsport. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Spiel schon bald auf großen eSport-Events antreffen werden und sogar ich mich zu mehreren Meisterschaften im Spiel anmelden werde.

Zusammengefasst ist Gran Turismo Sport ein Schritt in eine komplett neue Richtung, die man entweder gut findet oder aber den alten Zeiten hinterhertrauert. Wir bekommen ein nahezu perfektes Fahrfeeling, eine tolle Grafik und für Gran Turismo ungewöhnlichen Car Porn-Schnickschnack geboten, müssen aber leider auf eine umfangreiche und langzeitmotivierende Karriere verzichten. Ich für meinen Teil gehe lieber „back to the roots“ und lege wieder ältere Ableger der Reihe ein, denn auf der PS1, PS2 und auch der PS3 hatte ich mit Gran Turismo viele tolle Stunden einer Rennspielsimulation erlebt, die zwar etwas Übung und Können erfordert, aber dennoch für alle Spielertypen zu genießen ist.


Meine Wertung

Final Thoughts

Zusammengefasst ist Gran Turismo Sport ein Schritt in eine komplett neue Richtung, die man entweder gut findet oder aber den alten Zeiten hinterhertrauert. Wir bekommen ein nahezu perfektes Fahrfeeling, eine tolle Grafik und für Gran Turismo ungewöhnlichen Car Porn-Schnickschnack geboten, müssen aber leider auf eine umfangreiche und langzeitmotivierende Karriere verzichten. Ich für meinen Teil gehe lieber „back to the roots“ und lege wieder ältere Ableger der Reihe ein, denn auf der PS1, PS2 und auch der PS3 hatte ich mit Gran Turismo viele tolle Stunden einer Rennspielsimulation erlebt, die zwar etwas Übung und Können erfordert, aber dennoch für alle Spielertypen zu genießen ist.

Overall Score 4 Für Online-Spieler
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2 Kommentare zu Gran Turismo Sport

  1. Ich hatte wirklich große Hoffnung, dass der Umfang größer Ausfällt. Aber schon krass, dass so viele Autos nicht dabei sind. Optisch ist das Ding der absolute Knaller, da gebe ich dir recht. Die Menüführung wirkt leider voll überladen und mich störte der ständige Menüwechsel schon extrem: Gerade in der Fahrschule- Menü, 3 Sekunden fahren, Menü, nächste Stecke anwählen, fahren, Menü. Ok, aber wir hoffen mal, dass aus Fehlern gelernt wird und auch evtl in 2-3 Jahren ein neuer Teil am Start ist. Ich gebe GT nicht auf 😀 Guter Test!

  2. Gurki

    Schöner Test 🙂 Ach ich finde die kleiner Auswahl nicht s schlimm aber das fast nur Supercars und Rennsemmeln da sind find ich auch etwas blöd. Ich würds mir trotzdem holen wenn ich ne PS4 hätte. ^^

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