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Far Cry 3


Während wir in der Redaktion das ganze Jahr über quasi Urlaub haben, die exotischsten Strände besuchen, Inseln unser Eigen nennen und uns von Playmates die Cocktails servieren lassen, kommen Videospieler viel zu selten in diesen Genuss. Ubisoft schickt das Inselabenteuer Far Cry 3 ins Rennen um den besten Platz unter dem Tannenbaum. Inselabenteuer… nee irgendwie ist es kein Abenteuer, wenn man 90% des Spiels mit einer Knarre im Anschlag durch die Büsche hetzt und Reihenweise Gegner umnietet. Sowas nennt man SUPERAbenteuer. Einigen wir uns also erst einmal darauf das Far Cry 3 ein InselSUPERabenteuer ist okay? Okay! Dabei sah die erste Stunde noch nicht so rosig aus. Mein Notizzettel füllte sich schnell mit Stichpunkten wie  „Nebenaufgaben sind ein Witz“, „Story komm raus Du bist umstellt“ und „Ruckel-Zuckel-Heiterkeit?“. Trotzdem quälte ich mich weiter… dann purzelten die Stunden und irgendwann flimmerte der Abspann über den Schirm. Was war passiert? Hypnose? Langeweile? Bestechung seitens Ubisoft?

Urlaub mit Terror-Tours

Das ein entspannter Urlaub mit Partnerin und Freunden nicht immer grandios verläuft, konnte ich zuletzt in meiner Bettlektüre „Hummeldumm“ nachlesen. Was dem Spieler in der Haut von Jason Brody passiert, stellt aber alles in den Schatten. Alles fängt mit einer wilden Party, Jet-Ski fahren und Fallschirmspringen an. Es endet allerdings in der Zelle des mittelschwer durchgedrehten Piraten und Kidnapper Vaas Montenegro. Wäre aber auch ein seltsamer Shooter, wenn nicht erst etwas gepflegt schief geht und Jason keine Chance auf Flucht hätte, oder? So sieht es dann auch aus, Jason entkommt und fortan macht er sich erst jammernd, später begeistert jubelnd, auf die explosive Hatz nach seinen Freunden und den Kopf von Vaas. Zwischendurch wird er nicht nur ein Krieger eines Inselstammes, sondern jagt auf deren Heimatinsel auch noch einiges in die Luft oder zündet es wenigstens an. Zwischendurch trifft er auf einige einzigartige Charaktere, wie unter Anderem seinen Mentor Dennis, den experimentierfreudigen und Pilze züchtenden Dr. Earnhart, den Ultrapatrioten und exCIA Agenten Huntley sowie die vielleicht erotischste Videospielfrau und Stammesanführerin Citra. Alle haben zwei Dinge gemeinsam: erstens sind sie dank Motion Capturing unglaublich gut animiert was Gestik und sogar Mimik angeht und zweitens schicken sie den Spieler fortan von Pontius nach Pilatus.

Wohin gehen wir heute?

Ich will weiter von Citra verführt werden und Vaas und seine Antagonisten sollen Zweifel an meinen Motiven und mich in Bedrängnis bringen.

Zuerst die gute Nachricht: Die gesamte Insel ist ohne große Ladebildschirme uneingeschränkt begeh-, befahr-, beschwimm- und „beflieg“-bar. Und diese Insel ist verdammt groß. Jetzt die schlechte Nachricht: die Karte ist Anfangs erschreckend unnütz und darf muss durch erklimmen von Funktürmen nach und nach aufgedeckt werden. Connor ick hör Dir tapsen…. Wie viel Spaß sowas macht, kann man sich gerade denken. Löblich ist, dass die Entwickler wenigstens die verschiedenen Funktürme mit verschiedenen Sprung- und Kletterpassagen und einem atemberaubenden Ausblick ausgestattet haben. Habe ich einen der Türme erklommen, wird ein Areal auf der Karte freigeschaltet und alle plünderbaren Kisten, Nebenmissionen, Minispiele und Jagdgebiete werden angezeigt. Das ist neben der wundervollen Aussicht zwar nett, aber dass dies die einzige Möglichkeit ist nicht „blind“ durch die Gegend zu fahren, finde ich schade. Alternativ hätte man auch den Entdeckertdrang wecken können, indem man auch manuell die Karte aufdeckt und die vielen wirklich schönen Orte von selbst findet. So verpasst man einige wirklich tolle Ecken auf der Insel.

Das fleißige Schneiderlein

Waren im vorhin erwähnten Assassin’s Creed 3 die Nebenmissionen und Jagdgebiete noch schnödes Beiwerk ohne wirklich nützliche Funktion für das weiterkommen im Spiel sind, so sieht es in Far Cry 3 schon anders aus. Hier kommt man ohne Jagd und Pflanzensammeln (das geht glücklicherweise ruck, zuck) nicht sehr weit. Die Pflanzen lassen sich zu Heilspritzen oder kurzen Buffs verarbeiten und die gesammelten Tierhäute erweitern nach Verarbeitung die Möglichkeit Waffen, Munition, Spritzen oder sonstwas zu tragen. Mit nur einer Knarre, wenig Chancen auf Heilung und einer handvoll Patronen lässt sich eben keine Insel befrieden. Die Geldbörse lässt sich auch vergrößern, damit der Shoppingtour nichts mehr im Wege steht. Waffen, Modifikationen für die Lieblingsknarre, Schatzkarten und natürlich Munition stehen an fast jedem Schnellreisepunkt bereit, gegen Cash natürlich. Wer fleißig Kisten und Leichen plündert hat eigentlich selten wirklich Geldsorgen, da man eigentlich nur für Munition, Aufsätze und Schatzkarten Geld ausgeben muss, der Rest wird nach und nach freigeschaltet. Also spart euch die mühsam erballerten Kröten um… naja noch mehr ballern zu können.

Stars zu verschenken

Die irgendwo da oben erwähnten Charaktere sind, und ich betone es einfach noch ein mal und gern drölf mal häufiger, herausragend erdacht, animiert und vertont. Daran gibt es nix zu rütteln. Völlig egal ob die Grafik gerade vor sich hinzuckelt oder was auch immer eure Spielplattform gerade für einen Furz quer sitzen hat. Wer einmal einen Monolog des durchgeknallten und von Stimmungsschwankungen geschüttelten Vaas erlebt hat, vergisst diesen nicht so schnell. Das Ubisoft sich hier waschechte Schauspieler geangelt und diese dann in lustige Spandexanzüge mit weißen Bommeln gepackt hat ist heute fast schon der Standard, aber dass auch noch deren Mimik gecaptured wurde ist das i-Tüpfelchen. Gut, ein L.A. Noire ist es noch nicht, aber schon sehr nah dran. Dazu kommt eine erstklassige Vertonung und fertig ist das perfekte Entertainment Paket mit virtuellen Schauspielern. Ich kann schon ahnen, was da in Zukunft auf uns Spieler zukommen wird. Obwohl Ubisoft so viel Energie und Zeit in die Figuren gesteckt hat, verschenkt man hier eine riesige Chance. So toll alles auch ist und so eindrucksvoll die ersten Begegnungen sind, bis auf ein paar Ausnahmen tauchen die Figuren entweder nur noch am Rand auf oder bleiben als Stimme am Funkgerät. Warum? Ich will weiter von Citra verführt werden und Vaas und seine Antagonisten sollen Zweifel an meinen Motiven und mich in Bedrängnis bringen. Warum spielen alle Figuren auf meine wachsende Brutalität an, wenn es doch keinen Unterschied macht? Ich glaube für Far Cry 4 (sollten die Verkaufszahlen stimmen) ist hier noch Raum nach oben.

Grenzen erkennen

Nein, keine Sorge, hier schreibe ich nun nicht über die künstlichen Grenzen der Inselidylle… weil es keine gibt. Abgesehen vom offenen Meer kann man nahezu jeden sichtbaren Punkt bereisen. Leider führt einen die Story nur über gefühlt die Hälfte aller Orte, was schade ist, denn überall warten kleine Ortschaften, Höhlen, wunderschöne Wasserfälle und Ruinen aus dem 2. Weltkrieg. Dazu gibt es auch ein kleines Sammelspiel mit Briefen aus dieser Ära etc. Das spielt für die Story allerdings keine Rolle und wird vermutlich in den kommenden DLCs behandelt werden. An der Grafik lässt sich leider nix mehr ändern und die hat wirklich häufiger zu kämpfen. Vor allem wenn es mal so richtig heiß hergeht, geht der Grafikmotor gern mal in die Knie. Es wird zwar nie unspielbar, aber hier haben sich die Entwickler ein klein wenig überschätzt.

 

Fazit

Vielleicht wollten die Entwickler aber auch zu viel. Ich bin hin und hergerissen und mein Notizblock ist selten so voll gekritzelt. Der Ersteindruck war eher durchschnittlich, dann hing ich aber fast einen ganzen Tag an diesem Titel fest nur um mich über die verschenkten Charaktere und die magere Erzählung der Geschichte zu ärgern. Der Rest des Spiels stimmt aber. Die Knarren fühlen sich wuchtig und gut an, die Grafik ist schön, obwohl die Engine überfordert ist. Der Sound geht in Ordnung, Fahrphysik ist sehr arcadig und passt zum Tempo des Spiels. Wenn einmal die Hölle losgeht, dann explodiert es am laufenden Band und die Gegner fallen wie die Fliegen. Die KI ist jetzt nicht auf Huhn-ohne-Kopf Niveau, aber einen Preis wird sie auch nicht gewinnen. Lustiges Detail: die allgemeine Intelligenz der Gegner sinkt übrigens mit deren Anzahl.

Final Thoughts

Vielleicht wollten die Entwickler aber auch zu viel. Ich bin hin und hergerissen und mein Notizblock ist selten so voll gekritzelt. Der Ersteindruck war eher durchschnittlich, dann hing ich aber fast einen ganzen Tag an diesem Titel fest nur um mich über die verschenkten Charaktere und die magere Erzählung der Geschichte zu ärgern. Der Rest des Spiels stimmt aber. Die Knarren fühlen sich wuchtig und gut an, die Grafik ist schön, obwohl die Engine überfordert ist. Der Sound geht in Ordnung, Fahrphysik ist sehr arcadig und passt zum Tempo des Spiels. Wenn einmal die Hölle losgeht, dann explodiert es am laufenden Band und die Gegner fallen wie die Fliegen. Die KI ist jetzt nicht auf Huhn-ohne-Kopf Niveau, aber einen Preis wird sie auch nicht gewinnen. Lustiges Detail: die allgemeine Intelligenz der Gegner sinkt übrigens mit deren Anzahl.

Overall Score 3.5 Meine Wertung
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