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Divinity: Dragon Commander


Affen mit Flügeln? Eher was für alte Hexen. Haie mit Laserknarren am Kopf? Eher was für kahlköpfige Superschurken aus der Kältekammer. Drachen mit Jetpacks…. friggin‘ Jetpacks! Ja das ist doch etwas, dass mein Herz berühren könnte. Vor allem, da man in Divinity: Dragon Commander selbst das Schlachtfeld als jetbepackter Drache aufmischen darf. Wer jetzt zähneknirschend an das verkorkste The I of the Dragon denkt und mit Dragon Commander vorsorglich jetzt den nächsten Titel aus der Wunschliste streichen möchte, wirft den Edding jetzt mal besser ganz schnell weg. Weit weg. Denn dieses Spiel hier hat noch einiges mehr unter der Haube als pew-pew-Drachenaction!

Einmal König sein…

Und Zack! Die Larian Studios machens möglich. Naja, noch nicht ganz, denn im Spiel geht es um den Kampf um den Thron. Dennoch werden euch im Verlauf der Kampagne nach und nach alle NPCs gehörig in den Arsch kriechen und sogar ihre Töchter reihenweise zur Hochzeit anbieten. Schon nicht übel. Die eigentliche Geschichte ist schon ziemlich angestaubt. Fantasyreich mit den üblichen Verdächtigen – Kinder des Königs kämpfen um die Krone und der Spieler ist wie seine Geschwister ein Halb-Drache, der seinerseits gern auf dem Thron sitzen möchte. Natürlich ist er besser geeignet und nicht so durchtrieben böse wie die anderen Königskinder, aber hey, was ist nicht, kann ja noch werden.

Um die Frage WAS denn Dragon Commander nun eigentlich ist, zu beantworten, muss ich erstmal tief Luft holen. Das Spiel ist ein Echtzeit-Strategiespiel mit 3rd Person Action- und Rollenspielelementen auf einem rundenbasierten Grundgerüst mit einem Hauch von Diplomatie und einer Portion Sammelkartenspiel. Die eierlegende Woll-Milchsau sozusagen, aber bei so viel durcheinander hatte ich schon Angst, dass die Eingangs erwähnten Jetpack-Drachen auch nichts mehr reißen können.

Diener, bringt mir Koffein!

Auf dem Heimatschiff und der Weltkarte läuft alles noch ganz entspannt ab. Man hält einen Plausch hier, verschiebt auf der schönen Weltkarte Einheiten von A nach B, kauft bessere Einheiten oder Vorteilskarten und grübelt ab und an über politische Entscheidungen, die über die Unterstützung der Rassen im Spiel teils starke Auswirkung haben. Vor allem der Taktikpart auf der Weltkarte ist entspannt. Hier was bauen, da was verschieben, hier eine Vorteilskarte ausspielen… doch nicht gut? Einfach alles schrittweise rückgängig machen und so lange tüfteln bis der „Zug beenden“ Button die Entscheidungen besiegelt. Dann zieht die KI, oft mit überraschend pfiffigen Aktionen und bringt euch ins Schwitzen. Und der Spaß beginnt von vorn. Noch mehr nette Gespräche mit teils herrlich karikierten Figuren aus der Fantasywelt. Während die Story eher flach ist und die Figuren- und Rassenzeichnungen übertrieben daherkommen, spart das Spiel nicht mit Bezügen zur Realität. Da werden Krankenkassen gefordert oder die Freigabe der Homo-Ehe. Wunderbar!

Nein! Besser Baldiran! Zack Zack!

Schön entspannt? Klick klick, ach wie schön entspannt kann das Leben in der Steampunk Welt von Dragon Commander sein. Wären da nicht die Gefechte. Klar, im Grunde kann man diese auch berechnen lassen und die Schlachtentscheidung per Vorteilskarten und bestimmte (teure) Generäle beeinflussen. Aber, wer König sein möchte, der muss sich schließlich auch mal selbst die Hände schmutzig machen. Richtig? Richtig! Also, rein ins Getümmel. Vielleicht noch ein zwei Vorteilskarten ausspielen, aber die allgemeine Prognose der Schlacht liegt bei 50 / 50. Ich kann also das Zünglein an der Waage sein. Kinderspiel. Kaum ist man dann im Echtzeitteil der Strategie wird man in der Regel von der wirklich hübschen Grafik überrascht sein. Grüne Täler, eisige Bergspitzen, flauschige Wolken. Dazu ein Einheitendesign, dass einem Steampunker die Tränchen in die Augen treiben könnte. Wer jetzt allerdings zu lange pennt und schwärmt, kann das Teil auch direkt wieder ausmachen, denn der Gegner ist schnell, sehr schnell sogar und handelt ausschließlich offensiv. Wer nicht in den ersten Minuten neue Versorgungspunkte einnimmt um neue Einheiten zu produzieren hat schnell ein Problem und verliert knallhart gegen die gnadenlose KI. Neuer Versuch.

Ich schau mir die Einheiten genauer an. Ein zweibeiniger Roboter, eine Art schwebender Panzer, eine kettenbetriebene Magie-Irgendwas-Einheit. Okay, das ist nicht sehr hilfreich. Hinweistexte lesen. Nach ein paar Minuten stellt sich heraus, dass Dragon Commander auch nur nach dem Stein-Schere-Papier-Laser-Spock-Schwert-Ast-Feuerzeug-Eidechse-Cupcake-System funktioniert. Jede Einheit taugt also irgendwie besonders gut gegen eine andere fliegende, fahrende oder schwimmende Einheit, ganz okay gegen andere und überhaupt nicht gegen Dritte. Dies ist hilfreicher, als man jetzt vielleicht denkt, denn die Echtzeitschlachten finden in der Regel zu Land, zu Wasser und in der Luft statt. Gleichzeitig. Wem jetzt das gute alte Z in den Sinn kommt, hat eine Vorstellung davon. Wer Z nicht kennt, sollte sich was schämen.

Go Go Jetpack Dragon!

Awww… klar, ihr wartet auf den Jetpack Drachen aus der Einleitung, richtig? Nun, im Echtzeit Modus könnt ihr, sofern ausreichend Versorgungspunkte vorhanden sind, in den Drachen Modus wechseln und holy moly, hier brennt der Busch dann wortwörtlich lichterloh. Als Drache könnt ihr in schicker 3rd Person Sicht über das Schlachtfeld fliegen und die feindlichen Einheiten mit Tod und Verderben überziehen. Was sich jetzt aber erstmal nach ner lauen imba-Nummer anhört ist tatsächlich harte Arbeit. Mag sein, dass die leichten Einheiten wie die Fliegen fallen, allerdings karrt der Gegner in der Regel davon auch eine scheißmenge aufs Schlachtfeld. Dazu kommen noch Flugabwehreinheiten, Schildgeneratoren und und und. Es wird einem wirklich nicht leicht gemacht und der Drachen-Modus versteht sich wirklich nur als Zünglein an der Waage. Zu lange sollte man hier aber auch nicht verweilen, denn solang man fliegt, lassen sich die Einheiten nicht befehligen. Klingt nach Stress? Du hast ja keine Ahnung.

Fazit

Ich konnte Divinity: Dragon Commander nicht so recht einschätzen. quietschbunter Fantasy-Steampunk-Mischmasch zusammen mit dem aberwitzigen Genremix verspricht schon ein halbgares Stück Spieleschund. Zugegeben, alle Spielelemente einzeln betrachtet, können wirklich nichts reißen. Die rundenbasierte Einheitenschieberei ist auf Dauer unspektakulär, die Diplomatie mit Rollenspiel-Beigeschmack nur ganz nett, die Echtzeitstrategie übertrieben hecktisch und die 3rd Person Action nicht fesselnd genug für ein ganzes Spiel. In dieser Kombination allerdings kommt ein Spiel raus, dass sich selbst nicht extrem ernst nimmt, abgedreht komplex erscheint und dennoch gut spielbar bleibt, wenn man sich damit ein wenig beschäftigt. Definitiv einen Blick wert!

Final Thoughts

Ich konnte Divinity: Dragon Commander nicht so recht einschätzen. quietschbunter Fantasy-Steampunk-Mischmasch zusammen mit dem aberwitzigen Genremix verspricht schon ein halbgares Stück Spieleschund. Zugegeben, alle Spielelemente einzeln betrachtet, können wirklich nichts reißen. Die rundenbasierte Einheitenschieberei ist auf Dauer unspektakulär, die Diplomatie mit Rollenspiel-Beigeschmack nur ganz nett, die Echtzeitstrategie übertrieben hecktisch und die 3rd Person Action nicht fesselnd genug für ein ganzes Spiel. In dieser Kombination allerdings kommt ein Spiel raus, dass sich selbst nicht extrem ernst nimmt, abgedreht komplex erscheint und dennoch gut spielbar bleibt, wenn man sich damit ein wenig beschäftigt. Definitiv einen Blick wert!

Overall Score 3.5 Meine Wertung
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