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Dark Souls 3 im Test


Während Michael noch in Fötus-Haltung weinend neben der Couch liegt und einfach nicht fassen kann, wie einfach so ein Bossgegner durch seine Rüstung kloppen konnte, übernehme ich jetzt einfach mal das Steuer. Hi, ich bin Dark Souls III und habe gerade einen PWRUP Redakteur zur Verzweiflung gebracht.

Ich habe ja schon eine ziemlich lange Geschichte und seit meiner ersten Inkarnation als Demon’s Souls anno 2009 unzählige Nerven, Beziehungen und vor allem Controller auf dem Gewissen. Wer hätte damals gedacht, dass ich als gnadenloses Hardcorespiel, in dem sich der wiederholende Bildschirmtod als essentielles Gameplay Element versteht, einen derartigen Erfolg haben könnte? Klar in meinem Heimatland Japan sind die Videospieler gewohnt, mit knüppelharten Games an den Rand des Machbaren gebracht zu werden… aber im Westen? Mein Erfolg führte 2011 zu Dark Souls und damit zu einer spielgewordenen Liebeserklärung an dich, lieber Leser und Core-Gamer. Ein Hauch von Story, knüppelharte Gegner und noch abartigere Bossfights als in meinem Debut, haben Dir das Leben schwer gemacht, aber auch irgendwie eine Liebe entfacht. Ich habe die Spreu vom Weizen getrennt und die Casual-von den Core-Gamern. Als ich 2014 dann als Dark Souls 2 wieder in deiner Spielkonsole lag, konnte ich die ganzen Bildschirmtode, Flüche und Tränen nicht mehr zählen. Es tat unserer Liebe keinen Abbruch… im Gegenteil, Du wolltest mehr: härtere Gegner, härtere Bossfights, mehr von Tod & Wiedergeburt. Nur ein Jahr später kam mein kleines Brüderchen Bloodborne exklusiv für die PlayStation 4 … und was soll ich sagen… er war hübscher, schneller, frischer und irgendwie was Besonderes. Vielen sagen, dass Bloodborne das bessere Dark Souls ist… bis jetzt! Jetzt bin ich wieder da und kehre als Dark Souls III zurück, habe aus meinen Dark Souls II Fehlern gelernt, zusammen mit Bloodborne trainiert und werde Dir erneut das Sterben lehren.

Du bist ein Niemand!

Es ist also nicht so, als hätte es keine Warnungen gegeben. Michael sitzt mittlerweile wieder auf der Couch und schreit den Fernseher mit wirklich sinisteren Flüchen an. Er kann es ja einfach nicht lassen. Nun denn… ich muss zugeben, dass sein Abenteuer doch ganz entspannt und rollenspieltypisch mit meinem Charakter-Editor anfängt. Zehn Charakterklassen, die vom Ritter über Magier und Fernkämpfer so ziemlich alles wichtige abdecken und natürlich nur das Fundament für die Charakterentwicklung darstellen. Mit meinem cleveren Levelsystem kannst du mit deiner Figur jederzeit eine andere Richtung einschlagen… allerdings kannst Du Dich auch verskillen und irgendwann mit einem Mischcharakter in den Kampf ziehen, der vieles, aber nichts davon wirklich meisterhaft beherrscht. Wer es ganz besonders kniffelig möchte, startet dann mit den Lvl1 Bettler… ein nackter Typ mit Holzkeule, Holzschild und komplett ohne vorgefertigte Ausrichtung auf einen Spielstil. Zum Vergleich: alle anderen Charakterklassen starten mit passender Ausrüstung und verbesserten Fertigkeiten, die einem Charakter Level von etwa 10 entsprechen würden.
Rate mal, welche Figur der gute Michael genommen hat… richtig… mit einem vorlauten „nur die Harten kommen in den Garten“ hat er sich den Level 1 Bettler geschnappt.

Um ihn nicht gleich in die kommende Tortur zu werfen, habe ich ihm erstmal meinen vermeintlich umfangreichen und subtil vorwarnenden Charaktereditor gegeben. Man kann hier einiges von der Frisur, Alter, Gesichtsform und so weiter einstellen… allerdings nur mit minimalen Unterschieden oder stellenweise völlig ohne sichtbare Funktion, wie die Haarfarbe. Hier kam auch schon der erste Fluch, nachdem er wie ein Irrer versucht hat, sein virtuelles Ebenbild zu erstellen… ich habe mich, rotierend in der Xbox, köstlich amüsiert. So viel Arbeit und Mühe… ohne sichtbaren Erfolg… soviel zu der subtilen Warnung. Wir verstehen uns?

Wähle und stirb!

Grabsteine und verwinkelte Wege zieren mein Startgebiet… und natürlich ein paar Gegner, die ich erstmal müde durch die Gegend schlurfen lassen… tja bis ein unaufmerksamer Abenteuerer, der nur ein Tuch um seine Hüfte als Rüstung trägt, in Schlagreichweite kommt. Dann kommt plötzlich und unerwartet Wallung in die Gegner und ZACK! ist auch schon der erste Bildschirmtod auf meinem Punktekonto. Meine sauschnellen Gegner und das langsame Angriffstempo Deiner Spielfigur… hach… ich wünschte, dass ich die ganzen angebissenen Controller sehen könnte.
Warum Du hier gelandet bist? Egal… wirst Du bestimmt noch erfahren, erwarte nur keine epische Storyline… ich halte mich da sehr im Hintergrund. Nur so viel: mit Vorwissen aus Dark Souls, wirst Du einige Aha!-Momente erleben. Okay, vielleicht habe ich mich bei der Story auf der einen Seite viel zu oft selbst zitiert und auf der anderen Seite zu sehr im Hintergrund gehalten… ZACK! schon wieder Tod?! … Denk nicht darüber nach, es gibt noch ein paar tödliche Monster bis zum ersten überraschenden Bossfight.

Ich muss sagen, dass ich mich beim neuen Kampfsystem selbst übertroffen habe. Soviel neue Sachen, hättest Du mir vermutlich nicht zugetraut. Eigene spezielle Kampfmanöver für verschiedene Waffenarten, verschiedene Haltungen, deutlich schneller einsetzbare Zauber, ein Tritt, der Gegner aus der Balance bringen kann, schnellere Erholung, nach einem Ausweichmanöver… ja doch… ich bin recht stolz auf das neue Tempo. Vielleicht habe ich mich mit meinem eher offensiveren Kampfsysten auch ein wenig an meinem kleinen Brüderchen orientiert. Beschwer Dich nicht.
Gut, irgendwie habe ich noch immer keine ordentliche Physik an Bord, keine Trefferzonen und auch eine sinnvolle Verbesserungen in der Kollisionsabfrage sind irgendwie unterm Tisch gelandet. Ja… das ist frustrierend und macht meine Kämpfe, besonders gegen eigentlich leichte Gegner, schwieriger als sie sein müssten… doch irgendwie gehört das doch auch dazu, oder?

Versuch es nochmal!

Meine Gegner, besonders die Bossgegner, haben dafür ein paar mehr Tricks für Dich dabei. Abgesehen davon, dass sie stellenweise abartig schnell und somit schon zu Zweit fast nicht zu knacken sind, können sie zig verschiedene Angriffsketten auf dich niederregnen lassen. Im besten Fall halten Deine Schilde und Ausdauer die Hälfte so einer Kette aus, dann wird wieder gestorben. Mein Tipp ist, dass Du immer immer immer in Bewegung bleibst und lieber den einen oder anderen Angriff aufschiebst. Zudem ist Deine Reichweite im Vergleich zu Deinen Gegnern stark eingeschränkt… sofern Du nicht gerade Brandbomben oder Pfeile dabei hast… und selbst die prallen schon an einigen Standardgegnern einfach so ab.

Bei meinen Bossen habe ich aber aus der Kritik an Dark Souls II gelernt und fast alle langsamen Riesen, die sich umkreisen ließen, verbannt. Sollte sich doch noch einer eingeschlichen haben, dann hat er von mir eine Überraschung an dabei. Mal benötigen sie in den mehrphasigen Kämpfen wenigstens eine leicht angepasste Kampfstrategie und manchmal verwandeln sich meine Bossgegner in schreckliche Monstrositäten, die eine komplett neue Strategie benötigen. Einen Vorgeschmack bekommst Du übrigens schon direkt beim ersten Boss. Eigentlich ein recht kleiner Ritter, der Dich mit großer Reichweite und gefährlichen Sprüngen immer in Bewegung hält. Du wirst viel ausweichen müssen und kommst nur in kurzen Momenten selbst zum Zug… aber dann verwandelt er sich plötzlich in ein Monster, dass wie eine abartige Kreuzung aus Schlange und Ratte aussieht. Sieht wirklich fantastisch aus, da muss ich meine Grafiker loben, und wird Dir alles an Fähigkeiten abfordern… also besser nicht zu lange staunen, sondern lieber über eine neue Strategie nachdenken. Glücklicherweise kannst Du alles was ich Dir entgegen werfen werde, anhand der fantastischen Angriffsanimationen lesen und reagieren lernen. Irgendwann…

 

Fazit

So… meine Tränen sind getrocknet und ich kann wieder übernehmen. Dark Souls 3 ist ein spezielles Spiel für eine spezielle Spielerschaft. Wer ein episches Rollenspiel mit dementsprechend epischer Storyline in epischen Kulissen erwartet, wird wohl enttäuscht werden. Dieses Spiel erzählt seine Story nur dem, der nach der Story sucht und mit Brotkrumen zufrieden ist. Dafür erzählen die abwechslungsreichen Kulissen viel mehr, als es jeder Dialog könnte. Allein das erste Gebiet „High Wall of Lothric“ erzählt die Geschichte einer gigantischen Schlacht. Muss man einfach gesehen haben. Interessierte Neueinsteiger in die Dark Souls Serie können einen Blick riskieren, da bisher kein Dark Souls Titel für mich so einsteigerfreundlich war. Allerdings bedeutet „einsteigerfreundlich“ in der Dark Souls Welt noch immer knüppelhärter als vergleichbare Spiele. Dieses Teil hier ist gnadenlos und voller gefährlicher Gegner … also selbst die popeligen ersten Viecher, denen Du begegnen wirst, sind bereits absolut tödlich. Es ist so ein wenig, wie nackig durch Australien zu wandern. Wirklich nahezu alles in Dark Souls (wie in Australien) ist für Dich tödlich. Genau hier entsteht der wirkliche Reiz am Spiel… es kann doch wohl nicht sein, dass ein Standard-Gegner schon unbesiegbar ist! Spätestens nach dem ersten Boss sollte der Funke übergesprungen sein. Du leckst Blut, scheiterst so oft an einem Gegner, bist Du siegreich aus dem Kampf kommst und suchst nach einer neuen Herausforderung.

Das „Problem“ an den Kämpfen ist, dass sie im Grunde fair sind… was bedeutet, dass Du selbst schuld daran bist, wenn dein Avatar mal wieder blutend im Dreck liegt. Wer zu schnell durch die Spielwelt läuft, sich nicht absichert, seinen Charakter und seine Ausrüstung nicht regelmäßig verbessert und das Kampfverhalten seiner Gegner nicht studiert, wird hier nicht besonders weit kommen. Die Gegner, vor allem die Bossgegner, reagieren auf Dich, kontern Deine Angriffe und holen schnell zum Gegenschlag aus… allerdings lassen sie sich so gut, wie in nur wenig anderen Spielen, lesen. Das bedeutet, dass Du anhand ihrere Bewegungen, die kommende Attacke vorausahnen kannst und mit gutem Timing zum kontern kommst. Das ist der Schlüssel zum Sieg.

Dark Souls 3 ist ein atemberaubend schönes und gnadenlos tödliches Abenteuer, dass zwar zahlreiche Komfortfunktionen im Vergleich zu seinen Vorgängern bietet, aber in keinster Weise an seiner Härte verloren hat.


Mein Fazit

Final Thoughts

Dark Souls 3 ist ein atemberaubend schönes und gnadenlos tödliches Abenteuer, dass zwar zahlreiche Komfortfunktionen im Vergleich zu seinen Vorgängern bietet, aber in keinster Weise an seiner Härte verloren hat.

Overall Score 4 Knüppelhart
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