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Agony


Agonie bezeichnet im altgriechischen den Todeskampf, sowie in moderneren Zeiten umgangssprachlich das Leid, eine qualvolle ausweglose Situation. In genau diesem Szenario fand ich mich wieder als ich erstmalig einen Trailer zum Horror-Survival-Spiel Agony von den Madmind Studios geshen habe. Ausweglos? Kein Weg soll aus der Hölle führen?! Das werden wir ja noch sehen. Nach einer Verschiebung von März auf Ende Mai ist Agony mittlerweile im Handel angekommen, und ob es einen Ausweg aus dieser Qualvollen Situation gibt, habe ich mir für euch genauer angesehen.


Fahr zur Hölle!

Du bist verstorben und erfährst das dein Schicksal in der Hölle liegt. Als gequälte Seele findest du dich dort wieder, ohne Erinnerungen daran wer du warst oder warum du in die Hölle gekommen bist. Das einzige was sich in deinen Erinnerungen befindet ist die Rote Göttin, sie ist der einzige Weg zu den Toren der ewigen Agonie.  Also machst du dich auf den Weg die Göttin zu finden und mit ihrer Hilfe die Hölle wieder zu verlassen.

Der Weg zum Erfolg liegt in deinen Fähigkeiten. Während du durch die wunderschön gestaltete Hölle schleichst und versuchst nicht von Dämonen getötet zu werden, kommt es nicht selten vor, dass genau das eben nicht gelingt. Wenn dein Ableben unmittelbar bevor steht, weil dich ein Dämon erwischt hat, hast du noch eine Chance bevor du endgültig den Löffel abgibst. Als Seele hast du eine gewisse Zeit zur Verfügung einen neuen Körper in Besitz zu nehmen, entweder eine gebrochene Hülle – oder im weiteren Verlauf auch einige Dämonen.


Atmosphäre

Das Prunkstück von Agony ist die Hölle. Die Levels sind in den meisten Fällen Labyrinthartig aufgebaut und durchzogen von bizarren Darstellungen welche von ästhetisch bis abscheulich gehen können. Sei es ein Höllenbewohner, der eine Mauer mit Steinen und Babys schließt, oder ein Dämon der mit einem Geflecht am Boden verschmolzen zu sein scheint. Überall um uns herum finden sich leicht bekleidete Wesen, teils Hüllen die wir von einem Sack über dem Kopf befreien um mit ihnen reden zu können, oder um sie später zu übernehmen, teils Dämonen welche auf der Jagd nach uns sind. Das Ganze wirkt in Kombination mit beklemmenden Sounds so surreal, dass ein permanentes Unbehagen zusammen mit leichter Orientierungslosigkeit ständige Begleiter sind, während wir weiter durch die Tiefen der Hölle wandern. Die Darstellung von expliziten Szenen mag für manchen an die Grenzen des guten Geschmacks gehen, aber sie erreicht in vielen Fällen einfach eine Qualität, welche an die große Horrorliteratur erinnert. Wir wandeln durch ein Labyrinth aus Körperteilen, sehen aufgespießte Hüllen leiden und hören Schreie aus allen Ecken. Das wirkt unheimlich gut und hat in etlichen Fällen einen interessanten kunstvollen Charakter.


Gameplay und Steuerung

Wie zuvor bereits erwähnt liegt die Besonderheit von Agony darin, das der Tod nicht das Ende ist. Die gebrechlichen Körper welche wir übernehmen können sind die richtige Wahl um Rätsel zu lösen und Sammelstücke aufzuheben. Die Dämonen welche von klein bis groß in unterschiedlichen Formen vorkommen, machen auf die besetzte Hülle allerdings stets Jagd – und verhalten sich dabei des öfteren äußerst eigenartig. Prinzipiell schleichen wir uns durch die Levels und versuchen den Kontakt zu den Dämonen zu vermeiden, denn wehren können wir uns nicht sonderlich gut. An einigen Stellen finden sich Haufen aus Armen und Beinen, oder Klüfte in welchen wir uns verstecken können, wenn wir verfolgt werden. Fackeln spielen zum Öffnen einiger Wege und natürlich zum Beleuchten der Umgebung eine wichtige Rolle, da die Dunkelheit oftmals sehr extrem ausfällt. Um sich gegen einen Dämon zu wehren, muss man selbst zum Dämon werden. Im Spielverlauf können wir einige der Dämonentypen zeitbegrenzt übernehmen und so wiederum Kämpfe gegen andere Dämonen ausfechten, oder einfach mal ein paar Hüllen zerlegen – je nach Lust und Laune. Allerdings ist es wichtig die Dämonen sowohl zum Öffnen mancher Durchgänge die für die Hölle sonst nicht erreichbar wäre zu nutzen, als auch die Dämonen nach der Besessenheit strategisch so zu positionieren, das sie der nächsten besetzten Hülle nicht im Weg sind. An etlichen Stellen finden wir Rätsel, welche zumeist darin bestehen einige Gliedmaßen zu sammeln, um einen Körper zu vervollständigen oder wir zeichnen Symbole nach, die wir uns an einigen Stellen im Bereich der zu öffnenden Tür einprägen können. Es gibt immer viel zu entdecken – besonders bei der Vielzahl von Sammelgegenständen die sich in jedem Level finden. Nachdem Agony das erste Mal durchgezockt wurde, ist noch nicht Feierabend. Insgesamt lassen sich sieben unterschiedliche Enden erspielen und auch weitere Spielmodi winken nach dem Ende. Neben dem Agony-Mode in welchem wir zufällig generierte Levels und Aufgaben gegen einen Highscore bestreiten, können wir im Sukkubus-Modus die Geschichte noch einmal aus anderer Perspektive erleben.

Die Steuerung fällt gewöhnungsbedürftig aus. Als Hülle bewegt man sich nicht besonders schnell, die wenige Ausdauer die zur Verfügung steht ist flott aufgebraucht. Hier ist mittlerweile durch einen Patch bereits nachgeholfen worden. Trotzdem steuert sich Agony sowohl als Hülle, als auch als Seele sowie ebenfalls als Dämon oftmals sehr schwammig. Dass ein gebrechlicher Körper keinen Marathon läuft ist ja zu erwarten, und trotzdem fühlt sich das Movement nicht immer präzise an, dazu bleibt man oft und gern mal an bestimmten Bodenelementen hängen. Bei einem Titel mit Fokus auf Lauf und Schleichmechanik kann das schonmal frustrierend enden.

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Grafik & Sound

Die Grafik von Agony ist insgesamt recht hübsch anzusehen. Was mir weniger gefällt sind bei maximaler Einstellung der PC Version die Filter, welche das Bild unscharf wirken lassen. Dadurch mag zwar die ein- oder andere schwächere Textur nicht auffallen, ist aber für Freunde von ordentlicher Bildschärfe eher störend, über die Einstellungen lässt sich allerdings Abhilfe schaffen. Bei den Models der Hüllen kommt leider recht schnell die Erkenntnis das man jedes Model schon X-Mal übernommen hat, ein wenig mehr Abwechslung wäre nicht verkehrt gewesen. Die Performance fällt bis auf einige wenige Ausnahmen am PC ebenfalls sehr gut aus, manchmal hat sich lediglich die FPS-Rate verabschiedet auf 30, was sich durch einmaliges hin- und herswitchen von VSync beheben ließ. Kompromissbereitschaft muss man bei der Einstellung des Gamma-Werts beweisen. Agony ist regulär sehr dunkel gehalten, an mancher Stelle definitiv zu dunkel. Hier kann man natürlich durch erhöhen des Gamma-Werts gegensteuern, allerdings verliert dadurch das Gesamtbild wieder etwas Atmosphäre. Der Sound in Agony fällt sehr düster aus und variiert gut in der Dramatik. Nähert sich ein Dämon und die Situation spitzt sich zu, nimmt der Sound wunderbar an Fahrt auf, sodass wir selbst wenn sich hinter uns ein Gegner befindet, wir zumindest suggeriert bekommen, dass es höchste Zeit wird sich vom Acker zu machen.

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Fazit

Agony macht es mir beim besten Wille nicht leicht. Während ich über das Design der Hölle immer wieder begeistert staune und an Geschichten von Clive Barker als Vergleich nachdenke, ärgere ich mich im Gegenzug ein wenig über etwas Recycling bei beispielsweise den Gesichtern der Hüllen, ein paar Models mehr wären schön gewesen. Die Story – so vielversprechend sie auch beginnt will einfach nicht an Fahrt aufnehmen, und plätschert fast unbedeutend anhand von gefundenen Textschnipseln vor sich hin. Die Idee als Seele verschiedene Formen an Hüllen und Dämonen übernehmen zu können erschien mir im Ursprung richtig gut, doch in Kombination mit stets ähnlich aufgebauten Rätseln kommt trotz aller Orientierungslosigkeit in den Levels das Gefühl von Gradlinigkeit auf. Spätestens wenn die expliziten Darstellungen von Sex, Gore und allerlei surrealer Kuriositäten nicht mehr zu schocken vermögen fehlt irgendwie das gewisse Highlight im Gameplay. Positiv anzumerken sei allerdings noch der Umfang. Neben alternativen Enden und zahlreichen Collectibles laden der Agony Modus und der Sukkubus Modus zur weiteren Erkundung der Hölle ein. Unterm Strich macht Agony vieles richtig, aber nicht genug um sich als durchweg gelungener Horrortitel zu präsentieren.

Gelungene Atmosphäre

Final Thoughts

Agony macht es mir beim besten Willen nicht leicht. Während ich über das Design der Hölle immer wieder begeistert staune und an Geschichten von Clive Barker als Vergleich nachdenke, ärgere ich mich im Gegenzug ein wenig über etwas Recycling bei beispielsweise den Gesichtern der Hüllen, ein paar Models mehr wären schön gewesen. Die Story - so vielversprechend sie auch beginnt will einfach nicht an Fahrt aufnehmen, und plätschert fast unbedeutend anhand von gefundenen Textschnipseln vor sich hin. Die Idee als Seele verschiedene Formen an Hüllen und Dämonen übernehmen zu können erschien mir im Ursprung richtig gut, doch in Kombination mit stets ähnlich aufgebauten Rätseln kommt trotz aller Orientierungslosigkeit in den Levels das Gefühl von Gradlinigkeit auf. Spätestens wenn die expliziten Darstellungen von Sex, Gore und allerlei surrealer Kuriositäten nicht mehr zu schocken vermögen fehlt irgendwie das gewisse Highlight im Gameplay. Positiv anzumerken sei allerdings noch der Umfang. Neben alternativen Enden und zahlreichen Collectibles laden der Agony Modus und der Sukkubus Modus zur weiteren Erkundung der Hölle ein. Unterm Strich macht Agony vieles richtig, aber nicht genug um sich als durchweg gelungener Horrortitel zu präsentieren.

Overall Score 3.2 Boobies from Hell

Trete selbst in die Hölle von Agony ein.

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