Cover-videothek-thumbnail Kolumnen

Von Videotheken zu Streaming-Diensten


Ach was war es schön, als es noch in jeder Stadt, jeder zweiten Kleinstadt oder sogar Dörfern reihenweise Videotheken gab. Regale über Regale gefüllt bis oben hin mit Filmen und Videospielen zum Ausleihen. Die meisten Videotheken hatten auch noch einen Verkauf für Merchandise oder ältere, bzw. ausrangierte Filme und Videospiele gehabt. Nur leider sterben Videotheken immer mehr aus. Die Menschen wechselten bereits vor mehreren Jahren zu Online Streaming-Anbietern wie z. B. Maxdome oder Watchever und mittlerweile kann man sich kaum noch zwischen den verschiedenen Anbietern entscheiden. Seitdem Netflix und Amazon Prime mit einem guten Angebot am Start sind und einige Leute sich nach dem Aus von Premiere den neuen Anbieter Sky für Filme, Serien und Sport zum Sofortabruf eingerichtet haben, nutzen noch weniger Leute die ortsansässigen Videotheken. Ich muss zugeben, dass auch ich bereits seit 2-3 Jahren hauptsächlich durch den Online-Dienst profitiere, aber dennoch DVDs und Blu-Rays kaufe und auch ab und an noch gerne eine Videothek zum Stöbern und eventuell auch zum Ausleihen eines Filmes aufsuche. Netflix und Co. sind vom Komfort her natürlich den Videotheken weit voraus, aber dazu später mehr.

 

Videotheken-Nostalgie

Videotheken haben schon immer ein gewisses Flair gehabt, welches man als Filmfan so wahrscheinlich nie wieder in der Form erleben wird. Damals betrat man seine Videothek des Vertrauens und wohin das Auge reichte, sah man haufenweise VHS Tapes und Poster seiner Lieblingsfilme. Am liebsten hätte man jeden einzelnen davon direkt ausgeliehen und sich Zuhause mit einer Tüte Chips und ein paar Softdrinks vor den Röhrenfernseher gehockt. Dann nur noch das VHS Tape einlegen, im besten Fall nicht mehr zurückspulen müssen und den ausgeliehenen Film genießen. Wenn ich diese Zeilen hier so schreibe, sehne ich mich wirklich nach dieser Zeit zurück. Auch als die DVD als neues Medium auf den Markt kam, besuchte ich immer wieder gern verschiedene Videotheken. Man hatte sich mit Freunden zu einem Filmabend verabredet und wollte ein paar aktuelle Filme schauen, die sich vom Taschengeld früher keiner leisten konnte. Für ältere Filme zahlte man damals bei uns um die 50 Pfennig und für die Neuerscheinungen meistens 1 – 2 Mark pro Tag. Das war allerdings immer noch viel günstiger als die DVD zu kaufen. Hatte man den Film zu spät zur Videothek zurückgebracht, musste man eine kleine Strafe zahlen, allerdings hatte man dann immer noch nicht den Preis einer neugekauften DVD oder damals VHS erreicht. Und mit der neuen Währung, dem Euro, veränderte sich am Preis überhaupt nichts (aber wo hat man das schon großartig gemerkt?).

 

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Die Auswahl in Videotheken ist natürlich nicht vergleichbar mit der, die nun auf Netflix und Co. vorhanden ist, aber es gab auf jeden Fall damals von Zeichentrickfilmen für Kinder bis hin zu Action- und Horrorfilmen alles, was das Filmfan-Herz begehrt. Horrorfans kamen des Öfteren auch in den Genuss ungeschnittene Filme zu erwerben, was in der Form bei den Online-Anbietern natürlich nicht möglich ist.  Und es gab natürlich den abgegrenzten und verruchten FSK 18-Bereich, in dem man unter anderem auch einige Pornos ausleihen konnte. Und sind wir doch mal ehrlich…wer stand nicht als Jugendlicher vor dieser Abteilung und hat sich über Pornotitel und deren Cover lustig gemacht, bis man vom Verkäufer weggeschickt worden ist? Auch sowas hat eine Videothek so einzigartig gemacht. Ich könnte allein sämtliche Seiten mit alten Videotheken-Geschichten von mir füllen… aber das würde hier leider den Rahmen sprengen.

 

Ab jetzt wird gestreamt!

Und dann kam auch schon die HD DVD auf den Markt, die allerdings schnell von der Blu-ray ersetzt worden ist und daher nach kurzer Zeit bereits in Vergessenheit geriet. Allerdings hatte die HD DVD hübsche rote Amary-Hüllen, das ist mir auf jeden Fall in Erinnerung geblieben, nur die Optik der Verpackung allein reicht natürlich nicht aus, um sich auf dem Markt zu halten. Und da vermehrten sich nun auch die Streaming-Anbieter wie z. B. Maxdome. Diese lösten das langweilige TV-Programm vor allem bei Jugendlichen ab und ersparten einem die Wege zur richtigen Videothek im Ort oder der nächsten Stadt. Einfach den Anbieter auf dem Fernseher mit Internetanschluss, oder dem PC und sogar der PS3 und Xbox 360 einrichten, einen Film aussuchen und starten. Für Filme, die erst kürzlich im Kino liefen, musste man abgesehen von dem monatlichen Abopreis von ca. 8 € einen Aufschlag zahlen. Und dies wurde dann aber auch noch einmal zum reinen Ausleihen oder zum Kauf der SD-Datei angeboten, danach richtete sich dann auch der Aufpreis. Dazu muss ich sagen, dass ich so etwas nie genutzt hatte, wenn ich einen aktuellen Film sehen wollte und ihn noch nicht im Kino angeschaut hatte, kaufte ich mir direkt die DVD oder Blu-Ray, weil ich immer noch gern ein Medium für das Regal habe und nicht eingesehen habe den Aufpreis zu zahlen, bzw. es auch immer noch nicht einsehe.

 

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Es gibt mittlerweile einige Streaming-Anbieter, so viel ist sicher. Welchen davon man letztlich wählt, hängt vom eigenen Interesse an deren Angebot ab. Die einen haben aktuellere Filme und coole Blockbuster und die anderen legen den Schwerpunkt auf Serien oder Filmklassiker. Jeder einzelne hat seine Vor- und auch Nachteile. Und auch dort kann nicht jeder der bereits existierenden Anbieter mit dem Druck von Netflix und Amazon Prime Video mithalten. Dann gibt es noch exklusive Filme und Serien, die bis zur Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray nur auf der Plattform laufen, die sich die Rechte daran gesichert hat oder sogar selbst an der Produktion beteiligt war. Netflix überzeugt dort vor allem durch ihre Serien, von Better Call Saul  über Jessica Jones oder Orange Is The New Black ist einiges dabei. Und auch Amazon hat seine eigenen Perlen im Angebot, wie zum Beispiel The Man In The High Castle, Fear the Walking Dead oder Mr. Robot. Der Schwerpunkt liegt ganz klar bei beiden Anbietern auf den Serien, aber auch exklusive Filme sind vorhanden. Und das alles kann man einfach von Zuhause aus auf dem Sofa ohne viel Aufwand konsumieren. Natürlich ist das Angebot vor allem bei Netflix beispielsweise in Amerika viel größer, aber dennoch kann man sich auch mit unserem Angebot Wochen und Monate, wenn nicht sogar Jahre beschäftigen. Man findet immer einen Film oder eine Serie, die man noch nicht kannte und kommt so schnell in Versuchung diese einfach auszutesten. Wenn es einem dann überhaupt nicht zusagt, bricht man den Film oder die Serie einfach ab und sucht nach etwas anderem. Und dazu muss man nicht das Haus verlassen, ins Auto oder aufs Fahrrad steigen und zur nächsten Videothek fahren. Da wir Menschen von Jahr zu Jahr immer fauler werden und immer mehr vereinfacht wird (was man uns durchaus auch ansieht), ist so etwas natürlich genau das, was sich durchsetzt und selbst die reinen Konsumenten des normalen Fernsehprogramms dazu anregt sich einen Account bei einem der Anbieter zuzulegen. Und vor allem kann man mittlerweile auf so gut wie jedem technischen Gerät seine Filme und Serien anschauen. Abgesehen von den bereits genannten Konsolen etc., laufen diese nun auch auf Tablets, Smartphones, und und und… . Jeder Haushalt hat mittlerweile mindestens ein Gerät zur Verfügung, welches dazu genutzt werden kann Filme und Serien zu streamen. In ein paar Jahren kann man bestimmt auch Kühlschränke oder Badewannen mit eingebauten Geräten zum Streamen von diesen Seiten erwerben, sollte es diese nicht schon irgendwo geben. Mittlerweile ist doch wirklich fast alles möglich.

 

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Werden DVDs und Blu-rays eigentlich immer noch ausreichend gekauft?

Als Fan und Sammler möchte man natürlich Filme, die einem sehr gefallen haben auch in seinem Regal stehen haben. Deutschland ist sogar eines der Länder, in dem noch am meisten die physischen Medien gekauft und genutzt werden. Laut einem Artikel des Futuresource-Reports liegt das normale Fernsehen tatsächlich noch bei 58 %, das Nutzen von Streaming-Anbietern bei 11 % und 19 % konsumieren in Deutschland noch Filme über DVDs und auch Blu-Rays. Und komischerweise kaufen immer noch mehr Leute DVDs, als die qualitativ höherwertigen Blu-Rays. Wozu ich sagen muss, dass auch ich erst sehr spät auf die Discs in den meist blauen Hüllen umgestiegen bin. Anfangs war ich noch nicht von der Bild- und Tonqualität überzeugt genug, habe irgendwann dann aber doch festgestellt, welchen Unterschied man teilweise beim genauen Vergleich feststellen kann. Nur leider wird mit der Zeit auch das Konsumieren der physischen Medien stark zurückgehen. Ob nun bei Filmen oder auch Videospielen, der Trend liegt ganz klar bei Online-Diensten und Downloads und wird sich früher oder später durchsetzen. Und so werden dann auch die auf Disc gepressten Filme zur nur noch von Fans genutzten VHS übersiedeln. Es wird wie ein Friedhof voller alter Medien, die aber dennoch von einigen Leuten immer noch wertgeschätzt werden. Und wer weiß, vielleicht bekommen diese dann, wie auch die Schallplatte noch mal eine Trendwelle und werden wieder mehr produziert. Wir werden es sehen, ich bin auf jeden Fall gespannt und ehrlich gesagt auch etwas besorgt. Ich bin da einfach ein Mädel der alten Schule und könnte stundenlang vor meinen mit Filmen und Spielen gefüllten Regalen stehen und sie einfach nur angucken. Klingt irgendwie komisch, aber ich finde es einfach klasse, wie viel Liebe zum Detail teilweise schon auf den Verpackungen zu entdecken ist. Von dem aufgedruckten FSK Flatschen möchte ich hier aber lieber nichts erwähnen…bitte nur noch Aufkleber, wenn es schon unbedingt sein muss!

 

Nun aber ausschließlich noch ein paar persönliche Worte von mir. Ich bin ein großer Filmfan und schaue mir sämtliche Filme im Kino an und kaufe sie mir auch noch einmal als physische Version. Bei besonders tollen Filmen auch in einer Special oder Collector`s Edition. Ich liebe es vor allem durch einen Laden zu schlendern und mir aus den Regalen die Filme zu ziehen, klassisch damit zur Kasse zu laufen und mich auf dem Rückweg die ganze Zeit darauf zu freuen, sie auszupacken und endlich gucken zu können. Aber auch ich nutze zum Kaufen natürlich auch Online-Shops, wenn es dort gute Angebote gibt, das tut wahrscheinlich jeder von uns. Und auch ich gebrauche ein paar Streaming-Anbieter. Allerdings kaufe ich mir sehr gern anschließend einen der dort gesehenen Filme oder auch Serienstaffeln, wenn sie mir gefallen haben. Da bin ich einfach noch ein klassischer Filmnerd und das wird sich bei mir auch so lang die Produktion von so etwas nicht eingestellt wird, nicht ändern. Und wenn das irgendwann der Fall ist, werde ich sehr sehr sehr doll um die physischen Medien trauern und mich wahrscheinlich auch tierisch darüber ärgern. Dann werde ich mich immer wieder an meiner Sammlung erfreuen, die ich mir aufgebaut habe und wie die derzeitigen VHS-Sammler alles nachholen, was ich verpasst habe. Auch die Videotheken würde ich gerne behalten. Allein zum Kaufen von ausrangierten Filmen war ich unzählige Male in verschiedenen Filialen und habe einige Schnäppchen gemacht und meistens auch noch einen Film ausgeliehen. Allein die Beratung durch einen echten Menschen (ja, so selbstverständlich ist das im Zeitalter der elektronischen Automaten mit Hilfefunktion nicht mehr) hat man die eine oder andere Filmperle entdeckt und konnte sich stundenlang mit seinen Freunden darüber unterhalten und den Film noch einmal oder direkt gemeinsam anschauen. Das war für mich etwas ganz besonderes und ich vermisse es ehrlich gesagt auch heute schon. Ich bin nur noch sehr selten in Videotheken, weil es einfach nur noch sehr wenige gibt und meistens sind die, die es noch gibt, nur die größeren Ketten, die ich im Vergleich zu den typischen, sympathischen kleinen Videotheken nicht so mag. Ansonsten besuchte ich abgesehen von den Videotheken auch gern kleinere CD- und Filmläden, aber auch die werden immer weniger. Nichtsdestotrotz werde ich aber weiterhin, so lang es mir möglich ist, kleine Videotheken, Läden und die Kinos und DVD- und  Blu-ray Industrie unterstützen.

 

Also… supportet Eure lokalen Videotheken, Film- und Videospielläden und schätzt die Arbeit, die hinter so etwas steckt. Und vor allem… nur das Original ist legal… lieber Netflix, Maxdome und wie sie alle heißen einrichten, anstatt die Filme illegal zu downloaden.


5 Kommentare zu Von Videotheken zu Streaming-Diensten

  1. Zimmy

    Ich bin ehrlich gesagt froh über die günstigere Alternative, sich Filme online auszuleihen. Ganz ehrlich, mein damaliges Videothekenpersonal war unmotiviert und lustlos. Auch Filmempfehlungen konnten die Leutchens nicht aussprechen, da die Mitarbeiter meistens welche waren, die selbst kaum bis nie Filme konsumiert haben. Dann noch Parkplatz finden, Spritkosten, etc etc… war im Endeffekt teurer als sich online was ausleihen. Gerade als Serienfan bin ich über Maxdome und Prime sehr dankbar. Pssst: Was sagst du eigentlich zu BOLLFLIX?! 😀

  2. Harald

    MAl etwas anderes. Freut mich. Ich hatte damals eine Videothek direkt auf der anderen Strassenseite gehabt. Da gab es noch VHS :-p Ich war immer aktuell und hab ganz viel geschaut. Mein Kumpel hat da gejobt und manchmal konnte ich mir Filme umsonst ausleihen. HAHA. Aber das stimmt schon, das Internet macht alles viel einfacher und man muss nichts zurückbringen, aber dafür gibt es keine Videotheken mehr. Alles vor und Nachteile, auch wenn ich die Zeiten vermisse. 🙂

  3. Kamania

    ich bin froh direkt über der letzten videotheke meiner stadt zu wohnen 🙂
    die Damen die diesen laden betreiben sind nett und freuen sich immer wenn ich mir mal wieder irgend einen film ausleihe 😀
    Dazu nehmen sie meine Packete an , was ich ihnen sehr hoch anrechne 😀
    Aber du hast recht wenn du sagst das Videotheke aussterbe und auch mir werden sie fehlen , dabei bin ich noch gar nicht so alt ….

  4. Gurki

    ein toller bericht. ich habe damals in unserer dorf vidiothek quasi gelabt und dadurch star wars und tanz der teufel endeckt ^^ zum glück war da jugendschutz noch nicht so aktuell und ich durfte mir schon mit 13 alles ausleihen (ausser pornos) weil die besitzerin meine mutter kannte. vielen dank

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