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Retrospektive: „Der Next-Gen-Launch“ oder „Ich und meine Playstation 4“


Seit dem Next-Gen-Launch ist nun schon eine ganze Weile vergangen und nun kann ich mit Fug und Recht behaupten, die PS4 ausgiebig getestet zu haben. Man könnte sagen, wir sind inzwischen schon richtige Freunde geworden.

Trotz allem möchte ich das zum Anlass nehmen, den Schritt in die nächste Konsolengeneration noch einmal Revue passieren zu lassen und auch einen spekulativen Blick auf die mögliche weitere Entwicklung und Marktverteilung zu werfen.

Zunächst stellt sich die Frage, wer sich in Sachen „Launch“ besser angestellt hat. In Anbetracht der zuvor geleisteten Promoarbeit sah es schon vor dem eigentlichen Launch für die PS4 besser aus: Nach einer durchaus als desaströs zu bezeichnenden Pressekonferenz wurde die Xbox One schon im Voraus Ziel von Spott – das Internet kann grausam sein und eine Vielzahl an hämischen Memes und entzürnten Textbeiträgen stellte Microsofts neuste Schöpfung schon vor Release an den Pranger. Diese negative Werbung dürfte wohl ein Grund dafür sein, dass der Run auf die besser vermarktete PS4 größer war. Sonys Next Gen Konsole versteht sich – so meine ich zumindest – als Spielkonsole, während die Xbox One ein multimediales Entertainmentgerät sein will. Der Fokus auf das, wofür so eine Konsole eigentlich gut ist, ging dadurch verloren und für richtige Spieler hatte sie sich damit sicherlich weniger interessant gemacht.

Die Qual der Wahl

Auch ich hatte zu diesem Zeitpunkt die Qual der Wahl – da der schon seit Jahren erhoffte Lottogewinn noch immer auf sich warten lässt, musste ich mich für eine der beiden Next-Gen-Konsolen entscheiden. Am Ende wurde es die Playstation 4. Warum? Einerseits – und das ist wahrscheinlich ziemlich unprofessionell – war ich schon immer ein „Playstation-Kind“ und so war es dann auch nicht verwunderlich, dass ich mit Sony den Weg in die nächste Generation der Videospielwelt ging. Nicht unerheblich ins Gewicht gefallen sind aber auch Preis und Leistung beider Konsolen in Bezug auf meine Entscheidung: Wenn auch die PS4 zum Launch weniger Titel vorweisen konnte, so versöhnten mich die 100€ weniger, die ich für sie berappen musste, mit diesem Umstand. Nichts desto trotz werde ich mir auch die Xbox One zulegen; das dann allerdings erst, wenn sie in einem anständigen Bundle und günstiger als aktuell zu haben ist.

Evolution

Die Evolution folgt in Sachen „Konsole“ ja seit jeher ganz anderen Mustern als es in der PC-Welt üblich ist. Alle paar Jahre, gibt es – hoppla – einfach eine neue Generation, während Spiele-PCs eher einer stetigen Weiterentwicklung unterworfen sind. Natürlich stellt sich da die Frage, wie „fortschrittlich“ sich die neue Konsolengeneration nun tatsächlich anfühlt.

Für meine Begriffe bedeutet der Übergang in eine neue Generation in Sachen Technik zwingend essentielle Neuerungen, die in dieser Form so noch nicht da gewesen sind. Alles andere ist bloß eine Verbesserung des Altbekannten, aber kein wegweisender Schritt in die Zukunft. Unter diesem Aspekt betrachtet fällt das Fazit der PS4 nun weniger gut aus als das der Xbox One – beide haben natürlich ordentlich aufgestockt, was Grafik und technische Leistungsfähigkeit angeht, aber wirklich neuartig ist an der PS4 soweit noch nichts, außer dem im Controller integrierten Touchpad – dieses ist bislang eher als nettes Gimmick zu verstehen. Die Xbox One hingegen versucht eher, wirklich neue Wege einzuschlagen, indem sie sich als Allroundsystem mit Sprach- und Gestensteuerung versteht. Abzuwarten bleibt, wie die jeweiligen Systeme genutzt werden – Next-Gen definiert sich meines Erachtens nicht nur über die Hardware, sondern auch über die Spiele, die es für die jeweiligen Systeme geben wird. Den Vergleich zu modernen Spiele-PCs zu ziehen ist schwierig, weil ich glaube, dass diese für eine ganz anderen Art Spieler interessant sind. Was bei den Konsolen alle paar Jahre nach einer größeren Zeitspanne der Stagnation ein großer Schritt in eine neue Generation ist, ist bei PCs ein viel fließenderer Prozess, da diese sich ständig verbessern, gemoddet werden etc.

Kinderkrankheiten

Wo vieles neu ist, ist auch manches noch nicht ganz ausgegoren – das liegt zweifelsohne in der Natur der Sache. Ärgerlich sind diese Kinderkrankheiten deshalb nicht weniger, doch nur für die PS4 sprechend, kann ich bislang keine gravierenden Fehlfunktionen feststellten. Als die neue Konsole auf den Markt kam, gab es zunächst wohl einige Modelle mit Produktionsfehlern (die meisten Probleme verursachte die HDMI-Schnittstelle) und das hätte natürlich nicht passieren dürfen – man stelle sich das vor! Da hat man nun das heißersehnte Gerät zu Hause und dann funktioniert nichts…alles was man zu sehen bekommt ist der theatralischer Weise so bezeichnete „Blue Pulse of Death“. Glücklicherweise wurde ich davon verschont. Einziges Manko, das sich mir bis jetzt darstellt, ist die nun schlankere Version der Cross Media Bar: Die Spiele werden – statt wie zuvor in Ordnern – nun hinter einander aufgereiht angezeigt. Im Laufe der Zeit werden allerdings einige Spiele zusammenkommen und ich sehe mich jetzt schon wild durch eine ewig lange Liste scrollen. Hier wäre vermutlich eine benutzerfreundlichere, übersichtlichere Auflistung vonnöten. Auch das Abspielen von .mp3- und .mp4-Dateien hakt bislang ärgerlicherweise noch. Als Erstkäufer ist man – da dürfen wir uns nichts vormachen – auch immer ein bisschen Versuchskaninchen.

Die nackten Zahlen

Doch neben meinem ganz subjektiven Empfinden zählt natürlich in der Hauptsache nur eins: Die nackten Zahlen.

Die bisherigen Verkaufsstatistiken zeigen zwar eine klare Tendenz hin zur PS4 an, doch ich glaube nicht, dass dieses Gefälle in Stein gemeißelt ist. Ging es den bisherigen Käufern vornehmlich wirklich um das Gerät, so wird in der kommenden Zeit das Spieleangebot über die Verkaufszahlen entscheiden: Welche Titel bietet mir die Konsole? Sowohl Xbox One als auch PS4 werden in Zukunft noch mit den obligatorischen Exklusivtiteln aufwarten können und diese könnten die jeweilige Bilanz noch einmal stark beeinflussen. Letztlich fällt die Entscheidung wahrscheinlich weniger zwischen Xbox oder Playstation, sondern vielmehr zwischen Halo oder Uncharted.

Launch-Titel

Gerade zum Launch hin aber konnten beide Konsolen einen mit dem Spieleangebot nicht wirklich vom Hocker reißen.

Hier haben wir es mit einem wirklich sonderbaren Phänomen zu tun: Erst werden wir ewig auf die neue Konsole scharf gemacht und wenn wir sie uns dann zugelegt haben, dann können wir damit…ja was eigentlich? Das Angebot an Spielen ist meist noch ziemlich eingeschränkt und die echten Knallertitel finden ihren Weg erst nach und nach auf den Markt. Dabei ist das Lineup der Xbox One sogar graduell besser als das der PS4, wenn man von den für beide Konsolen erhältlichen Titeln einmal absieht. Hoffen wir, dass das neue Jahr auch viele neue Spiele mit sich bringt, bevor die PS4 Staub ansetzen kann.

Und da Staubwischen ohne Frage zu den aller lästigsten haushaltsnahen Tätigkeiten gehört, wäre das doch sehr ärgerlich… Jeder, der das Release der neuen Konsolen herbeigesehnt hatte, hat sich nun bereits eines der beiden Systeme gekauft. All die Leute die dies bis jetzt noch nicht getan haben, warten vermutlich ab, bis ein spezielles Spiel erscheint, so dass der Kauf für sie dann auch rentabel wird. Wie zuvor schon angeschnitten, steuern hier die Releasedaten auch die Umsatzzahlen der Geräte an sich. Gelingt es Microsoft und Sony nun nicht, werbewirksame Titel nachzureichen, wird die Nachfrage sicher erst einmal stagnieren, ähnlich wie wir es ja auch schon bei der Wii U erlebt haben.

A propos Nintendo und die Wii U…

A propos „Wii U“: Wo genau bleibt eigentlich Nintendo, während Sony und Microsoft mit brandneuen Systemen auftrumpfen? Wird da etwa jemand vom Markt verdrängt..?

Obwohl das sicher viele Leute anders sehen, betrachte ich Nintendo gar nicht unbedingt als direkten Konkurrenten zu Sony und Microsoft. Das Publikum, auf das Nintendo abzielt, ist ein anderes – dem familienfreundlichen Image sind sie sich seit jeher treu geblieben. Kritisiert man jetzt, dass Nintendo nicht mehr mithalten kann und nichts Innovatives zu bieten hat, ist das ein bisschen so, als würde man Äpfel mit Bananen vergleichen. Der japanische Megakonzern schließt ein Marktlücke, die die beiden anderen gar nicht zu bedienen versuchen. Gerade im Bezug auf die Wii U könnte sich das sich schon beim 3DS abzeichnende Muster wiederholen: Nachdem der Handheld zu Beginn mit Startschwierigkeiten und Titelflaute zu kämpfen hatte, kommen jetzt nach und nach immer mehr Spiele auf den Markt, die wirklich zu begeistern wissen.

Bisher dachte man bei „Gimmicks“ und „zusätzlicher Hardware“ in erster Linie an Nintendo – doch wären solche Extras nicht auch für Playstation 4 und Xbox One denkbar?

Ich bin prinzipiell kein Fan von Schnickschnack für Spielkonsolen, deswegen ist diese Frage für mich schnell beantwortet. Statt viele verschiedene Gimmicks zu haben wäre es mir persönlich wichtiger, dass die vorhandenen gut funktionieren. Verbesserungsbedarf sehe ich da beispielsweise bei der Kamera der PS4, die in Sachen Tiefe und genauer Steuerungsmöglichkeiten sicher noch nicht das Beste rausholt. Denkbar und auch interessant wäre ein Kombination mit dem Oculus Rift System, welches für Ende 2014 angekündigt ist, vornehmlich aber für PC und Mac erscheinen wird. Wenn auch eine reizvolle Idee – für meine Zufriedenheit sind keine zusätzlichen Features nötig.

Das Konspirative

Und zum Schluss driften wir noch einmal ins Konspirative ab:

Direkt zum Launch erschien das Erlebnis eine PS4 zu kaufen irgendwo zwischen der Schlacht am kalten Buffet und einer ausgewachsenen Hooligan-Schlägerei zu liegen. Immer wieder wurden wir mit dramatischen Szenen in Videoform gefüttert und in den Elektromärkten schienen sich teils tumultartige Rangeleien um das neue Gerät abzuspielen. Ganz normaler Wahnsinn oder doch ein Werbetrick?

Wir alle wissen wie das Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert. Natürliche gehe ich davon aus, dass Sony hier taktisch klug gehandelt hat – eine künstlich vorgetäuschte Verknappung macht ein Produkt in den Augen des potentiellen Kunden noch interessanter, da mit dessen Besitz eine gewisse Prestige einhergeht. Das ist genau dasselbe, wie bei limitierten Editionen – Käufer sind auf einmal bereit, horrende Summen für eine Sache zu bezahlen, nur weil es eben nur die Anzahl X davon gibt – Exklusivität wirkt magnetisch auf Konsumenten. Natürlich ist die PS4 keine limitierte Auflage, schließlich möchte Sony damit so viel Geld wie möglich verdienen. Aber täuscht man den Leuten vor, dass man großes Glück hat, eine PS4 zu ergattern, dann führt das zu tumultartigen Szenen in Elektromärkten. Erschreckend eigentlich, wie leicht wir doch zu steuern sind. Und wie gut, dass ich meine PS4 frühzeitig online geordert habe…! (Theatralisches Video hier)

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich den Kauf bis dato nicht bereut habe – sehen wir, was die Zukunft noch alles bringt!


1 Kommentar zu Retrospektive: „Der Next-Gen-Launch“ oder „Ich und meine Playstation 4“

  1. Gurki

    beim thema technik muss ich sagen das im ersten jahr der ps2 und ps3 die spiele auch keine grafischen kracher waren weil man einfach die technik noch nicht im griff hatte. aber wenn wir schauen was mit god of war 2 auf der ps2 möglich war oder dann god of war 3 und killzone 2+3 sollten wir uns in geduld üben. freilich wird es spielmechanisch erstmal nix neues geben im aaa bereich weil es eben schon alles gibt aber da könnten die indie titel noch ein hoffnungsschimmer sein 🙂 schön geschrieben liebe zimmy.

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