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Jung sein und Retrospiele lieben, geht das überhaupt?


„Du bist doch viel zu jung, um das Spiel zu kennen“, „Man muss mit dem Spiel aufgewachsen sein, um es richtig verstehen zu können“, „Die heutigen Spiele sind totaler Müll“. Ganz ehrlich, ich kann es nicht mehr hören. Immer wieder stoße ich aufgrund meines Alters auf Diskussionen im Bereich der Videospiele und auch bei Filmen (wobei es bei denen noch viel schlimmer ist). Es wurde nun also so langsam Zeit ein paar Worte zu diesem Thema zu verfassen und meinen Gedanken darüber freien Lauf zu lassen.

Ich bin 1993 geboren und werde im Sommer diesen Jahres 24 Jahre alt. Die Allerjüngste bin ich meines Erachtens nun auch nicht mehr und habe die 90er sogar schon sehr gut miterleben können. Aber wo fing meine Liebe zu den Videospielen eigentlich an? Bereits im Kindergarten konnte ich es mir nicht nehmen lassen, immer wieder bei meinen Freunden während sie mit dem Gameboy spielten, über die Schulter zu schauen. Ein wahnsinnig interessantes, batteriebetriebenes Gerät mit Knöpfen und bewegten Bildern. Krass! Ich wünschte mir zu jedem erdenklichen Anlass einen Handheld oder eine PWRimage3Spielekonsole, da ich mir zu dem Zeitpunkt keinen sehnlicheren Wunsch vorstellen konnte. Leider blieben diese Wünsche lange Zeit erfolglos und so spielte ich immer bei Freunden mit oder wurde von meiner Tante an ihre PlayStation, den NES oder sogar den C64 gesetzt. Richtig gelesen… drei Generationen in einem Satz und das obwohl ich es eigentlich nicht in der Form miterlebt habe, wie manch anderer, der früher geboren ist und sich eine dieser Konsolen eventuell sogar schon von dem eigenen Geld kaufen konnte. Ich wollte einfach jedes Spiel spielen, was mir angeboten wurde. Egal welches Genre, egal welche Plattform, egal ob gut oder schlecht. Ich wollte einfach nur spielen. Und das tat ich auch… entweder habe ich mich abwechseln müssen oder durfte so lange spielen, bis ich mit meiner Spielfigur gestorben bin oder verloren habe. Beim ersten Rayman Teil auf der PlayStation 1 ist das leider viel zu häufig geschehen. Oh, was ging es mir auf die Nerven und doch habe ich das Spiel geliebt. Ich erinnere mich ebenfalls noch sehr gut daran, wie ich bei meinem älteren Cousin das erste Tomb Raider, ebenfalls auf der PlayStation 1, spielte. Ich fand es schon damals unheimlich faszinierend. Oder Tekken im Griechenland Urlaub bei meinen Freunden, die ich dort gefunden hatte. Meine Sehnsucht nach einer eigenen Konsole und weiteren Spielen wurde immer größer.

Nun habe ich bereits den dritten Titel genannt, den ich auf der PlayStation spielte und diese gefiel mir früher auch mit Abstand am besten. Ich war zwar sehr jung, aber dennoch wollte ich „erwachsenere“ Spiele spielen, am Liebsten die, die nicht einmal ansatzweise für mich bestimmt waren. Nintendo’s damals sehr PWRimage2beliebter N64 hat mir sehr gefallen und auch die Spiele habe ich (immer noch bei meinen Freunden) geliebt, aber es von Anfang an als Kinderkonsole abgestempelt. Genau das, was eigentlich für mich mit meinen zarten 6-8 Jahren geeignet war. Diese Spiele habe ich besonders viel, als ich etwas älter wurde, eingelegt und kam so natürlich auch noch in den Genuss von Zelda, Kirby und dem Rest des Nintendo-Teams. Irgendwann hatte ich endlich das Glück, dass mir ein Gameboy Color zu Weihnachten geschenkt wurde, mit dem ich unzählige Stunden verbrachte und mir beim Nichtaufräumen meines Zimmers die Batterien weggenommen worden sind, das war ein ganz übles Gefühl. Als nächstes folgte heimliches Spielen am PC meines Stiefvaters, Dark Project: Der Meisterdieb, Roller Coaster Tycoon, Leisure Suit Larry: Yacht nach Liebe und das erste Sims standen schon fast auf der Tagesordnung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich meine Liebe zu den Videospielen verfestigt und ich verfolgte diese von nun an aufmerksam. Zeitschriften, Fernsehen oder auch das wunderbare, absolut leistungsstarke AOL versorgten mich mit News und Gratisspielen. Meine erste eigene, stationäre Konsole besaß ich erst, als ich 15 Jahre alt war und dies war die PlayStation 2. Ab dem Zeitpunkt wurden Metal Gear Solid 3: Snake Eater, sämtliche Tony Hawk-Spiele und die GTA-Reihe treue Begleiter meines Lebens und ich spiele sie bis heute immer wieder erneut. Es folgten weitere Konsolen und Handhelds und auch die Virtual Consoles, Retromodule und Disks wurden bei mir legal aufgestockt. Natürlich gehen aber immer wieder verschiedene Videospiele an mir vorbei und ich versäume es so, sie zu spielen. Das passiert mir bei aktuellen, aber passierte mir in der Vergangenheit natürlich auch immer wieder bei älteren Veröffentlichungen.

Der wichtige Punkt bei dieser Sache ist das Nachholen. Ich hole unheimlich viel nach. Musikalisch, im Filmbereich, bei den Videospielen… ich bin interessiert an den Medien und habe sie lieben gelernt. Daher möchte ich so viel, wie nur irgendwie möglich davon erfahren und nachvollziehen, warum etwas seiner Zeit ein Erfolg oder Flop war. Gerade letzte Woche habe ich Day of the Tentacle und Full Throttle Remastered nachgeholt, da die Spiele in diesen Versionen wunderbar neu aufgelegt worden sind und man parallel dazu ja auch bequem zur Retro-Spielweise wechseln kann. Sowas liebe ich und wünsche mir noch viel mehr Neuveröffentlichungen dieser Art. Aber selbst wenn es diese nicht gibt, lege ich ältere Titel trotzdem gerne noch einmal im Original ein. Ob nun Nintendo, Sony, Microsoft und wie sie alle heißen, das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich komme auch mit einer nervigen Panzersteuerung, miserablen PWRimage7Übersetzungen oder furchtbarer Grafik zurecht. Wenn der Spielspaß nicht darunter leidet und mich das Spiel an sich nicht langweilt, ziehe ich es durch und in einigen Fällen bin ich sogar unheimlich froh, die Videospiele nachgeholt zu haben. Nur weil man gewisse Spiele nicht live miterleben konnte, aufgrund seines Alters oder anderen Gründen, heißt es nicht, dass man diese nicht wertschätzen und lieben kann. Und auch in dem Fall ist es natürlich absolut okay zu sagen, dass einem Spiel XY aus dem Jahr 1985 nicht gefällt, wenn man es anständig begründen kann. Letztendlich ist es immer Geschmackssache, die für alte, aktuelle und auch alle kommenden Spiele gilt und in jedem Abschnitt der Videospielgeschichte gibt es natürlich einige tolle und wiederum einige schlechte Titel. Ich selbst bin zwar jung, habe vieles nicht live miterlebt und hier und da auch mal ein Spiel verpasst, aber ich liebe Retrospiele dennoch und habe unheimlich viel Spaß diese nachzuholen und mich immer wieder einige Abende vor die Röhre zu setzen und mir ein perfektes Retrofeeling zu erschaffen. Und auch ein Spiel der Gegenwart wird bald schon retro, Schnee von gestern und eine grafische Enttäuschung sein, die aber trotzdem noch geliebt werden kann.

Love Retro, Love Newschool, Love Videogames!


4 Kommentare zu Jung sein und Retrospiele lieben, geht das überhaupt?

  1. Schöne Kolumne. 🙂 Ich bin ehrlich gefragt froh, dass du und auch noch Jüngere die alten Retrotitel nachholen. Es war zwar nicht jedes Spiel aus dem heutigen Blickwinkel geil, aber dennoch gab es echte Perlen mit großartigen Charme, Witz oder Storytelling, die man einfach mal gezockt haben muss. Oh ja Screenfun, Total!, oder die Bestseller Games- alles großartige Zeitschriften, die es auf dem bereits ausgestorbenen Print-Markt nicht mehr gibt. Woran das liegt ist ein ganz anderes Kapitel. Keep on (Retro) zocking! 😀

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