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Wenn die Linie laufen lernt: Ein Cartoon- und Comiczeichenbuch für Einsteiger und Dranbleiber


Zeichenbücher gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Jedoch taugen es nicht alle wirklich zu etwas. Einige sind ganz nett und durchaus hilfreich, andere wiederum wiederholen nur Schritte, die selbstverständlich sind oder sind nur dazu gedacht, Zeichenanfängern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Grunde sind (bis auf ein paar Ausnahmen) die meisten Zeichenbücher genau so aufgelistet: Oftmals lustlose und knappe Erklärungen, falsche Ratschläge in Sachen Kunstausstattung, oder gewisse Phasen werden unnötig in die Länge gezogen. Vor allem bei solchen „Manga-Zeichenbüchern“ ist es ganz besonders schlimm! Als ich in November diesen Jahres einen drei Tägigen Zeichenkurs absolviert und mich auf die Suche nach einem hilfreichen Comiczeichenbuch gemacht habe, bin ich tatsächlich fündig geworden. „Wenn die Linie laufen lernt“ von Petra Kaster war genau die Art von Comiczeichenbuch, wo ich mit gutem Gewissen sagen kann: Bitte mehr davon!

Kurz zur Person: Petra Kaster, Autorin und Zeichnerin dieses Werkes, wurde 1952 in Mülheim an der Ruhr geboren. Sie studierte in Essen Visuelle Kommunikation an der Folkwang-Hochschule für Gestaltung, machte anschließend ihr Volontariat beim SWF Baden Baden/Fernsehen und später erhielt sie ein Stipendium des Kultusministeriums Düsseldorf für ein Studium am Art´s Institute Lesley College, Boston/USA. Dort studierte sie intermediale Kunsttherapie. Am Hakomi Institut Heidelberg absolvierte sie eine Ausbildung in der Hakomi Therapie. Für SWF, NDR, WDR, und das ZDF ist sie als Trickfilmautorin und Realisatorin tätig. Zudem werden ihre Zeichnungen in diversen Zeitungen, Kalendern und Zeitschriften veröffentlicht, u. a. in der Rheinpfalz, dem Mannheimer Morgen, den Badischen Neuen Nachrichten, der Süddeutschen Zeitung, der Sächsischen Zeitung, Menschen Machen Medien, Illustration 66, dem Eulenspiegel und dem Nebelspalter. 2012 wurde sie sogar mit dem 1. Preis des Deutschen Karikaturenpreis in Dresden für ihre Zeichnung „Ich bin Günter Wallraff“ ausgezeichnet.

„Die Bleistifte gespitzt und voller Fantasie voraus!“ heißt es im Klappentext! Bevor es aber losgehen kann, sollte man natürlich Step by Step an die Sache rangehen. Und schon am Anfang erweist sich „Wenn die Linie laufen lernt“ als große Hilfe. Keine unnötige Vorwortbesserwisserei, keine falschen, leeren Versprechungen,… nein, am Anfang reichen sogar einfache Hilfsmittel und Techniken, um loslegen und seiner Fantasie freien Lauf lassen zu können. Und auch die weiteren Kapitel und Übungen später sind eine sehr große Hilfe! Angefangen bei niedlichen Ein- und Zweizellern, um zu zeigen, was man bereits aus einfachen Formen erschaffen kann, geht es weiter zu unterschiedlichen Kopfformen, gefolgt von Körperhaltung und -ausdruck. Es folgen Nasen, Augen, Haare und etliche andere Bestandteile einer Comicfigur.

Erklärungen sind genau richtig abgestimmt. Nicht zu unnötig lang, aber auch nicht zu kurz gehalten. Eben alles wunderbar und schnell verständlich auf dem Punkt gebracht. Unter anderem wird erklärt, durch welche Mittel sich das Alter einer Figur darstellen lässt und wie Minenspiel und Körpersprache eine Figur komplett verändern. Nur ein paar Striche mehr oder weniger und tada, schon haben wir eine andere Figur. Die dargestellten Figuren sind alle sehr einfach gehalten, wodurch man eher auf das Wesentliche achtet und als Beginner nicht durch den Schwierigkeitsgrad der Schattierungen usw abgeschreckt wird. Toll ist es auch, wie mit der „W-Frage“ umgegangen wird (also, Was geschieht, warum geschieht usw). In diesem Buch wurde dieses Kapitel kurz, aber dafür souverän auf dem Punkt gebracht. Die Zeichnungen im Buch sind niedlich und passend gewählt und helfen dem Zeichner/der Zeichnerin zu verstehen, worauf es nun in den Kapiteln und Übungen ankommt. Egal, ob es nun darum geht, Nasen, ganze Körper, Augen oder Hände zu Zeichnen oder sich mit Themen wie Gestik, passenden Outfits oder Ideen als Story zum Leben zu erwecken: Jede Seite im Buch ist gut durchdacht und in wenigen Minuten (und mit ein bisschen Übung natürlich) hat man eine menge Spaß beim Zeichnen.


Fazit

Tolles Buch. Doch, ernsthaft! „Wenn die Linie laufen lernt“ ist keine Geldmaschine wie manch andere 08/15-Zeichenbücher, die nur dazu gedacht sind Anfänger und Zeichenliebhaber zu verwirren und am Ende zu demotivieren, sondern nimmt den Leser / die Leserin mit auf die Reise ins vergnügliche, lockere Zeichnen ohne Zwang oder falschen Versprechungen. Wer sich an die einfachsten Schritte hält, fleißig am Ball bleibt und keine Scheu vor Experimenten hat, wird über seine kleinen, feinen Ergebnisse sehr erstaunt sein. Danke sehr, liebe Petra Kaster, für diesen schönen, zeichnerischen Wegbegleiter!

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