avengers Filmkritik

Marvels The Avengers


Was passiert wenn man Joss Whedon als Marvel-Kenner einen Film machen lässt, ihn mit Topschauspielern in einen Raum sperrt und über 200 Millionen Dollar reinpumpt?

Oh, Verfilmungen von Marvel Comics haben einen schweren Stand bei mir. Iron Man geht dabei als Gewinner raus, was allerdings weniger an den Storylines der beiden Streifen liegt, sondern an blendend aufgelegten Schauspielern, allen voran Robert „Es schneit auch im Sommer“ Downey Jr. Thor – mit Schweineäuglein Chris „Augenbrauen sind niemals blond genug“ Hemsworth – im Zwist mit seinem Bruder Loki (Tim Hiddleston, spielte alle an die Wand) war da schon eine deutlich magerere Ausbeute und die aufgeblasene Hurra-Patriotismus-Gallionsfigur Captain America mit dem immer bleichen Chris „die lebende Fackel“ Evans stellte den Tiefpunkt dar. Ja, okay, es gab bereits zwei Filme mit dem unglaublich grünen Hulk, aber den ersten mit Eric Bana schaffe ich trotz Kaffee nur in zwei Etappen und der andere… mal im Ernst.. Edward Norton als David Banner? Ich denke nicht. Daher wurde Softie #1 Mark Ruffalo mit der Rolle besetzt – ob das gut ging steht weiter unten. Damit wäre Team Avengers quasi komplett – Halt! Scarlett Johansson darf als Black Widow (Auftritt in Iron Man 2) noch mal ihre Akrobatikkünste zelebrieren, Samuel L. Jackson kann als Nick Fury (Iron Man 1 & 2) den Bad-Ass Spion raushängen lassen und Neuzugang Hawkeye, gespielt von Jeremy Renner, darf mit Pfeil und Bogen auf die Schergen schießen. Warum? Weil Jeremey Renner aktuell in gefühlt jeder erfolgreichen Filmmarke mitwildern darf.

„Hi, mein Name ist Loki und ich möchte der Herrscher der Welt werden.“

Mit der Überschrift haben wir die Rahmenhandlung schon schön zusammengefasst. Loki, der Bösewicht aus Thor, ist mit Hilfe des kosmischen Würfels Tesseract zurück auf die Erde gekehrt. Das klingt nach Ärger? Er hat auch noch eine außerirdische Rasse im Rücken. Das ist schon jenseits von Ärger und die Kacke dampft nicht nur, sondern steht in Flammen. Nick Fury, Anführer der S.H.I.E.L.D. Organisation, sieht nur Hoffnung in einem Team aus den Superhelden der Welt. Captain America, Iron Man, der Hulk, Black Widow und der Pfeil-und-Bogen-Scharfschütze Hawkeye müssen ran. Dazu gesellt sich noch der Donnergott Thor, der mit seinem Halbbruder Loki noch eine ganz eigene Rechnung offen hat. Jeder dieser Helden hat seinen eigenen Kopf, eigene Interessen und ein eigenes Super-Ego, das irgendwie in ein Team gepresst werden muss.

Avengers anschnallen!

Okay, Joss Whedon ist kein Experte für die große Leinwand und hat mit Serenity (der Abschiedsfilm zur viel zu schnell abgesetzten Serie Firefly) nur einen einzigen Film auf dem Kerbholz. Ansonsten kennt er sich nur mit Serien aus und hat neben der erwähnten Firefly auch noch Buffy inklusive allen Spinoffs in unzähligen Folgen auf den Fernseher geflimmert. Gräbt man weiter, offenbart sich Herr Whedon als Marvel- und Comicexperte. Hat er nicht nur zig mal als Comicautor gearbeitet, so geht auch die 12teilige The Astonishing X-Men auf seine Kappe. Wow, jetzt war ich mal so richtig gespannt.
Kurz nochmal zu Serenity: hier stand ihm nur ein schmales Budget von knapp 40 Millionen Dollar zur Verfügung die er in einen Film gestopft hat, der an keiner Stelle so „günstig“ ausschaut. Was kann er nun mit der mächtigen Marvel-Franchise und 200 Millionen anstellen?

Avengers! Auf die Plätze!

Noch bevor der Titel eingeblendet wird bekommt man die Ankunft von Loki inkl. fettesten Explosionen und Schusswechseln auf die Netzhaut gebrannt. Da bleibt nicht viel Luft zum Atmen. Übrigens musste ich zwei mal hinsehen bis ich How I met your mother-Cutie Cobie Smulders wiedererkannt hab. Natasha Romanova aka Black Widow darf noch einmal ihre Close-Combat-Fähigkeiten (leck mich am Arsch!) präsentieren und dann bekommt der Zuschauer erstmal eine kleine Atempause. Spätestens hier gab es zig unschlüssige Szenenwechsel und Logiklöcher die man schnell mit Popcorn oder Nachos stopfen sollte. Die erzählerische Tiefe von Christopher Nolans Batman Reihe (um im Comicthema zu bleiben) wird auch in den kommenden zwei Stunden nicht erreicht. Muss aber auch nicht, immerhin geht es hier um Popcornkino erster Güteklasse.

Loki: „I have an army“
Stark: „We have a Hulk.“

Bekommt man soviele Charaktere unter einen Hut? Da Joss Whedon Serienerfahrung hat, kann er mit einem größeren Cast umgehen und so bekommen alle Superhelden ausreichend viel Screentime um eine gewisse Entwicklung durchzumachen ohne andere Helden in die zweite Reihe zu drücken. Für meinen Geschmack bekommt Hawkeye obwohl seiner relativ wichtigen Rolle weniger Screentime als Black Widow, die zwar leckerschmecker ausschaut, dafür die Geschichte nicht besonders weit trägt. Aber bevor ich damit anfange: es geht in diesem Film wirklich nicht um eine Geschichte sondern um Schauwerte. Unterm Strich kann ich in diesem Punkt Entwarnung geben. Dann hätten wir noch Mark Ruffalo als Bruce Banner als der Hulk. Im Grunde hatten wir im PWRUP! Hauptquartier diesen Charakter schon abgeschrieben als der Name Ruffalo fiel. Seien wir mal ehrlich… 30 über Nacht war ein ziemlich mieser Film und Mark Ruffalo hat sich damit ein negatives Denkmal hinter unsere Klotür gesetzt. Aber, oh siehe da, als Dr. David Banner, der dringend eine Antiagressionstherapie nötig hat, beweisst Ruffalo genügend Feingefühl um den ständig nervösen, kurz vor dem Hulk-Anfall stehenden Charakter, auf die Leinwand zu bringen. Für diese Art von Film stellenweise vielleicht unnötig viel Feingefühl, aber da Mark Ruffalo rund 50% seiner Screentime an den grünen Muskelflummi Hulk abgeben muss, okay. Der Rest des Casts ist unverschämt gut aufgelegt. Allen voran hat Robert Downey Jr. als Großkotz Tony Stark die meisten Lacher auf seiner zynischen Seite. Moment mal… Lacher? In einem Actionflick? Japps, auch hier zeigt Joss Whedon, dass guter Witz nicht aufgesetzt und lächerlich wirken muss. Man merkt zwar stellenweise, dass der Hulk nachträglich noch ein paar Lacher auf seine Seite geschrieben bekommen hat, aber ansonsten würde dieser CGI-Muskelhaufen nicht viel hermachen außer „Zerstörung“.

Avengers assemble!

Wer sich für diesen grandiosen Streifen eine Karte zieht, sollte nicht auf große Geschichten, Charakterentwicklungen und überraschende Wendungen hoffen. Die gibt’s vermutlich im Saal nebenan. Hier wird eine 200 Millionen Dollar Zerstörungsorgie zelebriert, welche allerdings weit vom stumpfen Transformers 3-Krachbumm entfernt ist. Ich war wirklich extrem positiv überrascht und habe mich köstlich amüsiert. Die Charaktere sind gut platziert, der Film wird sicher blendend laufen und die nächsten Solofilme der Helden stehen in den Startlöchern. Mal sehen was uns in den nächsten Jahren so erwartet. Die Messlatte ist ausreichend hoch angelegt und sofern DC mit der geplanten Justice League Verfilmung nicht einen komplett anderen Kurs einschlagen möchte, muss einiges passieren um Marvel’s Avengers vom verdienten Helden-Combo-Thron zu stoßen.


Gib Deinen Senf dazu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.