pirates of the caribbean salazars rache feature Filmkritik

Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache


Kaum zu glauben, dass Disney eine Filmreihe – die auf einer Freizeitpark-Attraktion basiert – nicht nur vier Ausflüge auf der Kinoleinwand spendiert hat, sondern zuletzt auch noch den teuersten Film aller Zeiten verbuchen konnte. Pirates of the Caribbean 4: Fremde Gezeiten hatte satte 380 Millionen Dollar verschlungen, was umgerechnet knapp 5,5 Millionen Videospielen, knapp 1,3 Millionen Nintendo Switch Konsolen oder 126.000 Ausflügen ins Disneyland USA mit allem Pipapo entsprechen würde. Eine Kleinstadt könnte also locker eine Woche ins Disneyland einfallen. Nicht zu erwähnen, dass man dafür knapp 230 voll belegte Airbus A380 bräuchte, um die ganze Bagage zu verschicken. Nur damit Du, geliebter Leser, ein Gefühl für die Summe bekommst.

Hat es sich für Disney gelohnt? Vermutlich schon. Sonst hätte man nicht noch einen fünften Teil produziert und für Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow extra tief in die Geldbörse gegriffen, obwohl sein letzter Film – Lone Ranger – für Disney ein ordentlicher Flopp war. Aber… keine Piraten ohne einen Depp (hahaha).

Vaterkomplex

Dass Will Turner (aufgequollen: Orlando Bloom) verflucht auf dem Geisterschiff Flying Dutchman seine Ewigkeit verbringen muss, passt seinem Sohn Henry (blass: Brenton Thwaites) selbstverständlich nicht in den Kram. Sonst wäre es auch ein sehr kurzer Film. Also studiert er seit seiner Kindheit sämtliche Seekarten und Geschichten, die er finden kann. Die einzige Möglichkeit um den Fluch zu lösen ist der Dreizack Poseidons… und der kann nur mit dem magischen Kompass von Jack Sparrow (betrunken: Johnny Depp) gefunden werden. Allerdings führt eine Reihe von unglücklichen Umständen dazu, dass Jack Sparrow seinen Kompass freiwillig abgibt und damit den spanischen Geisterkapitän Salazar (großartig: Javier Bardem) aus seinem Gefängnis befreit. Dieser wurde von Jack Sparrow vor Jahren mit Hilfe des Kompasses gefangen. In der Rückblende erfahren wir auch direkt, wie Jack an sein erstes Kommando gekommen ist.
Fassen wir zusammen: Henry Turner sucht Jack Sparrow, der wiederrum von Salazar gesucht wird. Die Britische Flotte mischt ebenfalls mit, ein alter Bekannter lässt es sich auch nicht nehmen und die Hexe / Astronomin Carina Smyth (hübscher als begabt: Kaya Scodelario) stellt das Bindeglied zwischen den einzelnen Parteien und Poseidons Dreizack… ach und später offenbart sich auch noch eine familiäre Beziehung zwischen Carina und einer der Hauptfiguren der Reihe. Klar soweit?

Volle CGI-Fahrt voraus!

Regisseur Rob Marshall, der den ganz soliden und sündhaft teuren vierten Teil der Reihe gemacht hatte, war für Teil fünf nicht mehr zu haben… dafür konnten Disney sich das Regie-Duo Joachim Rønning und Espen Sandberg sichern. Nie von denen gehört? Schade, denn das oscarnominierte Floß-Drama (!) Kon-Tiki bot seiner Zeit für ein schmales Budget von 15 Millionen Dollar wirklich atemberaubende Schauwerte auf dem Wasser. Vielleicht hat aber auch der Sparfuchs hoffnungsvoll an der Disney Tür geklopft… was nicht wirklich geholfen hat. Gleichzeitig hat man sich bei Disney wohl erhofft, der Filmreihe wieder etwas mehr Herz verleihen zu können.

Darf es noch etwas Schmalz sein?

Bis zu Hälfte wirkt in Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache auch alles noch ziemlich stimmig. Die Effekte sind größtenteils handgemacht, wie der irrwitzige Bankraub in dem einfach das gesamte Bankgebäude an einem Pferdegespann durch die Stadt gezogen wird oder der amüsanten Flucht von Jack Sparrow und Komplizen vor dem Schafott. In der Mitte des Films werden dann aber die CGI Segel gehisst, was bei der Darstellung von Salazar, seiner grotesken Crew und deren Schiff überaus gelungen ist. Anders kann man dies nicht besser darstellen und ist somit von mir, als Liebhaber von handgemachten Effekten, abgenickt. Zum Finale hin war aber offenbar noch etwas viel vom CGI Budget übrig, sodass man sich dazu genötigt sah einfach mal komplett frei zu drehen. Angreifende Zombie-Haie, eine atemberaubende Schlacht zwischen Salazars Silent Mary und der Black Pearl inklusive lebendiger Gallionsfigur und am Ende teilt sich das Meer, um einen irrwitzigen Ritt auf einem Anker frei zu geben. Beim Klabautermann, da geht mal richtig die Post ab. Von „mehr Herz“ keine Spur, bis dann am Ende des Films so richtig die kitschige Schmalzkelle ausgepackt wird und man sich als Zuschauer nur verwundert die Augen reiben muss… was allerdings auch noch Nachwirkungen der kürzlich abgefeuerten CGI-Kanone sein könnten.

Fazit

Kann man die Geschichte um einen durchgehend betrunkenen Piraten (Johnny Depp), der durch die Karibik torkelt und dabei allerlei Abenteuer erlebt, nach fünf Teilen sinnvoll weitererzählen? Auf keinen Fall. Eigentlich ist Jack Sparrow durchgekaut und jede neue Wendung wirkt aufgesetzt. Macht Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache trotzdem Spaß? Was man an Entwicklung vermissen könnte bekommt man in irrwitzigen Actionsequenzen, die ein paar wirklich gute und augenzwinkernde Ideen haben, doppelt und dreifach ersetzt.

Gehirn aus, Dreispitz auf, Popcorn rein … und Notfalls eine Buddel voll Rum dazu. Yo-ho!


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1 Kommentar zu Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache

  1. Zimmy

    Yo Ho! Fluch der Karibik 5 schon? Ab Teil 3 hat mich das Franchise irgendwie verlassen. Brauchte 2 Anläufe um den dritten Film zu schauen. Lone Ranger war wirklich ziemlich schlimm. Ich weiss nicht ob das cool ist, Johnny Depp immer als Zugpferd zu benutzen. Aber die Kritik hier deckt auch so meinen oberflächlichen Eindruck: Solides Popcornkino mit guten Effekten. Ob man einen sechsten Teil braucht, wage ich zu bezweifeln.

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