Filmkritik

Kikis kleiner Lieferservice


Wenn man sich mit jemanden über das Thema Studio Ghibli-Animes unterhält, kommen einen meistens die „typischen Verdächtigen“ wie Prinzessin Mononoke, Mein Nachbar Totoro oder Chihiros Reise ins Zauberland in den Sinn. Leider werden aber öfters andere, schöne Perlen wie Das Schloss im Himmel oder Kikis kleiner Lieferservice komplett in Vergessenheit geraten.

Kikis kleiner Lieferservice ist eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Kinderbuches der japanischen Autorin Eiko Kadono. Der Anime-Film aus dem Jahre 1989 entstand unter der Regie von Hayao Miyazaki. Miyazaki ist aber nicht nur ein erfolgreicher Regisseur, sondern arbeitet auch noch als Zeichner, Grafiker, Drehbuchautor, Produzent und Mangaka. Sein bekanntestes Werk ist Nausicaä aus dem Tal der Winde, an dem er von 1982 bis 1994 arbeitete und das auch als Vorlage für den gleichnamigen Anime diente.

Die kleine Hexe Kiki verlässt mit dreizehn Jahren ihre Familie und ihre Freunde, um in einer fremden Stadt ihre Hexenkräfte voll zu entfalten, so wie es die Tradition von allen jungen Hexen verlangt. Zusammen mit ihrem schwarzen Kater Jiji, der ihr helfend zur Seite steht und in allen Lebenslagen eine Antwort parat hat, gelangt das Mädchen in eine Stadt am Meer. Dort angekommen verfällt das Mädchen zunächst in tiefe Unsicherheit, aber sie findet eine Wohnung und gute Freunde in einer Bäckerei und entwickelt den Wunsch, selbst einen Betrieb zu eröffnen: Einen Lieferservice. Dank ihres fliegenden Besens läuft die Sache auch recht gut. Schnell bekommt Kiki einige Aufträge und freundet sich sofort mit einer Reihe von Leuten an. Sie sammelt wertvolle Erfahrungen und lernt ihre erste Liebe, Tombo, kennen, der sich für alle Arten von Flugfahrzeugen begeistern lässt. Durch einen schweren Anfall von Selbstzweifeln verliert Kiki schließlich ihre Zauberkräfte. In dieser schweren persönlichen Krise findet sie aber Verständnis und Unterstützung bei ihren Freunden und als Tombo schließlich in eine lebensbedrohliche Situation gerät und Kiki ihn vor einem Absturz aus großer Höhe retten kann, wird sie in der ganzen Stadt bekannt und beliebt und gewinnt auch wieder ihr Vertrauen in sich zurück.

Die Animationen und detailverliebten Hintergründe sind wirklich zauberhaft und wurden liebevoll gezeichnet. Vor allem die Stadt am Meer, die an ein Postkartenmotiv erinnert, ist hier wirklich zauberhaft ins Leben gerufen worden. Typisch Studio Ghibli eben. Aber auch die Charaktere sind wirklich sehr gelungen, da sie sehr sympathisch und glaubhaft rüber kommen. Man freundet sich sehr schnell mit den Figuren an und kann sich mit den einen oder anderen sogar irgendwie identifizieren.

Musikalisch hat man hier absolut nichts zu bemängeln. Der japanische Komponist Joe Hisaishi, der auch schon für diverse andere Ghibli-Animes sein Können unter Beweis stellte, hat hier einen hervorragenden Job geleistet. Schöne, leicht verträumte Melodien, die einen zum Träumen, aber auch ein wenig zum Nachdenken einladen. Apropos Klänge: Die deutsche Synchronfassung ist hier wirklich empfehlenswert. Nicht nur, weil die ausgewählten Sprecher und Sprecherinnen zu den jeweiligen Figuren gut passen, sondern auch, weil man sich in Sachen Betonung und Emotionen ins Zeug gelegt hat, ohne dabei unmotiviert oder überzogen zu wirken.

Schön ist auch, dass Kikis kleiner Lieferservice wunderbar ohne klischeehafte Bösewichte und Charaktere funktioniert. Keine Rivalin, die es zu toppen gibt, keine böse Oberhexe, die es am Ende zu bekämpfen gilt und die Welt ist auch nicht dem Untergang geweiht. Nein, viel mehr hat man sich darauf konzentriert, eine Geschichte über ein kleines Hexenmädchen zu erzählen, welches Schritt für Schritt lernen muss, was Selbständigkeit und Selbstvertrauen bedeuten. Zudem lehrt Kikis kleiner Lieferservice eines: Wenn wir wollen, dass etwas klappt, oder das unsere Träume wahr werden, dann müssen wir auch was dafür tun. Diese Botschaft wird ganz neutral und ruhig rüber gebracht, ohne dass sie dabei einem fett ins Gesicht gerieben wird.

2014 erschien eine Realverfilmung zu Kikis kleiner Lieferservice. Mit Tadanobu Asano und Rie Myyazawa in den Hauptrollen. Diese Verfilmung kam größtenteils ganz gut bei den Fans an, viele jedoch bevorzugen jedoch das Anime-Original.

Für das Auge und für die Ohren ist was dabei und auch in Sachen Story kommt man auf seine Kosten. Kikis kleiner Lieferservice ist ein wunderschöner, niedlicher Zeichentrickfilm, der nicht nur einen optisch und akustisch verzaubern wird, sondern auch noch eine schöne Botschaft mitliefert. Wer Prinzessin Mononoke und Co. schon mehrmals gesehen hat, dem empfehle ich mal einen kleinen Ausflug in die schöne Stadt am Meer. Die liebe Kiki würde sich sehr freuen…

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