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Batman V Superman: Dawn of Justice (Spoilerfrei)


Der Kinosaal wird dunkel, die Spannung steigt… in wenigen Sekunden werde ich sehen, wie sich Batman und Superman wechselseitig aufs Maul geben. Plötzlich schaut mich ein ausgemergelter Zack Snyder (der Regisseur) an, wünscht mir und den anderen eingeladenen Kinobesuchern viel Spaß und bittet darum nicht zu spoilern. Selbstverständlich halte ich mich in der kommenden Kritik daran. Solltest du also die Trailer zum Batman V Superman gesehen haben, dann wirst du in meiner Filmkritik nix neues erfahren. Deal? Deal!

Über die eigentliche Handlung muss man auch nicht viele Worte verlieren. Nach dem Superman (Henry Cavill) im Finale von Man of Steel halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt hat, sind die Menschen sehr skeptisch gegenüber Superman, der wahlweise mal als Gott und mal als Alien betitelt wird. Ungünstigerweise stand aber auch ein Gebäude von Wayne Enterprises in Metropolis, das vor den Augen von Bruce Wayne (Ben Affleck), zusammen mit allen Mitarbeitern, zusammenbricht. Das bedeutet Krieg… nur wie besiegt man den unverwundbaren Superman?
Diese Frage stellt sich auch Alexander „Lex“ Luthor (Jesse Eisenberg) und ist nicht nur einer Waffe auf der Spur, sondern zieht im Hintergrund die Fäden um den Man of Steel immer weiter in Misskredit zu bringen und Batman aufzustacheln…

Nachdem ich Man of Steel gesehen hatte, schrieb ich noch „Ich wäre dann bereit für die anderen Helden der Gerechtigkeitsliga“. Tatsächlich hat mir der Film sehr gut gefallen und Zack Snyder (Regie) und David Goyer’s (Drehbuch) Superman, der mehr ein Alien ist und sich erst mit sich selbst und seinen Kräften unter uns Menschen zurecht finden muss, war klasse. Der Figur eine emotionale Tiefe zu geben und Selbstzweifel hinzuzufügen… alles macht Lust auf mehr. Über das Finale kann man sich streitet… ich empfand die Zerstörungswut der Effektabteilung gut, um der Figur „Superman“ noch ein paar mehr Ecken, Kanten und Probleme zu geben, mit denen er sich im kommenden Film herumplagen und daran wachsen kann. Dem Großteil der Zuschauer war das Finale dann doch eher ein wenig zu viel, für ihre Vorstellung von Superman.

Genau dieses Finale wird in Batman V Superman: Dawn of Justice jetzt aus der Sicht von Bruce Wayne erzählt. Er ist nur ein Mensch, direkt im Geschehen und bekommt die zahlreichen Opfer dieser Schlacht hautnah mit. Etwas, dass man in Man of Steel gar nicht wahrnehmen konnte. Irgendwie macht der großartige Anfang von Batman V Superman sein indirektes Prequel Man of Steel gleichzeitig noch zu einem besseren Film.

Visuell lässt Zack Synder hier die Sau raus und verneigt sich vor den Comicvorlagen. Auch, wenn es mich ankotzt, dass Batmans Origin Story (du weisst schon… seine Eltern wurden auf der Straße erschossen) schon wieder durchgekaut wird, ist die Sache visuell klasse. Afflecks Version von Batman als verbitterter Rächer der immer tiefer in einen Gewaltstrudel gerät, je näher er  seinem Ziel kommt, ist eine fantastische Hommage an Frank Millers „The Dark Knight Returns„. Henry Cavills hin und her gerissener Superman, der sich von der Menschheit immer weiter entfremdet, je mehr er helfen möchte und wortwörtlich über ihnen schwebt, ist eine Verneigung vor den Artworks des Zeichners Alex Ross.

Wenn du mit den genannten Comics und Zeichnern wenig anfangen kannst, verstehst du schon im ersten Akt des Films nur Bahnhof. Snyder/Goyer Reihen Szenen und Orte nur schwer nachvollziehbar aneinander. Sieht geil aus, ergibt aber mit laufender Spielzeit immer weniger Sinn. Damit komm ich noch klar, sofern irgendwann mal die losen Erzählstränge zusammengeführt werden… und die Erzählweise aus der Sicht Batmans ist ebenfalls eine clevere Idee…. doch dann hat Jesse Eisenberg als Lex Luthor seinen Auftritt und ab dort geht es abwärts mit dem Film.
Sein Lex Luthor ist ein überdrehter Typ irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn, der in seinen besten Momenten an eine billige Version von Heath Ledgers Joker (The Dark Knight) erinnert und für den Rest seiner Screentime ein Jar Jar Binks (Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung) Verschnitt der schlimmsten Sorte ist. Eigentlich bin ich allen Beteiligten dankbar… mit dem neuen Lex Luthor haben ich endlich eine Filmfigur, die ich noch mehr hassen kann als Jar Jar Binks.

Warum Lex Luthor jetzt konkret WAS mit WELCHEN Mitteln erreichen möchte, wird kaum klar… überhaupt ist die Motivation jeder einzelnen Figur im Film nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall möchte Lex Luthor dafür sorgen, dass sich Batman und Superman die Scheiße aus dem Leib prügeln. Warum? Egal! Hauptsache es knallt.

Lobenswert und ein echtes Highlight des Films ist Ben Affleck in der Rolle des alternden Batman/Bruce Wayne. Ein grober, brutaler und bulliger Batman, der längst auf alle Regeln scheißt und Verbrecher mit einem Batman-Brandzeichen zeichnet… wow. Von der Eleganz die Christian Bale als Batman/Bruce Wayne ausgestrahlt hat, keine Spur mehr. Ich freue mich auf einen neuen Batman Solofilm mit Affleck in der Hauptrolle. Vielleicht sogar ein Prequel, dass den angedeuteten Verbleib von Robin erklärt… wir werden sehen.

Irgendwie bekomme ich mit jeder laufenden Filmminute das Gefühl, dass nicht nur der Zuschauer keinen Plan davon hat, was überhaupt gerade los ist, sondern, dass sich auch Snyder und Goyer immer weiter in ein pseudokomplexes Storykonstrukt verlaufen. Batman kloppt mal in einer Häuserruine die Scheiße aus Bösewichtern, Superman rettet seine Louis Lane (Amy Adams) aus den Händen von irgendwelchen Afrikanischen Terroristen, die wiederum von Lex Luthors Soldaten abgeknallt werden, um Superman die Schuld zu geben. Zwischendurch sinniert Bruce Wayne mit seinem Butler Schrägstrich Mechaniker Schrägstrich Hacker Schrägstrich Dronenpilot Alfred (Jeremy Irons) über den Sinn seiner Taten („Wir waren schon immer Verbrecher“) und Clark Kent steigt total verliebt zu seiner Liebsten in die Badewanne… wenn er sie nicht gerade rettet. Alternativ haben beide aber auch Visionen, Halluzinationen und Tagträume… Batman träumt von einem Kampf gegen Superman in einer Welt nach der Apokalypse und Superman sieht seinen Vater, während er irgendwo in den Bergen durch den Schnee wandert… warum auch immer. Für Kenner der Comics durchaus nette Sachen und vielleicht ein Ausblick auf den kommenden Justice League Film (irgendwann 2017)… für den Rest nur noch verwirrend.

Dann ist da noch das Finale… und das zweite Finale. Nachdem sich Batsie und Supi im namensgebenden Finale die Hucke voll gegeben haben, inklusive selten dämlichem Twist um die Beiden in Best Buddys zu verwandeln, geht es dem gemeinsamen Gegner Doomsday an den Kragen. Wie und warum es zu Doomsday kommt… musst du selbst herausfinden. Der Trailer hat ja schon gezeigt, dass Batman an der Seite von Superman gegen das Monster Doomsday kämpft. Könnte spannend sein, wenn Doomsday nicht wie die CGI von Hulks buckeligem Bruder aussehen würde. Immerhin wird mehr als einmal betont, dass der Kampf in unbewohntem Gebiet stattfindet… man möchte ja nicht, dass sich wieder jemand einpisst, dass da gerade nebenher zigtausend Menschen hopps gehen.
Ach ja… Wonder Woman (Gil Gadot) hoppst dann auch noch durch die Szenerie und hilft den beiden Kerlen. Vorher kam sie schon im Film vor, hat aber eigentlich keine Rolle gespielt…  ach doch… sie sah super aus. Yay.

Fazit

Heiliger Bullshit, Batman! Der Film fängt doch so gut an! Batman und, bis auf kitschige Ausnahmen, Superman funktionieren prima, solang sie alleine unterwegs sind… sobald aber ein ADHS Lex Luthor im Jar-Jar-Binks-Modus ins Spiel kommt, um die Storyfäden zusammenzubringen, wird es mit jeder Filmminute schlimmer. Einzelszenen werden unlogisch aneinander gehangen, dazwischen noch Visionen und Tagträume… hohle Dialoge und viel zu lange Actionsequenzen. Ernsthaft… dass ich mich mal über ZU LANGE Actionsequenzen beschwere, sollte jeden hellhörig machen, der mich kennt. Batmans und Supermans Motive bleiben schleierhaft, von Lex Luthor will ich gar nicht mehr reden. Wonder Woman aka Diana Prince spielt bis zu ihrem Finale keine nennenswerte Rolle, außer Eyecandy und Stichwortgeberin zu sein… und selbst im Finale ist sie irgendwie da, aber nutzlos und immerhin hübsch anzusehen. Wenigstens ist ihr Thema im Soundtrack ganz cool, der ansonsten nur möchtegern-episch aus den Lautsprechern bollert. Ob es zur Situation passt… egal… vielleicht weckt es ja den einen oder anderen Zuschauer, der aufgrund der obskuren Handlung einfach weggenickt ist.
DC wollen einfach zu viel… einen eigenen Hulk, ganz viele Helden einführen oder zumindest andeuten, auf die Kritik am Man of Steel reagieren, einen eigenen verrückten Bösewicht vom Heath Ledger Kaliber einführen, ganz ganz viel CGI und Bombast, Drama, was episches… und düster soll der Film auch sein… eine kleine Liebesgeschichte muss auch noch mit rein… Zeitsprünge auch… und Hans Zimmer und Junkie XL für den Soundtrack… eat this Marvel!
Ganz ehrlich… wenn ihr bei DC nochmal ein paar Franchises gegen die Wand fahren lassen wollt, dann schaff ich das in unter 2 1/2 Stunden und für weniger als 250 Millionen $. Ruft mich einfach an!

Vielleicht stell ich mir einfach vor, dass ich einen 151 Minuten langen Trailer zum Justice League Film gesehen habe… ja… das ist eine gute Idee.

 

2 Kommentare zu Batman V Superman: Dawn of Justice (Spoilerfrei)

  1. Flashalchemist

    Einen Eigenen Hulk? ist das dein Ernst? Diese Scheiß Marvel vergleiche sind voll für den Hintern.
    schnapp dir mal nen Stapel 90ziger jahre Comics und schau dir den film nochmal an dann verstehst du auch was da abging -.-„

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